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Welcome to the Jungle (2003)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 10.11.2003, seitdem 4423 Mal gelesen


Nachdem Dwayne Johnson alias „The Rock“ mit „The Scorpion King“ einen, zumindest in meinen Augen, nur passablen Conan-Klon ablieferte, zeigt er in „The Rundown“, dass er durchaus das Zeug dazu hat in Schwarzeneggers und Stallones Fußstapfen zu treten und, neben, dem inzwischen zu sehr auf junges Publikum orientierten, Vin Diesel, der neue Stern am Actionhimmel werden kann.

Beck (The Rock) ist ein Kopfgeldjäger, der für seinen schmierigen Unterweltboss Schulden eintreibt, dabei aber stets seiner Philosophie treu bleibt, nie zu Bleispritzen zu greifen, sondern Wert auf solide Handarbeit zu legen. Dieser Grundeinstellung darf man auch gleich zu Beginn beiwohnen, als er in einer Disco eine Handvoll Footballspieler in ihre Schranken weist. Weil der kräftige Klient nicht zahlen will, wird er von Beck vor Option A (er bekommt die Kohle friedlich) oder Option B (er holt sich die Kohle..) gestellt, um die Aktion mit möglichst wenig Aufwand über die Bühne zu ziehen. Es dürfte allerdings klar sein, für welche Option sich entschieden wird, worauf The Rock neben seinen Wrestlingkünsten auch sein Geschick für „normale“ Kloppereien zum Besten geben darf. Die Optionswahl ist übrigens ein sehr witziger Oneliner, der sich noch öfter wiederholen soll. Als kleines Schmankerl wird übrigens ein improvisierter Cameo Arnis geboten, der zufällig am Set war und sich sofort bereit erklärte, symbolisch „The Rock“ das Actionzepter zu übergeben, in dem er, ihm in einer kurzen Szene (Arni verlässt die Bar, The Rock betritt sie) „Have Fun“ wünscht, den dieser dann auch schon bald haben soll.

Von seinem Wunsch getrieben ein kleines Restaurant zu eröffnen und dieses in Frieden zu betreiben, nimmt er, vor seinem Ausstieg, einen letzten Auftrag seines Bosses an, ohne zu wissen, dass er bald im größten Schlamassel stecken soll. Die Sache scheint augenscheinlich doch so extrem einfach: Er soll dessen Sohn, der sich als Schatzsucher in Südamerika befindet, zurückholen, also kurvt Beck, in einem klapprigen Flugzeug in die Provinz, um dort nicht nur Bekanntschaft mit seiner Zielperson Travis (Seann William Scott), sondern auch mit dem, die Bevölkerung in seinen Minen wie Sklaven haltenden, skrupellosen Hatcher zu machen (Christopher Walken *jauchz*), der die beiden nicht gehen lassen will, bis sie ihm einen Goldschatz in die Hände gespielt haben.

„The Rundown“ ist voll gestopft mit spaßigen Onelinern, ebenso überzogener Action und gut aufgelegten Schauspielern. So stupide die Geschichte auch ist, der Film liefert bärige Unterhaltung, wie ich sie in einem Buddymovie, ausgenommen „Bad Boys 2“ in den letzten Monaten vermisst habe. Sean William Scott, der außerhalb der „American Pie“ Reihe üble Probleme („Bulletproof Monk“) hat, sich über Wasser zu halten, harmoniert prima mit dem stets souverän und sich für dominant haltenden „The Rock“. Allein die Szene, in der der gefesselte Scott, nach einem fünfstündigen Marsch durch den Dschungel, eine Pinkelpause verlangt und Beck ihm den Hosenstall öffnen muss, dürfte für einige Lacher sorgen. Aber als Travis dann, sich wie ein Zitteraal windend, üble Probleme hat seinen Lurch aus der Hose zu bekommen und beide bald darauf kopfüber in Baumfallen hängen, wo sie von Affen (die die beiden noch öfters ärgern werden) malträtiert werden, wird sich endgültig niemand mehr im Sitz halten können. Und es gibt einen ganzen Haufen solcher Szenen: Travis reitet Beck stets in die dickste Suppe, da er als einziger die Sprache der Eingeborenen spricht und den Kopfgeldjäger grundsätzlich gegen sie ausspielt. In einer anderen Szene versucht der Schatzsucher The Rock mehrmals mit einer sagenumwobenen Kampftechnik zu beeindrucken, worauf dieser ihm umgehend, kurz und bündig die Faust vors Fressbrett kloppt.
Später liegen die beiden, von einer Frucht betäubt regungslos am Boden und fürchten sich vor den Affen et cetera et cetera….

Die Storykomponente um die Suche nach den sagenumwobenen Schatz verkommt da schon fast zur Nebensache und dient nur als Vorlage, um den Stadtmenschen Beck, dem der Dschungel bald mächtig auf den Sack geht, mit den Gefahren (unter anderem Penis fressende Flusstierchen) des Dschungel zu konfrontieren. Die kurze, an Indiana Jones Filme erinnernde Sequenz, in der der Schatz gefunden und geborgen wird ist dabei nur nettes Beiwerk.


Als Fiesling ist natürlich Christopher Walken, der es nun endlich wieder ins Kino geschafft hat, eine Wucht, wenn er diesmal auch weniger durch Erbarmungslosigkeit, sondern durch staubtrockenen Humor und Vorurteile („Ich habe noch nie eine Amerikaner getroffen, der keine Waffen mochte“) überzeugt. Allein sein Versuch der ungebildeten Bevölkerung mit Hilfe der Zahnfeelegende klar zu machen, was und wen sie jagen sollen sowie seine Situationsanalysen („Wow, das sind aber viele Kühe“) sorgen für einen Heidenspaß und zeugen von Selbstironie. Hin und wieder darf er aber auch seinen von Fans so lieb gewonnen Stil des unbarmherzigen Bösewichts zum Besten geben, in dem er zum Beispiel gnadenlos ein Rebellennest aushebt.

Sehr spektakulär und natürlich auch humorig fielen die vielen Kampfszenen aus, in denen sich Beck nicht nur gegen Peitschen schwingendes Gefolge Hatchers zur Wehr setzen muss, sondern sich auch mit kleinwüchsigen, aber blitzschnellen Eingeborenen (Rebellen) herumschlagen muss, die den behäbigen Muskelprotz doch arg zu setzen. Mit ordentlichem Einsatz von Wirework und netten Kameraspielereien erlangen die Fights stets ein recht spektakuläres Aussehen.

Trotz der Produktion auf PG-13 Rating nimmt man dem Film seine familiengerechte Inszenierung nicht übel, sterben im actionreichen, explosiven Finale doch massig Statisten und bleibt kein bitterer Beigeschmack. Insbesondere, der fürs Kribbeln sorgende Endshowdown, in dem Beck dann doch zu den Waffen (ausgerechnet in jeder Hand eine Pumpgun) greift und durch die Gegnerreihen rodet hat es durch aus in sich, auch wenn explizite, blutige Details natürlich fehlen.

Fazit:
Ja, sicher der Plot läuft nach Schema F ab und die Klischees sind ebenfalls nicht zu übersehen, aber „The Rundown“ ist halt ein Riesenspaß. Dwayne Johnson darf dank Ausstrahlung und Auftreten zum vielleicht angesagtesten Actionstar avancieren, Christopher Walken ist als Bösewicht, mit leicht ausgeprägtem Hang zur Selbstparodie ebenfalls eine Wucht, Scott, der Johnson geschickt die Onelinerbälle zuspielt, überraschend erträglich und Rosario Dawson ein netter Eyecatcher. Der gelungene Mix aus Action und Humor bietet Topunterhaltung, bei der nicht nur Genrefans zufrieden gestellt werden. Watch it!


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