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Topo, El (1970)

Eine Kritik von Fabse
eingetragen am 08.04.2006, seitdem 618 Mal gelesen


El Topo (Alejandro Jodorowsky)- der Maulwurf- ein komplett schwarz gekleideter Revolverheld, der mit seinem kleinen, nackten Sohn durch die Wüste reitet. Mitten im Nirgendwo der Einöde macht das eigenartige Duo halt und der Vater überreicht seinem Spross ein Stofftier sowie ein Bild mit dem Portrait der Mutter um ihm mit zu teilen, dass er beides nun im Sand vergraben solle, da jetzt, an seinem siebten Geburtstag, die Zeit gekommen sei ins Mannesalter über zu treten. Nach Beendigung dieses Rituals klappt der Vater seinen Sonnenschirm wieder auf und man reitet dem Horizont entgegen. In der nächsten Stadt, die sie erreichen findet das Gespann einen Ort vor, der über und über mit toten Menschen und Tieren versehen ist und dessen Straßen voller großer Blutpfützen übersät sind. Bevor dem einzigen Überlebenden den sie entdecken der Wunsch nach dem Tod erfüllt wird erzählt er ihnen noch wer für dieses Massaker verantwortlich ist. Nachdem El Topo die Banditen und deren Anführer getötet hat lässt er seinen Sohn zurück und macht sich mit einer Frau, die ihn von nun an begleitet auf die Suche nach vier Meistern, die er im Duell bezwingen will um die göttliche Erlösung zu erfahren.



Was sich jetzt in der kurzen Inhaltsangabe vielleicht nach einer relativ linearen Handlung anhört ist alles andere als in einer narrativen Erzählform fest zu machen! Unterteilt in eine Exposition, vier Prüfungen ,den Psalmen und einer abschließenden Apokalypse folgt Alejandro Jodorowskys episches Werk keinerlei Gesetzmäßigkeiten des konventionellen Kinos oder einer klassischen Dramaturgie. Fast zwei Stunden lang eröffnet sich ein gigantischer Bilderbogen über den Zuschauer, der immer wieder radikal durch Visionen, religiöse Symbole und ausufernde Stil- und Storybrüchen sämtliche Sehgewohnheiten seines Betrachters torpediert. Zur Mitte des Films, bricht dieser sogar aus allen Nähten und schwenkt komplett um als El Topo, der mittlerweile zum heiligen Mönch einer unter der Erde lebenden Freak-und Inzestkommune geworden ist, einen Tunnel graben soll, der die Ausgestoßenen mit der dekadenten Stadt an der Oberfläche wieder zusammen führen soll. In irgendein Genre-Muster lässt sich das alles schon nach wenigen Minuten nicht mehr fassen. Glaubt man naiver weise sich am Anfang noch in einem Western zu befinden, so brechen alle filmischen Strukturen schon kurz darauf zusammen: Die Duellisten, denen El Topo begegnet, führen Tiere mit sich, beziehen ihre Stärke aus Frauen, die sich nur mit krächzenden animalischen Lauten ausdrücken können, Menschen lecken sich gegenseitig ihre Wunden, eine abartige Spaßreligion findet ihren Höhepunkt im Russisch-Roulette und beim Erscheinen des Anti-Helden sterben schlagartig 300 Hasen. Durch den ganzen Film zieht sich ein derartiger Surrealismus, dass sämtliche Versuche, einer logischen Interpretation von vor herein zum Scheitern verurteilt sind.


Die vielerorts genannte Symbiose aus Leone, Dali und Sam Peckinpah, um den Stil dieses Films in Worte zu fassen möchte ich jetzt nicht völlig abtun, denn einzelne Inspirationen sind durchaus spürbar, doch ich versuche das mal anders zu umschreiben: Man stelle sich vor, dass man voll gepumpt mit LSD, Meskalin und Ether verfällt man in der Wüste in einen tiefen Schlaf. Als die komplette Wirkung der Drogen einsetzt, erwacht man in einem Hieronymus Bosch-Gemälde und trägt die gesammelten Werke der Weltreligion unter den Armen. Wer einen Film sucht, der gut unterhalten soll, der macht besser um diesen hier einen ganz großen Bogen. Zu empfehlen sei El Topo wirklich nur hart gesottenen Zuschauern, die nach einer völlig anderen Seherfahrung dürsten. Bei denen wird aber dafür Jodorowkys filmischer Teufelsschrei noch öfter über den Screen flimmern. Ne Wertung gibt’s hier mal nicht, denn um eine solche zu fällen bedarf es wohl noch ein Vielfaches an Sichtungen.


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