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Michele Soavi ist zurück! Seit 1994 ist es still um den talentierten italienischen Regisseur geworden. Nun meldet sich der ehemalige legitime Nachfolger von Dario Argento mit einen Polizeifilm zurück, der für das italienische Fernsehen gedreht wurde.


In Rimini treibt die Uno Bianca Gang ihr Unwesen. Brutal und rücksichtslos geht die Gang vor. Selbst Polizisten werden auf offener Straße erschossen, auch vor Unbeteiligten machen sie nicht halt. Dabei scheint kein System hinter den Überfällen zu sein. Mal sind es Banken, dann Supermärkte oder auch Tankstellen. Mal stirbt niemand, mal müssen einige dran glauben.
Die Cops Valerio und Rossi wollen zusammen mit ihrem Chef die Bande dingfest machen. Bei einem missglückten Zugriff erleidet der Chef der beiden einen Kopfschuss und landet schwer verletzt im Krankenhaus. Valerio ist jetzt noch mehr angespornt, aber er kommt weder hinter das System der Bande, ferner wird ihm das Leben durch eine Spezialeinheit aus Bologna erschwert. Es scheint so, als würde die Bande jeden Schritt der Polizei genau kennen.
Als Valerio einen ersten Hinweis auf die Täter hat, stirbt sein Chef und die Bologna-Einheit berichtet öffentlich, die Uno Bianca Bande Dingfest gemacht. Doch Valerio glaubt nicht daran, dass eine Gruppe von Slawen die Täter sein sollen. Er soll Recht behalten...


Über zehn Jahre hat man nichts mehr vom italienischen Regisseur und immer mal wieder Darsteller Michele Soavi gehört. Nach seinem grandiosen Film „Dellamorte Dellamore“ ist es still um den Italiener geworden. Grund soll eine schwere Erkrankung seines Sohnes gewesen sein, der mittlerweile leider auch verstorben sein soll. Umso mehr versteht man Soavi, dass er sich erst mal um seinen Sohn gekümmert hat und dem Filmgeschäft den Rücken gekehrt hat.

Scheinbar aber konnte sich Soavi doch dann doch nicht einfach damit abfinden, keine Filme mehr zu drehen. So nahm er einige Werke des italienischen Fernsehens an und der erste Film der nach Amerika rüberschwappte und veröffentlicht wurde, war „Uno Bianca“.
Viele Italienkenner denken vielleicht sofort an die bekannten italienischen Polizeifilme mit Maurizio Merli und andere „Stars“ dieses Genre. So ist Soavis Film aber nicht aufgebaut, allein die Länge von über 180 Minuten verlangt vom Zuschauer einiges an Sitzfleisch. Ferner stellt sich die Frage, wie gut ist Soavi überhaupt noch nach all den Jahren?

Eins vorweg, „Uno Bianca“ ist ein TV-Film für das italienische Fernsehen und dies sieht man auch, denn so viel Budget bleibt für einen solchen film natürlich nicht. Umso großartiger ist wohl Soavis Leistung zu bewerten. Die „Uno Bianca“ Gang gab es Anfang der 90er Jahre wirklich in Italien und so ist dieser TV-Film keine reine Fiktion.
Ein Film mit einer Lauflänge von über 180 Minuten, der für das Fernsehen gedreht wurde, muss den Zuschauer schon fesseln, damit dieser wirklich bis zum Ende am Ball bleibt. Und dies gelingt Soavi, als wäre er nie weg gewesen. Zwar ist Soavi in seinen Mitteln natürlich ein wenig limitiert, doch dies macht gar nichts, denn „Uno Bianca“ ist ein wirklich hervorragender Polizeifilm, an den sich so mancher deutsche Möchtegernkrimi eine Scheibe abschneiden könnte.

„Uno Bianca“ ist natürlich kein reiner Actionfilm, auch wenn die Überfälle recht gut in Szene gesetzt worden sind und gerade am Anfang lässt es Soavi richtig gut abgehen, die Anfangssequenz zeigt seine Klasse. Viel Zeit investiert Soavi auch in die Charaktere und die Polizeiarbeit, dies ist natürlich bei einer Lauflänge von 180 Minuten auch nötig.
Zu Begin muss man mit den beiden Ermittlern etwas warm werden, doch danach wirken sie recht sympathisch und Kim Rossi Stuart und Dino Abbrescia machen ihre Sache gut. Auch ein leichter Humor zieht sich durch den Film, wobei die Taten der Gang alles andere als humorvoll sind.
Wie von Soavi gewohnt, gibt es auch hier einige interessante Kameraszenen (Soavi war nicht umsonst in der Lehre bei Dario Argento Dario) und auch insgesamt wirkt der film ziemlich rund. Es ist schon erstaunlich, was Michele Soavi aus einem TV Film alles rausgeholt hat.
Auch legt Soavi immer mal wieder falsche Spuren aus, so dass man gegen Mitte einige Theorien hat, wer denn die Täter sein könnten. Ein wirklich furioses Finale gibt es zwar nicht, dennoch wird alles aufgeklärt. Nicht immer ist der Film logisch, aber welcher Polizeifilm ist das schon? So sollte man einfach froh sein, dass Michele Soavi zurück scheint.


Fazit: Zwar fand Michele Soavis Comeback erst mal nur im italienischen TV statt, doch schon „Uno Bianca“ zeigt, dass der Italiener sein Handwerk nicht verlernt hat und vielleicht bald schon wieder in die Fußstapfen von Dario Argento treten könnte, der ja mittlerweile nur noch unter Hardcore-Fans halbwegs gute Filme dreht. Sicherlich war es ein kleines Risiko von Soavi, mit einem TV Film zu starten, doch man sieht wieder, wenn ein fähiger Regisseur hinter der Kamera steht, kann man auch aus beschränkten Mitteln einiges rausholen. Soavi-Fans sollten sich das Comeback des Italieners nicht entgehen lassen. Und ja, ein neuer Kinofilm von Soavi ist auch schon fertig und wird hoffentlich bald auch hier einschlagen. Die Kritiken sind auch für diesen Film alles andere als schlecht. Also welcome back Michele Soavi, auf das noch weitere Film von ihm folgen werden. Das Talent hat er, ohne Frage.

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