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Wenn nicht gerade Flashdance läuft, schafft man es den Fitnesswahn der 80er eigentlich ganz gut zu verdrängen. Zumindest im Horrorfilm ist diese insbesondere modisch auch ziemlich fragwürdige Welle selten wirklich zentral vorzufinden. Der Slasherkrimi Aerobicide widmet sich dieser Sparte und ist neben Witch Bitch - Tod aus dem Jenseits und Linnea Quigley's Horror Workout einer der wenigen sportlichen Genreausflüge. Dafür bekommt man es hier dafür auch dicke. Das Thema mutiert von Synthiewabern im Carpenter-Stil zu einem stampfenden Popsong. Valerie betritt in sportiven Dress gehüllt ihre Wohnung, schmeißt Anrufbeantworter und Mikrowelle an. Ihr Agent bestätigt einen Modeljob. Fröhlich hüpft sie auf den Asitoaster. Die Herren danken dem Kameramann für den detaillierten Poperzenscan unter stimmungsvoller Röhrenbeleuchtung. Funken. Feuer. Die kommt da nicht mehr raus! Noch ist die Überzeugung groß, einen relativ amtlichen Film geliefert zu bekommen; immerhin wurde diese Szene mehrfach im Retro-Teen-Slasher zitiert.
Später. Wir befinden uns in Rhonda's Workout. Jede Menge Frauen in ihren Gymnastikanzügen betreiben urigste Verrenkungen. Die Kamera versucht hin und wieder, die günstigste Perspektive mit Blick auf Hinterteile und zwischen Schenkel zu bekommen. Notgeile Muskelprotze. Ein Schwergewicht auf einem Trimm-Dich-Rad. Feierabend. Umkleidekabine. Ein dunkelhäutiges Mädel zieht sich aus. Die anderen gehen nach Hause, sie geht duschen. Schon wieder Busen. Eine schattenhafte Gestalt ersticht den Nacktfrosch mit einer riesigen Sicherheitsnadel. Hat wohl Psycho gesehen. Die Geschäftsführung bittet um Diskretion. Die Polizei hat keine klare Spur. Wetten, daß es nicht das letzte Opfer war? Noch mehr Verrenkungen.

Die Kuriosität jedoch ist, daß sich Aerobicide trotz der im Ansatz recht happigen Mordszenen eher wie ein Krimi aufmacht. Und zwar strotzend von Overacting. Eigentlich stimmen die Zutaten hier sogar für ziemlich unterhaltsamen Videotrash. Die Auflösung ist schlüssig, es gibt mehr als einen Maniac und das Ende ist niederträchtig offen. Als ein Mädel den Privatschnüffler abschleppt, geht sie sich kurz umziehen und er hat nichts besseres zu tun, als sich das am Pool vorhandene Telefon ungefragt zu schnappen und ein sekundenschnelles Update an seinen Auftraggeber zu geben. Flugs kehrt sie zurück und ist noch knapper bekleidet als zuvor.
Sowas klingt witzig und mit Mord und Erotik aufgepeppt sogar wie geschaffen für einen heiteren Videoabend. Dort wird man sich aber auch insbesondere über den Mittelteil auslassen, der wenig überzeugen kann und im Gegensatz zur vielversprechenden Einleitung überhaupt nicht im Gedächnis bleibt. Aerobicide schafft keine Illusion, läßt den Zuschauer nicht in seine Handlung eintauchen, weshalb man stets Gedanken an die Drehbuchkonstruktion der Tätersuche verschwendet. Die Aerobicszenen drängen sich auf, überdehnen den Film, der von einem knackigeren Ablauf profitieren würde. Knackig sind die dargebotenen Damen zwar dafür, jedoch muß man die Folter der damaligen Zeit nicht zu sehr Revue passieren lassen, als innerhalb der drei Fernsehprogramme Gymnastik manchmal das Hightlight darstellte. Man muß schon über einen sehr speziellen nostalgischen Fetisch verfügen, um sich hieran ergötzen zu können.

Da sich die Effekte ansonsten eher uninteressant gestalten und als Teil von Anschlußfehlern auffallen, ist es kein Wunder, daß Aerobicide im DVD-Zeitalter fast ausnahmslos ein Giftschrankdasein fristet. Zwar hat sich ein gewisses Maß der gesellschaftlichen Oberflächlichkeit bis heute gehalten, so daß der Film thematisch immer noch in die jetzige Zeit zu übertragen wäre, jedoch ist das Setting vollkommen überaltert und die Schwächen zu dominant, um ein Publikum abseits beinharter Masochisten zu erreichen. Aerobicide hat seine sehenswerten Momente. Es erfordert jedoch eine Menge Durchhaltevermögen, in deren Genuß zu kommen. Die Mehrheit wird den Film eher als langweilig bis unerträglich empfinden.

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