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S.W.A.T. - Die Spezialeinheit (2003)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 12.09.2003, seitdem 4358 Mal gelesen


S.W.A.T. (Special Weapon and Tactics) ist die wohl bekannteste Polizeispezialeinheit der Welt, die in den 70ern als TV-Serie verarbeitet wurde und bei uns unter dem Namen „Die knallharten Fünf“ ausgestrahlt wurde. Da bei Hollywoods Drehbuchautoren kreativer Mangel vorherrscht, greifen sie in den letzten Jahren nicht nur zu Spiel- und Comicverfilmungen, sondern auch auf alte TV-Serien zurück. Die Qualität dieser Remakes reicht von sehr unterhaltsam („Charlies Angels“) bis überflüssig (z.B. „I spy“). Um dem Film für den Mainstream attraktiv zu gestalten lies man mit David Ayer (Autor von „Training Day“) und David McKenna (Autor von „American History X“) gleich zwei renommierte Schreiberlinge an das Drehbuch und verpflichtete mit Samuel L. Jackson und Colin Farrell gleich zwei Kassenmagneten. Eigenartig, dass die Regie einem erfahrenem, aber auf TV-Ebene arbeitenden Mann wie Clark Johnson anvertraut wurde, der bis zu diesem Film noch keine Erfahrung mit Blockbustern besaß.

Hätte der gesamte Film das Tempo und die Action des Intros, in dem die titelgebende Einheit einen Banküberfall beendet, könnte man von einem sehr gelungenen Sommeractioner sprechen. In einem Szenario, dass passionierte Internetzocker an das Multiplayerspiel „Counterstrike“ erinnern dürfte, muss das Team einen Banküberfall vereiteln, bei dem viele technische Spielereien wie eine frei schwenkbare Kamera zum Einsatz kommen. In beeindruckenden Kameraperspektiven, bei dem besonders der Blick aus dem Hubschrauber und ein 360° Kameraschwenk gefallen, darf der Zuschauer den Polizisten auf Schritt und Tritt folgen. Spätestens wenn dabei der schwarze S.W.A.T. Lkw, die mobile Zentrale, vorfährt, stellen sich die Nackenhaare auf, denn musikalisch macht Johnson mit der Modernisierung altbekannter Klänge alles richtig. Fehler machen hingegen die beiden Cops Jim Street (Colin Farrell) und Brian Gamble, die während ihres Einsatzes direkte Befehle ignorieren und eine Geisel anschießen, worauf sie aus dem Team fliegen.

6 Monate später reaktiviert der Polizeichef Sgt. Dan „Hondo“ Harrelson (Samuel L. Jackson), der nach schlechter Presse ein neues Team junger, tugendhafter Cops aufbauen soll. Spätestens hier wird leider deutlich, dass „S.W.A.T.“ nur ein kleiner Bruder von „Bad Boys 2“ im Kinosommer 2003 wird, da in Folge das Szenario zu einem plakativen Werbefilm für eben genau diese Einheit verkommt. Seinem Vorgesetzten ein Dorn im Auge holt sich Hondo einen Haufen Männer (u.a. Jim) und eine Frau (Michelle Rodriguez, nicht so nervig wie sonst) an Bord, die den Job eher als eine Funsportart betrachten, alle Adoniskörper besitzen, flache Machosprüche von sich geben und während des Trainings, welches sie locker überstehen, mit aus dem Ärmel geschüttelten Höchstleistungen überbieten. Während Zoff untereinander nur oberflächlich angerissen wird, kann abends noch gefeiert und gesoffen werden. Beziehungen im Team sind sowieso Standartware.

Parallel dazu reist der internationale Terrorist Alex Montel (Oliver Martinez, sehr schwach) in die U.S.A. ein und wird nach dem Mord an seinem Onkel verhaftet. Seine Identität bekommt die Polizei erst später heraus, als er sich auf einem Gefangenentransport befindet und von seinen Männern befreit werden soll. Damit dies ohne Erfolg bleibt, fährt ihnen zufällig Hondos Team über den Weg, welches gerade ihre Feuertaufe (natürlich wieder mit ätzender Leichtigkeit) hinter sich gebracht und mit den beiden Befreiern leichtes Spiel hat.

Hollywood scheint nach Jahren des massiven Einsatzes von CGI in Actionszenarien, die alle möglichst spektakulär aussehen sollten, mitunter aber harsch kritisiert worden sind, gemerkt zu haben, dass Publikum mit „Handmadeaction“ der alten 80er Jahre Schule viel erfolgreicher zufrieden gestellt werden kann und so kommt S.W.A.T., nach dem vor Stilmitteln nur so strotzenden Trailer, überraschend altmodisch daher. Wackelige, authentische Kameraarbeit verdrängt schnelle Schnittorgien und auf Stilmitteln wie Fast- oder Slowmotion wird gänzlich verzichtet. Die Schießereien in den Straßen von Los Angeles sind ein optischer Leckerbissen, erinnern entfernt an „Heat, fallen aber stets zu kurz aus und sind daher nur besseres Fastfood (Lecker, aber das war es jetzt schon?)

Die vorweg groß angekündigte Materialschlacht bleibt übrigens größtenteils aus, obwohl Montel vor laufender Kamera demjenigen eine riesige Summe bietet, der ihn befreit, was für die L.A.P.D. ein Problem darstellt, da man ihn schließlich aus dem Revier in ein Hochsicherheitsgefängnis überführen muss. Dem mit Explosionen und Bleihagel ebenfalls hübschen, aber wieder viel zu kurzen Kampf gegen Straßengangs, die eine fette Beute wittern, weicht im weiteren Verlauf noch ein Abstieg in de Schächte der U-Bahn Los Angeles und ein aberwitziges, überflüssig, lächerlich übertriebenes Ende.

Während Genrekonkurrent „Bad Boys 2“ eine, wenn auch nicht sonderlich einfallsreiche, Story besaß, krankt „S.W.A.T.“ an allen Enden an fehlender Spannung und Überraschungen, denn der Plot ist angesichts der Drehbuchautoren überraschend banal geraten und beschäftigt sich während der ersten Hälfte nur mit der Ausbildung, während dem Rest die Überführung Montels als Mittelpunkt dient. Spätestens aber nach der zweiten oder dritten Übung im Trainingslager weiß der Zuschauer, dass er es hier mit perfekten Polizisten zu tun hat, die den Job nur als Adrenalinkick sehen und den Drill (Wenn man es denn so nennen kann…) gar nicht nötig haben.

Den Bezug zur kultigen TV-Serie hätte Johnsons Werk eigentlich gar nicht benötigt, denn außer Jacksons Charakter Hondo, dem Cameo eines Schauspielers der Serie, des Themes und einem kurzen Serienausschnitt während des Films in einem Fernseher erinnert nichts an die Serie. Ältere Fans werden also nur bedingt auf ihre Kosten kommen und dieses Remake mit gemischten Gefühlen betrachten.

Schlussendlich bleibt noch ein Blick auf die darstellerischen Leistungen zu werfen, bei denen natürlich Samuel L. Jackson einmal mehr hervorsticht und den Rest mit dem kleinen Finger an die Wand spielt, während er einmal mehr sein „Mr. Coolness“ Image unter Beweis stellt. Besonders Colin Farrell enttäuscht, da er neben LL Cool J, Michelle Rodriguez oder Brian van Holt („Black Hawk Down“, „Basic“) nicht herausragt und deren sich deren platten Darstellungen der einsilbigen Figuren anpasst.

Fazit:
Clark Johnson gelang mit „S.W.A.T.“ ein typischer Sommerblockbuster, der abgesehen vom überzeugenden Beginn, stets zu kurze, aber gute Actionszenen zu bieten hat, die abgesehen von der Darstellung eines Hubschraubers, alle „echt“ sind und nicht im Computer entstanden. Die Oberflächlichkeit stört aber doch und lässt den Film zu einem plakativen Werbefilm der amerikanischen Polizei verkommen. Trotz des überzogenen Endes gelingt es dem Film zumindest beim ersten Anschauen zu unterhalten, sofern man nicht auf den einfallslosen Plot, flache Dialoge und stereotypen Charaktere achtet.


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