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Suspiria (1977)

Eine Kritik von Boxhamster (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 29.10.2006, seitdem 754 Mal gelesen


Eine junge Amerikanerin kommt an eine deutsche Ballettschule, auf der sich merkwürdige Geschehnisse zutragen und in deren Umgebung rätselhafte Morde geschehen. Das Mädchen versucht Licht ins dunkle Geheimnis der Schule zu bringen und taucht dabei in eine Welt voller Magie ein.

Fragt man mich nach meinem Lieblingsfilm, wird man diesen Titel von mir genannt bekommen und daher versuche ich mich nun einmal an einer kleinen Kritik zu diesem Auftakt der sogenannten Drei-Mütter-Trilogie.
Nachdem Dario Argento bereits zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin Daria Nicolodi an dem famosen "Rosso - Die Farbe des Todes" geschrieben und in diesen Giallo einige übernatürliche Elemente eingebaut hatte, gingen sie bei "Suspiria" noch ein paar Schritte mehr in diese Richtung und schnitten dafür die Gialloelemente nur stellenweise an. Die Story konfrontiert den Zuschauer mit den Mysteriösitäten an der Tanzschule, so wie sie die Hauptprotagonistin erlebt und steht genau wie sie vor einem Rätsel bis das Mädchen mit uns nach und nach Erkenntnisse sammelt, die die Ursache für die Geschehnisse erklären, um anschließend in einem furiosen Finale zu gipfeln.
An der Schule geben sich illustre Figuren ein Stelldichein, wie die geheimnisvolle Vize-Direktorin, die die Direktorin, die keine der Schülerinnen zu Gesicht bekam, vertritt, die strenge Tanzlehrerin, die grimmige Haushälterin, der stumme und ständig ernst guckende Bub, der taube Diener mit neuem Gebiss, der blinde Klavierspieler, der für schwul gehaltene Tänzer und eine Vielzahl von verschiedenen Charakteren unter den Schülerinnen. Die Darsteller dieser Figuren liefern allesamt gute Leistungen ab und bringen ihre Rollen glaubwürdig herüber, wobei ein besonderes Lob der Hauptdarstellerin Jessica Harper gebührt, die ihre ständige Angst und Verunsicherung bestens zum Ausdruck bringt. In Nebenrollen bekommt man dann einen jungen Udo Kier und Rudolf Schündler zu sehen, die den Hauptteil der Aufklärungsarbeit leisten.
Doch nicht die Geschichte oder die Schauspieler machen diesen Film zu einem ganz besonderen Erlebnis, nein, es ist die unbeschreibliche Athmosphäre, die über die gesamte Laufzeit erzeugt wird und der gekonnte Spannungsaufbau. Hier zeigt Regisseur Dario Argento seine große Stärke und beinahe jede Einstellung wäre in Gemäldeform ein kleines Kunstwerk. Die Farbgebung ist einfach meisterlich und der Einsatz von verschiedenen Filtern, die die Szenen mal komplett in Grün, Blau, Rot und deren Mischungen hüllen, lässt die Augen ein wahres Festmahl feiern. Hinzu kommen geschickte Spielereien mit Licht, Schatten und Dunkelheit und toll ausgestattete Sets, deren Detailverliebtheit man erst nach mehrmaligem Sehen erkennt. Dazu gesellt sich die wieder mal grandiose Kameraarbeit mit interessanten Einstellungen (z.B. dem Blick durch eine brennende Glühbirne, die anschließend ausgeschaltet wird) und genialen Kamerafahrten.
Prägend für diesen Film ist außerdem die sensationelle Musik der göttlichen Band Goblin, die unglaublich eindringlich ist und zusammen mit den Geräuschen für einen Ohrenschmaus der allerersten Güte sorgt. Hört man sich den Soundtrack irgendwann nach Sichtung des Filmes mal an, dann werden einem unzählige Szenen, die sich ins Gehirn gebrannt haben, wieder in den Sinn kommen, was für ein perfektes Zusammenspiel von Optik und Akkustik in "Suspiria" spricht.
Sollte ich mich auf eine Lieblingsszene dieses Filmes festlegen müssen, würde ich in arge Bedrängnis geraten, denn er beginnt ganz stark mit einer wunderbaren Taxifahrt, die alle oben genannten Punkte bereits beinhaltet, geht über einen fabelhaft inszenierten Frauendoppelmord und die phantastischen Ereignisse an der Ballettschule mit Madenwürmern, Schrittezählereien und unheimlichen im Gemeischaftsschlafsaal hörbaren Geräuschen zur feurigen Auflösung des Geheimnisses um die blaue Iris. Nein, ich kann mich beim besten Willen nicht auf eine Lieblingsszene festlegen, denn in meinen Augen ist dieser Film durch und durch perfekt.

Mit den Worten "Magic is everywhere" des Professor Milius, die unsinniger Weise in der alten deutschen Fassung der Schere zum Opfer gefallen sind, möchte ich diesen Text schließen, denn Magie ist in "Suspiria" wirklich überall und wenn man es zulässt, wird man durch diese in unvergleichlicher Weise verzaubert werden.


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