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Crying Freeman - Der Sohn des Drachen (1995)

Eine Kritik von Der Mann mit dem Plan (Bewertung des Films: 4/10)
eingetragen am 21.08.2003, seitdem 699 Mal gelesen


1988 entstand die Anime-Version des Mangaklassikers "Crying Freeman" - eine bunte, gewalttätige Saga über das Schicksal der perfekten Tötungsmaschine. 8 Jahre später startete man den Versuch einer Live-Action-Übersetzung des komplizierten und wilden Comics. Der junge französische Regisseur Christophe Gans sollte sich an dem Projekt versuchen.

Für die Realverfilmung muss der geneigte Animefan nun erst einmal Abschied von den akrobatischen Unmöglichkeiten, die die Kämpfe der Originalstory ausmachten, Abschied nehmen. Dass sich die Krieger hier der Gravitation unterwerfen ist dennoch kein neues Stilmittel, sondern eher ein Kompromiss, um das eh schon kleine Budget nicht überzustrapazieren. Und so ist die Action in "Crying Freeman" auch nicht so spektakulär und exzessiv, wie sie oft beschrieben wird. Viel mehr Geld wurde hier in schwere Steadycams gesteckt, die die Shootouts in schnieken Kamerafahrten einfangen konnten. Denn anders als zum Beispiel bei John Woo, haben wir hier keine blutigen Einschüsse, keine überstilisierten Heldenmotive und auch kein klischeehaftes beidhändiges Benutzen von Handfeuerwaffen. Nein, alles bleibt schön bodenständig.

Bodenständig soll allerdings nicht heissen, das "Crying Freeman" nicht starke Fantasyeinschläge hätte. Die Story um einen Tonkünstler, der durch den Einfluss einer japanischen Sekte, unter der Mithilfe einer mysteriösen Hexe ein riesiges Oberkörpertattoo bekommt und seitdem ein zum Töten verdammter Killer, der "Freeman" ist, gehört nicht gerade zu den realistischsten Ausgangssituationen in der Filmbranche. Dieser mystische Killer ist Yo (Mark Dacascos), der gegen seinen Willen tötet, und nach jedem erfolgreichen Auftrag eine Träne für seine Opfer verschüttet. Hoffnung und Liebe findet er in der Malerin Emu O'Hara, deren positiven Einfluss ihn zu einem finalen Kampf gegen seine Auftraggeber und deren Feinde zwingt.

Wie oben bereits beschrieben, liegt das Hauptaugenmerk hier auf die perfekt geschliffene Optik, die durch die lupenreinen, butterweichen Steadycamfahrten zu Stande kommt. Dann streut Gans hier und da noch ein paar nette Slowmotion-Effekte ein - und fertig ist ein visuell herrlich aufbearbeitetes Actionmovie mit Glanz und Stil. Ebenso lobend zu erwähnen wäre die Schauspielerriege, die einen überraschend gut spielenden Mark Dacascos und eine facettenreiche Vorstellung von Julie Condra, die zuvor nur in "Gas Food Lodging" auffiel, bereithält. Zwar hätte man aus Rae Dawn Dawn Chong viel, viel mehr machen können, und auch Tchéky Karyo bleibt hinter seinen Möglichkeiten, dennoch bleibt ein positiver Gesamteindruck.

Die Erzählweise von Gans ist in diesem Falle das besondere Extra. Zwar ist "Crying Freeman" ein Actionfilm, scheint es ihm jedoch mehr Spaß zu machen, die Liebesgeschichte zwischen Yo und Emu zu inszenieren. So fühlt sich "Crying Freeman" nicht gerade wie eine Kanadisch-japanisch-französische Ko-produktion an, sondern in der Balance zwischen sentimentaler Lovestory, immer kurz vor dem Fall zum Kitsch, und knallharter Actiongeschichte, sondern wie ein reinrassiger Asiafilm. Das Tempo ist für einen westlichen, Hollywood-beeinflussten Actioner schlichtweg viel zu langsam und bedächtig. Aber genau das ist der Pluspunkt für den "Crying Freeman".

Christophe Gans' erste komplett eigenständige Regie wurde zum Erfolg unter Fans. "Crying Freeman" ist ein düsteres, bedächtiges Actiondrama, das in fast jeder Einstellung eine völlig runde, perfekte Kameraarbeit präsentiert. Zusammen mit der unaufdringlichen Musik von Patrick O'Hearn entfaltet sich ein schickes, abwechslungsreiches Werk, dem man glücklicherweise seine Comic-Einflüsse immer noch anmerkt, man es aber genauso gut als eigenständige Weiterentwicklung der bisherigen "Freeman"-Saga betrachten kann.


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