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Experiment, Das (2001)
Eine Kritik von Tyler Durden! (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 25.08.2006, seitdem 616 Mal gelesen
"Das Experiment" beruht tatsächlich auf einem Experiment, welches 1971 vom berühmten Psychologen Philip Zimbardo durchgeführt wurde. Ich als Psychologiestudent beschäftige mich zwangsläufig mit solchen Vorgängen und war gespannt, wie sich der Film mit dem Thema auseinander setzen würde. Das "Stanford Prison Experiment" (SPE) ähnelt in vielerlei Form dem Film. Es wurden insgesamt 12 Gefangene und 12 Wächter aus 70 Studenten ausgewählt, die in ebendiese Rollen schlüpfen sollten. Wie in Oliver Hirschbiegels Werk sollte das Ganze 14 Tage dauern, musste allerdings nach 6 Tagen abgebrochen werden. Viele weitere Elemente wurden übernommen: Der geplante Ausbruch aus dem Gefängnis und die diesbezüglichen Maßnahmen der Gefängnisleitung, die Kleidung der Gefangenen und so weiter. Schade fand ich nur, dass man die Idee der Sonnenbrillen nicht übernommen hat. Im SPE bekamen die Wärter Sonnenbrillen, die die Autorität noch mehr zum Vorschein brachten. Hirschbiegel wollte dem Film den Untertitel "beruht auf einer wahren Begebenheit" verpassen". Zimbardo setzte juristisch durch, dass er das nicht durfte.Er war nicht einverstanden, weil der Film die sich ergebende Situation überspitzt darstellt. Das ist eigentlich schade, denn die erste Stunde des Streifens ist sehr realistisch und weicht kaum vom tatsächlichen Experiment ab. Lediglich danach überspitzt der Regisseur die Situation und lässt es zu einem wirklichen Horrorfilm werden, nicht zu einer Dokumentation. Erzählt wird also die Geschichte von insgesamt 21 Wächtern und Gefangenen, die ein psychologisches Experiment vorantreiben wollen. Die Gefangenen sollten nur noch durch Nummern identifiziert werden, beispielsweise spielt Moritz Bleibtreu Nummer 77. Er ist die Hauptrolle, denn ihm baut man noch eine hübsche Liebesgeschichte ein und gibt ihm die Rolle des Rebellen. Gleichzeitig schleust er eine Kamera in das Gefängnis, um für einen Reporter das Geschehnis zu dokumentieren. Übrigens ist das dem wirklichen Experiment ebenfalls passiert. Wer sich das Ganze mal genau durchlesen will: www.prisonexp.orgIst das ganze anfangs noch humoristisch angelegt, eskaliert die Situation relativ schnell und die Wärter fangen an in ihren Rollen dermaßen aufzugehen, als wären sie wirkliche Gefängniswächter. Am meisten sticht dabei Justus von Dohnany als Berus hervor. Er zeigt sehr sadistische Züge und diskriminiert die Gefangenen. Er nimmt das Experiment zu ernst. Die Experimentleitung spaltet sich: Dr.Jutta Grimm (Andrea Sawatzki) will das Experiment beenden, bevor Schlimmeres passiert, zumal es schon Zusammenbrüche unter den Gefangenen gab, während ihr Vorsitzender Prof.Dr. Klaus Thon das Experiment weiterführen will. So eskaliert das Ganze weiter und die Beteiligten fangen an, die Realität nicht mehr erkennen zu können. Sie fühlen sich wie das, was sie im Experiment nur spielen sollten: Gefangene und Wächter. Es kommt zu einem bitteren Finale.Der Film hat mir sehr gut gefallen. Die Schauspieler machen ihre Sache alle sehr gut. Vor allem Dohnany ist hervorzuheben, weil er seine Rolle so gut spielt, dass der Zuschauer beginnt, riesigen angebrachten Hass gegen ihn zu entwickeln. Nur Bleibtreu fand ich teilweise nicht so gut. Seine Augenmimik ist zu überzogen, hat mir nicht gefallen. "Das Experiment" ist unglaublich spannend. Anfangs war ich begeistert von der Tatsache, wie realistisch der Film bleibt, am Ende nehme ich in Kauf, der er das SPE zu künstlerischen und spannungstechnischen Zwecken überspitzt darstellt, weil dadurch ein extrem spannender Horrorthriller entstanden ist, der fesselnd und aufwühlend zugleich ist. Es wird gekonnt dargestellt, wie Menschen in den ihnen zugewiesenen Rollen aufgehen und wie weit das führen kann. Wie gesagt, ist es nur am Ende mit den Morden überspitzt und fern von der Realität dargestellt. Man mag sich kaum vorstellen, was das für die tatsächliche Realität in Gefängnissen bedeuten mag, wo es Wächtern erlaubt ist, Gewalt einzusetzen.Gut gefallen hat mir auch der Schnitt und die Kameraführung. Die Schnitte sind flott und lassen keine Langeweile aufkommen, die Kameraführung ist ebenfalls ansprechend und ungewohnt.Die dargestellten Bilder sind oft äußerst intensiv und fordern zum starken Mitleiden und Mithassen auf. Fazit: Der Film hat zu Recht einige Preise abgeräumt, da er die Manipulationsanfälligkeit der menschlichen Psyche gekonnt darstellt und in spannenden und mitreißenden Bildern verpackt. Nur der mittelmäßige Hauptdarsteller sowie eine am Ende zu krasse Übertreibung verhindern die Höchstpunktzahl. Daher 9 Punkte. EuerDon
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