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Matrix Reloaded (2003)
Eine Kritik von Apollon (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 24.05.2003, seitdem 849 Mal gelesen
Nach vier Jahren haben die Wachowski-Brüder nun endlich nachgeladen und liefern mit "Matrix Reloaded" eine gute, in jedem Fall würdige Fortsetzung zum Original, die die unglaublich hochgesteckten Erwartungen nicht ganz erfüllen kann, doch auch keineswegs den Weg in die Abstellkammer der zahlreichen missglückten Fortsetzungen Hollywoods antreten muss.
Harte Kritiker und enttäuschte Fans sprechen zwar bereits von einem Flop, aber was haben wir denn eigentlich erwartet? Was durften wir überhaupt erwarten? Vielleicht wieder einen ähnlichen "Aha-Effekt" wie es bei "Matrix" der Fall war? - Nein, das konnten wir nun wirklich nicht. Dementsprechend konzentriert sich die Handlung hier hauptsächlich auf die Beendigung des Kampfes zwischen den Menschen und den Maschinen. Nachdem der Vorhang zur realen Welt bisher durch eine kleine Spaltöffnung nur einen minimalen Einblick offenbarte, wird er nun ganz geöffnet. Zion ist der Zufluchtsort der Menschheit und sieht sich in naher Zukunft 250.000 Maschinen gegenüber, wenn die Anführer der rebellierenden Menschen Trinity, Neo und Morpheus dies nicht in kürzester Zeit verhindern, indem sie den so genannten Schlüsselmacher finden, der alle Türen, eingeschlossen die zur Quelle der Matrix führende, zu öffnen vermag.
Die Faszination des Vorgängers ist zwar leider größtenteils verflogen, doch bei der Reise durch die Matrix entdecken wir glücklicherweise auch immer noch eine Reihe an Neuheiten. Neben den neuen Erkenntnissen über die Beschaffenheit der Matrix begegnen uns hier viele neuartige Figuren, dessen Natur oftmals völlig unbekannt ist und im nächsten, im November 2003 folgenden dritten Teil - so bleibt es zumindest zu hoffen - wohl geklärt werden wird. An Innovation mangelt es in diesem Bereich jedenfalls nicht, wenn Albino-Rasta-Zwillinge mit interessanten Fähigkeiten oder ein sich virusartig duplizierender Smith, der nun kein Agent mehr ist, den Widerständlern in der Matrix nach dem Leben trachten. Auch der anhand seinem Auftreten passend nach einem fränkischen Königsgeschlecht benannte Merowinger ist keine überflüssige Figur, die zwar etwas bizarr erscheint und zudem, wie viele auch, ein Mysterium bleibt, jedoch mit ihrem Vortrag über die Kausalität und ihrem Ursache-Wirkungs-Prinzip im Zusammenhang mit der Matrix nichts unwesentliches von sich gibt.
Bei alledem kann man die Storyumsetzung allerdings nicht von Schwächen frei sprechen. Unwichtige Passagen, wie den nur schwer ins Bild der Bevölkerung Zions passenden anfänglichen Rave in der Höhle, treten genauso auf, wie teils zu langatmige, nicht unkomplizierte Dialoge, die sich in ihrer Komplexität schon einmal verlieren können. Mehr die Matrix statt den Menschen betreffend, wird der Kurs der stark von Philosophie geprägten Gespräche hier ebenfalls beibehalten. Der Mensch tritt, wie erwähnt, in den Hintergrund und ist nur selten Mittelpunkt eines Dialoges. Mehrere beispielhafte Gespräche wie ein solches zwischen Neo und einem Senatmitglied über die Symbiose zwischen Mensch und Maschine wären wünschenswert gewesen. Einzig und allein Neo kann als Mensch seine Person mehr in den Vordergrund stellen, obwohl er als Auserwählter viele übermenschliche Auftritte hat. Denn wir erleben hier einen Über-Neo, der seine Kräfte völlig unter Kontrolle hat und mitunter wie Superman durch die Luft rasen kann - eine nach meiner Meinung unpassende, zu übertriebene, beinahe lächerliche Fertigkeit, die mich schon am Ende des Erstlings schlucken ließ.
Der letzte, vielleicht ausschlaggebendeste negative Faktor der Story ist, dass für ihr komplettes Verständnis das Videospiel "Enter the Matrix" und zum Teil ein Animatrix-Kurzfilm eigentlich schon zwingend zu Konsumieren sind. Das darf prinzipiell nicht der Fall sein und lässt den Schatten des Kommerzraben, der sich über den "Matrix" - Hype deckt, immer dunkler werden. Dazu kommt das abrupte "To be Continued" - Ende im Stile einer TV-Serie, dass man nun etwas professioneller hätte ausklingen lassen können. Kommerziell gesehen ist dies zwar geschickt gemacht, denn der dritte Teil "Matrix Revolutions" wird so unumgänglich zur Pflicht, doch der Kommerzgedanke sollte auch bei Andy und Larry Wachowski nicht die Überhand gewinnen.
Ihre Regiearbeit hinterlässt insgesamt aber, wenn wir von ihrem hier abgebrochen endenden Werk absehen, wieder einen exzellenten Eindruck. Das Maß aller Dinge in der "Matrix" - Optik sind ohne Frage die Actionszenen mit ihren atemberaubenden Special Effects. Die Ausreizung und Zelebrierung der Bullet-Time-Technik hat allerdings auch den Nachteil, dass die Computerherkunft einiger Sequenzen zu offensichtlich wird. So künsteln ausgerechnet die ersten Szenen, speziell in der Darstellung von Trinity, am stärksten. Das allgemein in Actionsequenzen fast schon rhythmische Einsetzen dieses Effekts der "Szenen-Viskosität", bei dem der Kamera nun freien Lauf gelassen wird, kommt in eher unpassenden Situationen ebenfalls zum Zuge wie es bei Neos Kampf gegen die Überzahl von Smiths des öfteren der Fall ist, wo es dann manchmal aufgrund des erwähnten strengen Rhythmusmusters am Timing hapert. Bei Explosionen oder Karambolagen lässt diese Art der Tricktechnik die Glückshormone hingegen wahrlich außer Kontrolle geraten.
Den hohen Actiongrad füllen weiterhin zahlreiche gut choreographierte, wenn auch unnötige, oftmals im Prinzip keinen Sinn ergebene Kung Fu-Kämpfe , sowie einige fabulöse Highlights aus, zu denen in jedem Fall die wahrscheinlich jetzt schon berühmt-berüchtigte, rasante Verfolgungsjagd auf einem Freeway zu zählen ist. Bezeichnend für die virtuose Inszenierung sind dabei die herrlichen, gerade bei der schnellen Fahrt mit dem Motorrad, entstehenden akrobatisch anmutenden Kamerafahrten, die von passender Musik untermalt werden.
Die den Geldbeutel der Produzenten stark schmälernden Darsteller können im Großen und Ganzen auch in der Fortsetzung überzeugen. Jedoch lassen ihre Figuren Charaktertiefe vermissen, was vermutlich auf das Drehbuch zurückzuführen ist. Morpheus’ Charisma kommt leider nur noch selten, wahrscheinlich nur bei der Ansprache in der Höhle, richtig zur Geltung. Neo ging mit seinem Schicksal des Auserwählten schon immer schmeichelhaft um, hat nun aber noch eine Liebesbeziehung mit Trinity, der jetzt etwas mehr Freiheiten geschenkt wurden. Zugegebenermaßen hat man hier im Gegensatz zum Original schauspielerisch ein wenig an Boden verloren. Durch das Abverlangen der vermehrten körperlichen Leistungen der Akteure kommt die Waage aber wieder ins Gleichgewicht.
Als eine Übergangsphase zwischen Anfang und Ende ist "Matrix Reloaded" schwer zu bewerten. Gerade die Handlung mit ihren unterschiedlichen, neu auftretenden, aber eher peripheren Figuren lässt einige Fragen offen, die hoffentlich noch beantwortet werden. Die Actionsequenzen sind dafür überwiegend vorzügliche Kost für Augen und Ohren, womit dieser Ausflug in die Matrix immer noch absolut goutierbar ist, auch wenn er nicht an das Original heranreicht. In diesem Sinne: Auf ein Wiedersehen im November 2003...
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