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Tod im Spiegel (1991)

Eine Kritik von Stefan M (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 16.03.2003, seitdem 381 Mal gelesen


Nach einem schweren Autounfall verliert Dan Merrick sein Gedächtnis, so daß er sich nicht mehr an seine Vergangenheit erinnern kann. Zusammen mit seiner Frau Judith rekonstruiert er sein früheres Leben, stößt aber schnell irritiert auf Fotos, die seine Frau mit einem anderen Mann in eindeutiger Position zeigen. Er erfährt, daß er deshalb einen Privatdetektiv angeheuert hat, und mit dessen Hilfe gelingt es ihm schließlich schrittweise, seine wahre Identität aufzudecken...
Mit seinem Regiedebüt in Hollywood hat Wolfgang Petersen einen interessanten und spannenden Thrillerbeitrag geschaffen, der bis zur verblüffenden Auflösung des Geschehens überzeugend ist.
„Tod im Spiegel“ zeichnet sich durch einen kontinuierlichen Spannungsaufbau aus. Dabei bleibt der Zuschauer bis zum Schluß gemeinsam mit dem bedauernswerten Hauptdarsteller Merrick (Tom Berenger) stets ein paar Schritte hinter der erschreckenden Wahrheit zurück, d.h. er sieht mit seinen Augen. Im Verlauf des Films bekommt man eingestreute Bruchstücke des Tathergangs zu sehen, Gedanken, die dem Protagonisten in bestimmten Situationen immer wieder hochkommen. Erst in den letzten Minuten setzt sich dieses Puzzle logisch zusammen. Bis es dazu kommt, muß Merrick Schritt für Schritt seine Vergangenheit aufrollen.
Sehr betulich und dennoch angenehm unterhaltsam arbeitet sich Petersen dabei bis zur Auflösung vor. Geschickt baut er eine kribbelnde Verfolgungsjagd und rasende Action in die Mitte des Films ein, die ihren Zweck des inneren Aufwühlens des Betrachters vollends erfüllen. Somit verhindert er, daß der ein oder andere Zuschauer den Eindruck erhält, der Handlungsverlauf schreite allzu gemächlich und wenig aufregend bis zur Pointe voran.
Während Tom Berenger mit seinem wenig agilen Gesicht, bei dem man Freude und Trauer kaum unterscheiden kann, wahrlich nicht als Bestbesetzung zu bezeichnen ist, erweist sich Bob Hoskins als ulkiger Schnüffler Gus Klein als absoluter Volltreffer. Ihm verdankt „Tod im Spiegel“ die gelegentlichen komödiantischen Elemente in der ansonsten bierernsten Story, und er stellt insgesamt einen weitaus sympathischeren Charakter dar als sein ausdrucksloser Auftraggeber. So sind seine erst relativ späten Auftritte die eigentlichen Höhepunkte.
So überraschend der Schluß auch sein mag, so enttäuschend ist der lieblose Abschluß der Geschichte. Um sie zu einem sinnvollen Ende zu bringen, klatschte Petersen eine wenig atemberaubende als Finale gedachte Sequenz, die eine wilde Autofahrt durch die Bergschluchten bildet, hinten ran - vermutlich, um den zu Beginn gezeigten schweren Autounfall solide als Ganzes abzurunden. In der Tat wirkt sie aber bloß aufgesetzt und bleibt beinahe gänzlich spannungsfrei; vor allem ist sie viel zu schnell beendet, um wirklich fesseln zu können. Weiterhin kommt es zu einer fast schon dreisten und jedweder Logik entbehrender Wendung, in der der uns liebgewonnene Nebendarsteller, der augenscheinlich kurz zuvor erschossen wurde oder zumindest beim anschließenden Sturz ins Wasser ertrunken ist, fast vollständig unversehrt von den Toten aufersteht. Soviel Gutgläubigkeit konnten die Verantwortlichen dann doch nicht vom Zuschauer erwarten...

Fazit: Weitgehend spannender Thriller mit verblüffender Schlußpointe und hohem Unterhaltungswert, der besonders dem gut gelaunten Nebendarsteller Bob Hoskins zu verdanken ist. Leider trübt der schwache und lieblose Showdown das Vergnügen erheblich, denn der gemeine Zuschauer erwartet nun einmal von einem Film dieses Genres einen spannenden Abschluß.
GESAMT: 7/10 (Unterhaltungswert: 7 - Handlung: 7 - Schauspielerische Leistungen: 7 - Kameraführung/Atmosphäre: 8 - Musik: 8)


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