Eine Kritik von KillBill-75 (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 22.10.2009, seitdem 225 Mal gelesen
Die Kritik bezieht sich auf die ungeschnittene Langfassung in der großen Bavaria Retro-Hartbox von XT-Video!
1979 entstand Lucio Fulcis Meisterwerk "Woodoo-Schreckensinsel der Zombies" und war ein ungeheurer Erfolg für die Produzenten. Kein Wunder, dass Produzent Fabrizio de Angelis Hauptdarsteller Ian Mc Culloch gleich am Set von "Woodoo" behielt, Lucio Fulci gegen den kostengünstigeren Marino Girolami austauschte und Drehbuchautor Romano Scandariato mit einer hanebüchenen, aber erfolgsversprechenden Idee ausstattete, die zum vorliegenden Endprodukt führte. Der Titel "Zombies unter Kannibalen" als auch der Alternativtitel "Zombie Holocaust" machen gleich deutlich, welcher Einfallsreichtum gepaart mit Ideenklau aus bereits bekannten Genre-Produktionen auf den blutgeilen Kinogänger losgelassen wurde:
Regisseur Marino Girolami liefert hier eine billige, aber blutige Schlachtplatte aus dem italienischen Horrorkabinett ab, in dem aufs übelste gesplattert wird und die beiden wohl beliebtesten Subgenres des Horrorkinos miteinander kombiniert wurden: Zombies treffen auf Kannibalen, und wäre diese Mischung nicht schon kurios genug, treibt auch noch ein größenwahnsinniger Mad Scientist auf der Karibikinsel sein Unwesen.
Dieses Kuriosium kommt genau so trashig und billig daher wie es sich anhört, und dennoch ist dieser Horrorfilm zeitlose Unterhaltung, die die Zombie-Thematik an altbekannten Orten aufgreift und varriiert. Kein Voodoo-Zauber und keine giftigen Abfälle führen zum Auferstehen der Toten, sondern die makabren Experimente eines Chirurgen, der sich die Freßsucht des Eingeborenenstammes zunutzen macht, um sich allzu neugieriger Mitmenschen zu entledigen. Und werden diese nicht eindrucksvoll von den Kannibalen "verschlungen" - wie Alexandra Delli Colli in einem der vielen skurillen Dialogen sagt - landen sie auf dem OP-Tisch des besagten Arztes.
Gedreht auf der selben Insel, auf der zuvor Lucio Fulci seine Zombies auf seine schlecht agierenden Darsteller hetzte, erscheinen diese bei "ZuK" vor bekannten Kulissen genauso erschreckend und perfekt geschminkt wie zuvor bei "Woodoo".
Allerdings geht der größte Gewaltanteil von den Kannibalen und dem irren Wissenschaftler aus, die Zombies sind nichts weiter als willenlose Marionetten.
Ansonsten wird hier alles aufgefahren, was das italienische Schundkino Ende der 70er Jahre an Special Effects im Rahmen des bescheidenen Budgets bieten konnte: von Ausweidungen und Körperverstümmelungen bis hin zu Autopsien und Skalpierungen - nichts läßt der Regisseur aus, um den Härtegrad von "Woodoo" noch zu steigern.
Auf der Seite der Darsteller sind lediglich Ian Mc Culloch (der mit der schlecht sitzenden Frisur), Alexandra Delli Colli und Donald O´Brian Kennern der Szene namentlich bekannt. Zumindest Miss Delli Colli kann mangelndes Talent durch eine Vielzahl textilfreier Szenen ausgleichen.
Komponist Nico Fidenco sorgte für einen vielseitigen Soundtrack, der das dargestellte Grauen auf der Leinwand perfekt begleitet.
Insgesamt ein kruder, aberwitziger Splatterfilm ohne Sinn und Verstand, aber durchaus unterhaltsam. Er bietet dem Freund italienischer Horrorfilme genau das, wofür sie bereit sind, viel Geld auszugeben - und das ist alles, was in diesem Fall zählt!
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