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Matrix Reloaded (2003)

Eine Kritik von Arminowitsch (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 22.05.2003, seitdem 653 Mal gelesen


Da ist sie nun, die lang erwartete Fortsetzung des überraschend intelligenten und richtungsweisenden Hammerkrachers Matrix. Und wieder zeigt sich, dass Originalität und Kreativität seltenes Gut sind.

Der erste Teil endet ja bekanntlich damit, dass Neo schließlich zu einer göttlichen Persönlichkeit wird, der Auserwählte, und die Matrix nach seinen Vorstellungen verändern kann. Der tiefere Sinn hinter der Sache kommt im Verlaufe von "Reloaded" zu Tage, als der Kampf gegen die Maschinen nun zu einem epischen Krieg wird, zwischen Zion und den näherrückenden Maschinen. Dabei hüpfen die bekannten Helden von einer Prophezeiung in die nächste, müssen "Schlüsselmeister" finden, bekommen es mit der verselbstständigten KI des Agent Smith (der hier übrigens als einziger nicht so farblos erscheint wie die anderen) und erkennen die Struktur hinter dem gigantischen Programm Matrix. Ja Neo bekommt es sogar, wenn man so will, mit Gott zu tun.

Die Story hat sich gewandelt von einem philosophisch angehauchten, kleveren Gedankenspiel über Realität, Schicksal und Illusion, zu einem überbreiten Epos von Prophezeiungen, Rebellen, Superhelden und synthetischen Gegnern. Die Gedankenspiele und Fragestellungen des ersten Teils werden sehr schnell zur Masche und man langweilt sich, wenn Morpheus oder das Orakel mal wieder das übliche Blahblah abgeben. Außerdem bekommen die Helden, außer den individuellen Kampfstilen, kaum richtiges Leben eingehaucht, und bleiben die 08/15-Rebellen mit coolen Brillen und ein paar Liebesturteleien zwischendurch. Die Konstruktion des Plots wird zudem ab einem gewissen Zeitpunkt einfach zu wirr, als dass sie einen wirklich nachvollziehbaren Sinn ergeben könnte.
Alles in allem hat der zweite Teil auf dieser Ebene bereits versagt. Nur hätte man sich das bereits denken können, denn das Ende des ersten Teils war einfach schon perfekt.

Kommen wir also zu dem massenwirksameren Teil: Die Action.
Merkliche Maßstäbe werden auch hier nicht unbedingt gesetzt. Die Bullet-Time-Effekte kennt man ja schon gut genug, und die Nahkämpfe auch. Die Szenen, in denen Neo gegen den Haufen Smiths kämpft, sind zugegebenermaßen gut gelungen, haben eine elegante Dynamik, aber spätestens nach dieser Kampfszene ist der Bereich der Kloppereien ausgelotet. Danach wiederholt es sich nur noch, die Slomo-fliegenden Körper und die Saltos nerven bald und stören sogar in hin und wieder die Dynamik der Action, wie z.B. in der Verfolgungsjagd auf der Autobahn. Das Handgemenge zwischen Morpheus und einem der weißen Rastas im Auto sieht irgendwie lächerlich aus, und die Schlägerei auf dem LKW-Dach dauert einfach zu lange, wirkt eher zäh. Auch Neos weitere Kampfhandlungen überzeugen nicht mehr. Eine filmisch gleichermaßen ästhetische sowie elegant-chopreografierte Schießerei, wie die berühmte Szene im Eingangsbereich des Hochhauses in Teil 1, gibt es leider auch nicht zu sehen.
Dafür kommen die, wenn auch nicht mehr sonderlich ausgefallenen, Monstereffekte schön zur Geltung. Die Explosionen und Zeitlupen-Verschrottungen auf dem Freeway sind ein gutes Beispiel für den visuellen und akustischen Augenschmaus, den der Film leider nur teilweise bietet. Eine sehr aktive Kamera in teils ungewöhnlichen Positionen tut ihr übriges. Das Manko hier ist, dass die SFX breit in den Film eingestreut sind, es ist kaum eine richtige Steigerung hinsichtlich dessen zu bemerken. Ich meine damit, dass auf die wirklich hammermäßigen Granaten kein richtiger Spannungsbogen gespannt wird, was ihnen schon stark den Staunfaktor nimmt (man vergleiche nur mal mit der Hubschrauber-Explosion in Teil 1: Die Sequenz wurde so konstruiert, dass die Spannung und damit auch die Effekte sich immer mehr steigerten, bis sich alles in einem gigantischen Höhepunkt entlud. Die Einzigartigkeit des Effekts im Film machte ihn gerade so unvergesslich und beeindruckend)
Insgesamt kann man hier dem Film keinen großen Vorwurf machen. Er erfindet zwar effekttechnisch kaum neues, jedoch macht er wirklich was solides draus, sodass man ruhigen Gewissens sagen kann, der Film habe sich nur wegen der Effekte schon gelohnt (denn im Kino haut das richtig rein!).

Das geheimnisvolle, facettenreiche Flair des ersten Teils geht insgesamt also (erwartungsgemäß?) verloren, der Film reduziert sich auf ein "einfaches Epos", das gelegentlich bei anderen Epen wie etwa "Star Wars" und auch bei sich selbst (Teil 1) klaut, und die neuartigen, interessanten Denkansätze vom ersten Teil werden ziemlich demontiert.
Die Effekte heben sich schon vom restlichen Mainstream hervor, bleiben aber an Qualität sowie an Quantität hinter den Erwartungen und Versprechungen zurück. Die Neugier nach dem Ausgang der Geschichte und der immer noch vorhandene, kleine Originalitätsbonus von Matrix machen Reloaded schließlich doch noch zu netter Kinounterhaltung, da er hier wenigstens seine Trümpfe -die Monstereffekte- ausspielen kann.5/10 (vielleicht sogar 6, aber man muss es relativ zum ersten Teil sehen!)


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