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3 Engel für Charlie - Volle Power (2003)
Eine Kritik von Sir.Craven (Bewertung des Films: 4/10) eingetragen am 11.07.2003, seitdem 567 Mal gelesen
Drei Engel Teil zwei
... oder drei gute Gründe, warum man sich diesen Film verkneifen sollte
Teil eins der Drei-Engel-Filme war schon reichlich überdreht. Schrill, bunt und unglaublich chaotisch nahmen sich die Filmemacher um Regisseur Joseph McGinty Nichol im Jahre 2000 selbst auf die Schippe. Und das Konzept war gut. Man ließ die antike TV-Serie in der Mottenkiste und verzichtete vollständig auf jeglichen Retro- und Nostalgieschmalz. Das Ergebnis war ein zwar unglaublich dämlicher, aber dennoch ausgesprochen unterhaltsamer Streifen.
Klar, daß so etwas geradezu nach einer Fortsetzung schreit. Und so kehren die drei Nervensägen mit der Handkanten- und Haarspraygarantie drei Jahre später auf die Leinwand zurück. An der Besetzung der drei Hauptakteurinnen hat sich nichts geändert, auch in "Drei Engel für Charlie - Volle Power" lassen Drew Barrymore, Lucy Liu und Cameron Diaz wieder die Fetzen fliegen. Letztere strich für ihr Engel-Comeback sogar die Rekordsumme (für einen weiblichen Darsteller) von 20 Millionen US-Dollar ein. Doch was ist mit Bosley passiert? Hat er sich etwa schwarz geärgert? Wahrscheinlich, denn Bill Murray verkündete schon nach Abschluß der Dreharbeiten zu Teil eins, daß er beabsichtige, sich nie wieder mit Lucy Liu im selben Raum aufzuhalten. Also wurde Murray kurzerhand gegen den schwarzen Schauspieler Bernie Mac ausgetauscht. Naja...
Die Story des Filmes ist gleichermaßen sinnlos wie unverständlich. Das stört aber nicht weiter, denn derartigen Klamauk braucht man nicht wirklich zu verstehen. Besser noch: man braucht sich noch nicht einmal Mühe zu geben, ihn überhaupt verstehen zu wollen. Eben Popcornkino in Reinkultur. Um der Chronistenpflicht zu genügen, hier ganz kurz die Alibi-Story:
Es geht um zwei mysteriöse Ringe. Das es sich dabei nicht um weiblichen Zierat handelt ist klar, denn in Wirklichkeit verbergen die Schmuckstücke eine streng geheime Liste. Deren Inhalt: Die Namen von Personen, die sich im Zeugenschutzprogramm befinden, weil sie gegen das organisierte Verbrechen aussagen wollen. Die Ringe werden gestohlen, die Engel versuchen sie zurückzuholen. Das war's im wesentlichen schon. Okay, es gibt noch die eine oder andere winzige Verästelung, aber im Grunde genommen kann man das Ganze kaum als Handlung bezeichnen.
Gewürzt wird diese Pseudo-Handlung mit reichlich Action. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, vorausgesetzt die bewegten Bilder werden ordentlich auf den Screen gebracht. Leider sieht das bei "Volle Power" ganz anders aus. Da mit Ausnahme von Lucy Liu keine der drei Grazien wirkliche Martial-Arts-Erfahrung hat, wurden sämtliche der reichlich vorhandenen Kampf- und Prügelsequenzen computeranimiert. Da gibt es wahnwitzige Sprünge, eine Reihe wahrer Handkanten-Orgien und eine ganze Menge aufwendiger Akrobatik. Doch leider ist aber auch rein gar nichts davon echt. Und das sieht man deutlich. Anfangs wirkt das vielleicht noch komisch, mit fortschreitender Filmdauer wird es jedoch immer peinlicher. Joseph McGinty Nichol versucht doch tatsächlich, aus dem kampfsportlichen Unvermögen seiner Akteure Kapital zu schlagen und den ein oder anderen Lacher zu ernten. Was bleibt ist leider nichts als Kopfschütteln und Bedauern.
Aber nicht nur die Kampfszenen sind ein Witz, auch die übrigen Special-Effects können dem Zuschauer kaum mehr als ein mitleidiges Schmunzeln abnötigen. Paradebeispiel hierfür ist die Eingangssequenz des Filmes: Die Engel flüchten im Truck vor einer ganzen Horde mongolischer Halunken, die zuerst mit automatischen Waffen, dann mit einer Bazooka und schlußendlich sogar mit einem Panzer auf die Fliehenden schießen. Und genau in dem Moment, in dem die Situation ausweglos zu werden scheint, durchbrechen die drei Furien mit ihrem Truck ein Brückengeländer, daß in eine bodenlose Tiefe hinabführt. Aber anstatt auf dem Grund der Schlucht zu zerschellen, taucht urplötzlich ein Hubschrauber auf und die drei steigen kurzerhand um. Die Szene könnte man so - oder so ähnlich - in jedem Bond-Film sehen. Doch in den Streifen mit dem Doppelnullagenten sind solche Effekte normalerweise prima inszeniert. Bei "Volle Power" hingegen ist die Verwandlung vom Truck zum Hubschrauber so dilettantisch gemacht, daß man nur staunen kann. Das Ganze wäre vor 40 Jahren sicherlich als atemberaubender Effekt durchgegangen. Im hochtechnisierten 21. Jahrhundert hingegen...
Das Beste des Filmes (und ohnehin das Einzige, was ihn vor der totalen Katastrophe bewahrt) kann man mit zwei Worten klar beschreiben: Cameron Diaz. Diese Frau ist wirklich klasse! Ihrer Rolle entsprechend macht sie sich vor laufender Kamera systematisch zum Volltrottel - wirkt dabei jedoch keine einzige Sekunde unattraktiv, unerotisch oder gar lächerlich. Das zeugt von großer Ausstrahlung. Kein Wunder, daß Diaz sich fast immer in der Mitte befindet, wenn die drei Engel gemeinsam im Bild zu sehen sind. Lucy Liu jedenfalls wirkt neben ihr ausgesprochen blaß. Und Drew Barrymore versprüht ohnehin nicht mehr Charme als ein zu dick geratenes Schulmädchen. Sicherlich die Idealbesetzung für einen Teenie-Film oder eine Highshool-Komödie.
Ach ja, dann gibt's da noch den Kurzauftritt von Demi Moore, die einen gefallenen Engel mimt. Reichlich alt geworden, die Gute. Von der Super-Sexbombe zur alternden Diva...?! Jedenfalls ist ihr Auftritt viel zu kurz, als das sie irgendwelche Akzente setzen könnte. Gleiches gilt für ihren Ex, Bruce Willis - er ist nicht länger als vielleicht eine Minute zu sehen und sein Auftritt wohl kaum mehr als ein Gimmick. Ganz witzig, mit vollem Haupthaar hat man ihn schon lange nicht mehr gesehen.
Fazit:
Keine Story, platte, unlustige Gags, reichlich aufgesetzte Action und grausame Special FX. Eigentlich ein Film zum Abgewöhnen, der jedoch dank einer genialen Cameron Diaz nicht zur vollkommenen Lachnummer verkommt.
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