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Animatrix (2003)
Eine Kritik von Apollon (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 09.06.2003, seitdem 530 Mal gelesen
Als Ergänzung zu ihren "Matrix"-Filmen kam den Wachowski-Brüdern die Idee zu der aus neun animierten Kurzfilmen bestehenden "Animatrix". Die Drehbücher lieferten sie zum Teil selber, doch mit der Realisierung des gesamten Projektes wurden sieben relativ bekannte Regisseure, fast ausschließlich aus dem Animegenre kommend, beauftragt. Das Ergebnis sind, wenn wir den in zwei Episoden aufgeteilten "The Second Renaissance" zusammenziehen, acht handlungstechnisch wirklich unterschiedliche und von ihrem individuellen Stil geprägte Kurzfilme - für visuelle Abwechslung ist also ebenfalls gesorgt...
Der letzte Flug der Osiris:
Der Auftakt der "Animatrix" hat eine dichte Beziehung zu "Matrix Reloaded", denn hier entdeckt die Crew des Schiffes "Osiris" die sich auf den Weg nach Zion machenden Wächter und versucht die Rebellenführer zu warnen. Die Story fällt dabei recht dünn aus, allerdings ist "Der letzte Flug der Osiris" dafür sehr actionlastig und beginnt gleich zu Beginn schon mit einem musikalisch rasant untermalten Übungskampf zwischen zwei Protagonisten. Als einziger komplett im Computer entstandener Kurzfilm tanzt er dabei optisch etwas aus der Reihe. Zwar entstehen schöne Kamerafahrten und ästhetische Schwertkunst mitunter in Bullet-Time, doch die Choreographie wirkt stellenweise etwas träge. Die gesamten Animationen steigern sich aber beim Angriff der Wächter noch und liefern einen temporeichen, bleihaltigen, aber auch scheinbar aussichtslosen Kampf gegen die Maschinen. Nebenbei gibt es auch schöne Bilder aus der Matrix zu bestaunen, da eine Hauptprotagonistin schließlich versucht, Zion eine Botschaft zu kommen zu lassen.
Obwohl "Der letzte Flug der Osiris" von Regisseur Andy Jones sehr in Verbindung zu "Matrix Reloaded" und dem Computerspiel "Enter the Matrix" steht, ist er doch nur virtuelles, optisch nettes Beiwerk mit karger Story. (5,5/10)
The Second Renaissance - Part 1 & 2:
Wie beim ersten Kurzfilm der "Animatrix" stammt auch bei den beiden Episoden von "The Second Renaissance" das Drehbuch von Andy und Larry Wachowski. Doch dieser zweiteilige Kurzanime beweist viel mehr Tiefgang als "Der letzte Flug der Osiris" und stellt vielleicht insgesamt den informativsten Film der "Animatrix" dar, denn hier wird mit dem Öffnen des Zion-Archives die Entstehung der Feindschaft zwischen den Menschen und den Maschinen im Verhältnis zur geringen Spielzeit sehr ausführlich beleuchtet. Sehr interessant, und vor allem im zweiten Teil düster, gestaltet sich dieser mit vielen wichtigen Fakten komprimierte, im Monolog erzählte und mit guter, zunächst unterschwelliger, später auffälliger Musik begleitete Ausschnitt aus dem Geschichtsbuch der Menschheit, die sich mit der Erfindung der eigenständigen künstlichen Intelligenz noch nicht ihren eigenen Untergang schuf, sondern dies erst mit der subversiven Gewalt an den Roboterindividuen tat. Regisseur Mahiro Maeda inszenierte den Zweiteiler so intensiv und zweiseitig objektiv, dass wir teilweise sogar Mitleid für die Maschinen fühlen. Atmosphärisch viel apokalyptischer kann man dieses Kurzwerk von Mahiro Maeda auch stilistisch kaum mit seinem bekannten "Blue Submarine No. 6" vergleichen. Die Zeichnungen sind hier viel subtiler, realistischer, detailreicher und natürlich trister.
Der Zweiteiler "The Second Renaissance" ist für die "Matrix"-Trilogie von großer Bedeutung, hat aber davon abgesehen auch technisch und atmosphärisch einiges zu bieten.(7,5/10)
Kid's Story:
Auch der dritte Kurzfilm der "Animatrix" stammt aus der Feder der Wachowski-Brüder und ist daher erneut recht stark in die "Matrix"-Filme impliziert worden, denn speziell in "Matrix Reloaded" findet man in einer Anspielung die Brücke zum jungen Hacker in "Kid's Story". Dieser erinnert an Neos früheres Leben und wird von ihm sogar höchstpersönlich kontaktiert. Der Junge weiß von einer anderen Welt und als ihn schließlich Agenten verfolgen, gelingt ihm bei seiner Flucht etwas sehr außergewöhnliches - Dies ist dann gleichzeitig auch einer der eingehendesten Aspekte zur "Matrix"-Thematik, die dieser Kurzfilm vermittelt. Visuell charakterisiert dieser Anime von Shinichiro Watanabe ("Cowboy Bebop") sich durch saubere Darstellungen der stehenden Umwelt, aber abstrakten, beinahe zum Thema passend traumatischen Bildern bei einer Skateboardfahrt, die wiederum von schneller Musik unterstützt wird. Die Zeichnungen der Menschen zeigen sich gröber, verschwommener und stark aufgewühlt.
Nicht nur Parallelen zu Neos Schicksal, sondern auch neue Erkenntnisse über die Beschaffenheit der Matrix lassen "Kid's Story" inhaltlich zu einem qualitativ hochwertigen Kurzfilm dieser Serie avancieren. (7,5/10)
Program:
Ähnlich wie "Der letzte Flug der Osiris" setzt auch "Program" mehr auf Action als auf Story. In einer Trainingssimulation wird einer Rebellin durch einen Kameraden das Angebot gemacht, in der Matrix wieder ein normales Leben ohne Wissen um die reale Welt zu führen - Damit wäre die Handlung dieses Kurzfilmes, der noch am ehesten dem typischen japanischen Animestil näher kommt, bereits erzählt, wodurch "Program" außer der finalen Entscheidung storytechnisch ein recht schwaches Bild abgibt. Jedoch dürfte Genrefans der dargebotene, von "Vampire Hunter D: Bloodlust"-Regisseur Yoshiaki Kawajiri inszenierte Trainingskampf im mittelalterlichen Fantasy-Look durchaus gefallen. Alte Waffen und wechselnde Kulissen bringen hier durchaus Abwechslung in die Serie der "Animatrix". Die Zeichnungen, sowie der Klang sind überzeugend und harmonieren sehr schön unter der Regie von Yoshiaki Kawajiri, von dem hier übrigens auch das Drehbuch stammt.
Die Qualitäten liegen bei "Program" also deutlich in der Action, womit dieser Kurzanime die "Animatrix" zwar optisch aufwertet, jedoch in seiner Geschichte kaum Details erhält, die wir nicht schon aus "Matrix" kennen. (5,5/10)
World Record:
Als einer der zeichnerisch experimentierfreudigsten Kurzfilme dieser Serie wird "World Record" mit Sicherheit nicht jedem zu sagen, obwohl er inhaltlich eine sehr interessante Grundidee vertritt. Denn bei einem Sprint überschreitet Läufer Dan buchstäblich seine körperlichen Grenzen, sodass ihm ein kurzer Blick auf die Welt außerhalb der Matrix gewährt wird. Die Idee hierzu kam von Yoshiaki Kawajiri, der sich im Gegensatz zu "Program" diesmal wesentlich tiefer mit der Materie befasste. Umgesetzt wurde das Ganze vom bisher relativ unbekannten Takeshi Koike, der uns sehr ungewöhnliche, mit rapider Musik untermalte Bilder präsentiert. Die Darstellungen mit ihrer Farbgebung machen doch einen sehr unnatürlichen, unrealen, besser gesagt, verzerrten Eindruck.
Durch die interessante Thematik über die Willensstärke des Menschen und den damit verbundenen Möglichkeiten ist der nicht unbedingt spannende und optisch sehr aus der Reihe tanzende, sicherlich damit auch nicht jeden ansprechende "World Record" noch knapp überdurchschnittlich. (5,5/10)
Beyond:
Einen optischen Sonnenschein in der "Animatrix" stellt wohl ohne Zweifel "Beyond" dar. Hier trifft ein Mädchen bei der Suche nach seiner Katze auf einen scheinbar magischen Ort - ein altes, verkommenes Haus, in dem die Gesetzmäßigkeiten der Schwerkraft anscheinend nicht gelten. Dieses Phänomen beruht offensichtlich auf einem Programmfehler der Matrix, weshalb es auch nicht lange dauert, bis Agenten auftauchen... Zwar bietet dieser Kurzfilm ebenfalls eine gute Idee um die Beschaffenheit der Matrix, gibt sich allerdings sehr ruhig und unspektakulär. Drehbuchautor und Regisseur Kouji Morimoto (unter anderem Mitwirkender bei "Memories") schuf durch helle, strahlende und fein gezeichnete Bilder die optimistischste Atmosphäre in der "Animatrix".
Der japanische Stil kommt bei "Beyond" etwas mehr zum Ausdruck als bei den anderen Kurzfilmen, jedoch ist dieses Werk sehr verhalten und deshalb bis auf seine Thematik kaum spannend oder faszinierend. (4,5/10)
A Detective Story:
In klassisch-cooler Detektivatmosphäre zeigt sich der achte Kurzfilm und schöpft in seiner geringen Spielzeit fast das Maximum aus seinen Möglichkeiten. Dazu kommt eine direkte Verbindung zur Figur Trinity, die Privatdetektiv Ash aufspüren soll. Nicht nur durch Monologe, sondern auch durch die fast ausschließlich schwarz-weiß gehaltenen Bilder erscheint dieser Anime sehr stilvoll in einer comichaften, düsteren Atmosphäre. Drehbuch und Regie stammen von Shinichiro Watanabe, dem Regisseur von "Kid's Story", der diesmal stilistisch einen ganz anderen Weg einschlug, sein Werk aber wiederum mit sehr guten Zeichnungen präsentiert.
Als mein persönlicher Favorit aus der "Animatrix" ist "A Detective Story" deutlich von optischer Eigenständigkeit geprägt und hebt sich durch seinen coolen Stil sehr positiv heraus. Schade, dass für die Geschichte nicht mehr Zeit blieb. (8/10)
Matriculated:
Mit dem letzten Kurzfilm wird uns noch einmal ein sehr anspruchsvoller, aber gleichzeitig auch sehr surrealer Anime von Peter Chung ("Aeon Flux") serviert. Dabei wird die reale Welt zu Beginn und am Ende bei Kämpfen mit Wächtern und Läufern ebenfalls sehr pessimistisch in einem leicht hell, grün schimmernden Bild dargestellt, doch dazwischen begeben wir uns in einen virtuellen und schwerzugänglichen Rausch voller leuchtender, starker und intensiver Farben. Es ist eine sehr bizarre, scheinbar teils Computer-animierte Welt - ein visueller Trip, hinter dem eine philosophisch anmutende Idee steckt, denn einer Rebellengruppe gelingt es, eine Wächterdrohne in eine Matrix für Maschinen zu führen.
"Matriculated" ist mit seiner ebenfalls relativ ruhigen Art und seinen surrealen Darstellungen nicht jedermanns Sache, beweist aber gerade in seiner Bildsprache und der anspruchsvollen Handlung seine Qualitäten. (7/10)
Insgesamt bilden die "Animatrix"-Kurzfilme eine gute, in den wenigsten Fällen zwingende Ergänzung zu der "Matrix"-Trilogie und sind vom technischen Standpunkt aus akkurat gezeichnet. Gute Ideen, gerade über die Beschaffenheit der Matrix, sowie für das "Matrix"-Hintergrundwissen bedeutende Geschichten können sich in der kurzen Spielzeit oftmals leider nicht ganz entfalten. (Gesamt: 6,4/10 Punkten)
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