Ansicht eines Reviews

Butterfly Effect (2004)

Eine Kritik von Gargoyle (Bewertung des Films: 4/10)
eingetragen am 11.02.2005, seitdem 849 Mal gelesen


Man nehme eine absurde Grundprämisse, Kindheitstraumata, verzwickte Handlungsstränge, minimales Budget sowie einen anerkannten Teenieschwarm als Hauptdarsteller und vermische das Ganze zu einer Psychothriller-Mystery-Kombination mit B-Film-Charakter. Das mag das Kalkül der Produktion gewesen sein, und das Ergebnis nennt sich "Butterfly Effect", ein Film, der sich inzwischen vom Kino-Geheimtipp zum echten Überraschungshit entwickelt hat, was ich, soviel vornweg, nicht nachvollziehen kann.

Die Handlung:
Der Student Evan hatte in seiner Kindheit bei einschneidenden, prägenden Erlebnissen Blackouts. Nun will er über seine Kindheitsfreunde endlich herausfinden, was in jenen Minuten eigentlich geschah. Das Rühren in der verdrängten Vergangenheit seiner Freunde bringt aber tragische Ereignisse ins Rollen. Evan entdeckt, dass er über seine Tagebücher vermag, während der damaligen Blackouts in seinen Körper zu gelangen, und will so versuchen, alles besser zu machen und die Zukunft von sich und seinen Freunden zum Positiven zu verändern. Doch auch die veränderte Realität ist alles andere als erstrebenswert. Wieder und wieder dringt Evan in seine Vergangenheit ein, und mit jeder Änderung gestaltet sich die Zukunft fataler...

Wer hat noch nicht davon geträumt, Fehler seiner Vergangenheit auszubügeln, verpasste Chancen zu nutzen oder schlicht für bessere Schulnoten zu sorgen? "Butterfly Effect" benutzt einen der ebenso schönsten wie unerfüllbarsten Träume der Menschen als Handlungsgrundlage. Dass derartige Zeitreisen unzählige Möglichkeiten für Widersprüche und Unlogik aufweisen, versteht sich aber von selbst. Das ist jedoch bei weitem nicht das einzige, was dem Film das Genick bricht.

Achtung, leichte Spoiler:
Der Film zeigt zunächst mehrere einschneidende Erlebnisse Evans aus seiner Kindheit, in denen er seine Blackouts hat. Dem Zuschauer bleibt ebenso wie Evan unklar, was während dieser Zeiträume geschieht. Im Nachhinein betrachtet ist dies der interessanteste Teil des Films, da hier überaus unangenehme Themen thematisiert werden, die auch von der Darstellung her überzeugen können. Doch schon hier werden mitunter auch Blackouts gezeigt, die aus keiner Gefahr hervorgehen, sondern nur später der Handlung dienen sollen.
Mit den Widersprüchlichkeiten geht es im Studentenleben Evans erst so richtig los. Konstruiert, das ist das Wort, das man mit der Handlung verbinden muss, und das von nun an in jeder einzelnen Szene. Ein lächerlich konstruierter Anlass, wegen dem Evan beschließt, den Blackouts seiner Kindheit nachzugehen. Und ebenso absurd konstruiert sind die Begebenheiten, an denen Evans Versuche, die Vergangenheit zu ändern, von nun an scheitern. Unverhohlen legt das Drehbuch dem armen Evan nicht nur Steine, sondern ganze Steinmauern in den Weg. All das dient nur dazu, die nächste Zeitreise anzubahnen, die dann nach Möglichkeit noch schlimmer ausgeht. Gegen das, was hier abläuft, ist Murphys Gesetz schon regelrecht ein Aufruf zum Optimismus. Verzweifelt versucht man auch, charakterliche Tiefe vorzugaukeln, indem man Evan regelmäßig tiefgründige Gespräche führen lässt. Dies scheitert aber allein schon an Ashton Cutcher, der schauspielerisch gesehen besser in Tennieklamaukfilmen aufgehoben ist. Dazu nervt die Handlung ständig mit klischeebeladenen Figuren, á la drogensüchtige Hure oder schwule Knackis. Nebenbei, selbst wer weder "Zurück in die Zukunft" kennt, noch ein Star-Trek-Experte ist, dürfte längst im Klaren darüber sein, dass jeder einzelne Blackout Evans noch abgeklappert werden muss, ehe der Film zu Ende geht.
Neben dieser grundsätzlich sehr vorhersehbaren und damit einfach nicht spannenden Handlung stolpert der Film schon bald über seine eigene Logik. Warum etwa ändert sich nichts an der Zukunft, als Evan zurück in die Grundschule reist, dort das Bild mit den toten Knastis malt und sich dann in die Hände sticht?? (Noch seltsamer: Die Lehrerin berichtet seiner Mutter von dem Bild, nicht aber von den Stichen...) Warum hat Evan überhaupt den Blackout in der Küche, in dem er das Messer nimmt? Tja, war eben nützlich für das Drehbuch...
Werden die ersten veränderten Realitäten noch ziemlich ausführlich beleuchtet, scheint bei den späteren dafür keine Zeit mehr geblieben zu sein, denn die werden im 5-Minuten-Takt durchgejagt. Schade ist dies um die Version, in der Evan seine Hände weggesprengt werden und seine Mutter deshalb depressiv wird und Lungenkrebs bekommt. Dies ist die einzige Zukunftsänderung, die nicht durch Drehbuchstreiche vernichtet wird, sondern der ausnahmsweise ein glaubwürdiges psychologisches Drama zugrundeliegt. Doch wie gesagt, binnen Minuten steht der nächste Trip ins Blackout-Loch an, und alles ist vorbei. Es folgt dann eins der seltsamsten und überflüssigsten Happy ends überhaupt, denn als wäre die Zeitreise per Tagebuch nicht schon absurd genug, geht das ganze plötzlich sogar per Video... Leider sehr Hollywood-typisch, hätte man die Story konsequent durchgezogen, hätte "Butterfly Effect" ein sehr negatives, aber beeindruckendes Finale bekommen, das sicher so manches wieder gut gemacht hätte. Aber so...

Kamera und Regie befinden sich auf besserem TV-Niveau, ebenso wie die Schauspieler, unter denen Ashton Cutcher die einzige echte Fehlbesetzung ist (aber mit ihm als Co-Produzent gabs wohl keine Alternativen). Die wenigen Spezialeffekte sind unspektakulär, die make-up-Effekte dagegen hochgradig peinlich.

Insgesamt kann man mit "Butterfly Effect" sicher 2 Stunden brauchbarer Unterhaltung haben, sofern man bereit ist, nicht über innere Logik des Films zu grübeln und über die konstruierte Handlung hinwegzublicken. Wer aber einen spannenden und in sich schlüssigen Film erwartet, wird hier enttäuscht. Kinderhasser sollten ohnehin einen großen Bogen um "Butterfly Effect" machen. Insgesamt wurde aus einer guten Idee zu wenig gemacht.
4,5/10 (runde ich ab, ich mag nämlich auch keine Kinder in Erwachsenenfilmen...)


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "Gargoyle" lesen? Oder ein anderes Review zu "Butterfly Effect (2004)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von Gargoyle

Zurück





Copyright © 1999-2012 KI Media GbR
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

772 Besucher online





Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Men Suddenly in Love (2011)
Gefährten (2011)
Fight of the Dragon (1999)
Schrei, wenn Du kannst (2001)
New Rose Hotel (1998)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich