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Matrix Reloaded (2003)

Eine Kritik von Alien Warrior (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 02.06.2003, seitdem 429 Mal gelesen


Schwächelnde Fortsetzung zum Kultfilm.

Im Jahre 1999 sorgten die Gebrüder Wachowski gewaltig für Furore: "The Matrix" hieß der Streifen, der mit bis dato noch nie auf einer Leinwand gesehenen Effekten glänzte, die eine völlig neue Dimension des Actionkinos eröffneten. Atemberaubende Kameraschwenks um in Zeitlupe ablaufende Szenerien, waghalsige Martial Arts-Einlagen und grandiose Shoot-outs; Die innovative Optik sorgte für offene Kinnladen und volle Kinosääle. Belohnt wurde das Spektakel mit einem Oscar für visuelle Effekte, was den im selben Jahr laufenden Auftakt der Star Wars-Saga ausstach. Aller Bildgewalt zum Trotz vergaß man eine ansprechende Handlung nicht: Die bereits mehrfach verwertete Geschichte um eine von Maschinen regierte Menschheit wurde mit etlichen Motiven aus Bibel und Mythen und einem Hauch Philosophie angereichert, so dass auch etwas Anspruch ins Geballere und Gekloppe kam. Vier Jahre später steht nun der sehnsüchtig erwartete Nachfolger ins Haus, wieder mit den selben Hauptdarstellern und einem auf das Doppelte angewachsene Budget. Kann die Fortsetzung die sehr hochgesteckten Erwartungen erfüllen? Die Antwort lautet leider: Nein.

Die Story knüpft dort an, wo Teil 1 endete: Neo hat sich als Auserwählter erwiesen, und muss nun mit dieser Rolle eine schwere Bürde auf sich nehmen. Doch er allein kann nicht verhindern, dass den letzten verbliebenen Menschen in der unterirdischen Stadt "Zion" schwierige Zeiten bevorstehen: Eine gewaltige Streitmacht der Maschinen hat Kurs auf Zion genommen. Ihr Ziel: Die vollständige Vernichtung der letzten frei lebenden Menschen. Die Crew der Nebukadneza soll daher den Schlüsselmacher finden, der mit seinen Schlüsseln bis in die entlegendsten Winkel der Matrix vordringen kann. Mit seiner Hilfe wollen die Menschen zu einem Vernichtungsschlag gegen die Maschinen ausholen...

Der erste Teil der Matrix-Saga bezog seine faszinierende Wirkung nicht zuletzt aus seiner schieren Innovationskraft, welche sich in den grandiosen Effekten als auch der eigenwilligen Kombination mit philosophischen Anleien offenbarte. Dieser Faktor wurde im zweiten Teil leider stark zurückgenommen. Solch grundlegende Fragen wie "Was ist real?" oder "Wieviel Wahrheit verträgt der Mensch?" sind hier nicht mehr zu finden. Viele Szenen und Dialoge wirken sehr bemüht, über oberflächliches Gerede hinauszugehen, doch leider schaffen sie es zu keiner Zeit im selben Maße zum Nachdenken zu animieren, wie es der erste Teil tat, und driften häufig eher auf Star Trek-Niveau ab. Im Vordergrund stehen hier klar rasante Prügeleien und Verfolgungsjagden. Der Knackpunkt hierbei ist, dass man es mit deren Einsatz schlichtweg übertrieben hat: Geradezu strapaziöse Länge haben die erste Prügelei zwischen Neo und den zahllosen Smith-Duplikaten, und erst recht die Verfolgungsjagd auf dem Freeway. Hat man sich erst einmal an den Effekten sattgesehen, wird schnell die überzogene Länge dieser Szenen spürbar, ja, sie wirken gar leer und langweilig. Als ausgesprochener Nerv-Faktor kommt der ständige Einsatz von Zeitlupeneinstellungen hinzu: Wurde bereits im ersten Teil deren Einsatz gelegentlich etwas übertrieben, gehen die Wachowskis hier bis zum Exzess - Nicht eine einzige Actionszene, die nicht durchschnittlich alle 10 Sekunden von Zeitlupeneinstellungen unterbrochen wird (Baywatch-Ästhetik). Dies stört den Fluss und das Tempo ungemein, besonders die Freeway-Jagd leidet sehr darunter. Dieser extreme Effektefanatismus allein, der heutzutage leider charakteristisch für die meisten Kino-Neuerscheinungen ist, reichte schon aus, um den Film fast zu zerstören.

Ebenfalls nicht so recht ausgewogen ist der Erzählrhythmus. Teil 1 wirkte hier noch sehr harmonisch, da ein altbekanntes, und vielfach bewährtes Schema verwendet wurde: Ein spektakulärer Auftakt, danach eine Weile Ruhe, danach kontinuierlicher Spannungsaufbau, der in einem spektakulären Showdown gipfelt. Reloaded weicht leider davon ab, schwankt er doch eher unentschlossen und unrhythmisch zwischen Action- und Dialogszenen. Das Resultat wirkt deshalb dramaturgisch weitaus unausgegorener als Teil 1. Die Darsteller vermögen ebenfalls nicht dagegen anzukommen. War deren Spiel bereits im ersten Teil eher hölzern, fällt dies hier noch schwerer ins Gewicht, da der Innovationsschub, der dies bei Teil 1 kaschierte, hier schlichtweg nicht vorhanden ist. Von den gelegentlich auftretenden Albernheiten, wie Neos Superman-Imitation, möchte ich hier mal absehen...

Fazit: Schon im Vorneherein hatten die Brüder Wachowski einen schweren Stand, denn immerhin galt es, die Fortsetzung zu einem Kultfilm zu inszenieren. Eine Enttäuschung war demnach fast schon abzusehen, aber sie war dennoch nicht notwendig. Matrix bot mehr als nur Effekte, in Matrix: Reloaded finden sich ebenfalls noch gute Ansätze, die jedoch im Effektegewitter gnadenlos erstickt werden. Ein weiteres Beispiel dafür, dass exorbitante Budgets einem Film oftmals mehr schaden als nützen. Inwiefern dies bei Matrix: Revolutions noch gesteigert werden kann, möchte ich mir gar nicht vorstellen. So reiht sich Matrix: Reloaded in die Kette der jüngsten Hollywoodproduktionen ein, die ihrem schieren Effektefetisch zum Opfer fallen. Oberflächlich gesehen noch recht unterhaltsam, doch einem Vergleich mit dem Vorgänger hält Reloaded zu keiner Zeit Stand. Sehr schade..


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