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Experiment, Das (2001)
Eine Kritik von Klartextredner (Bewertung des Films: 4/10) eingetragen am 15.06.2009, seitdem 219 Mal gelesen
SPOILER
Dieser Film ist trotz seiner Funktion als abendfüllender Spielfilm in vielerlei Hinsicht leider nur üble Propaganda. Ich werde diesen Vorwurf im Folgenden konkret erläutern.
Wissenschaftlicher Aspekt:
Ein solches Experiment würde heutzutage aus ethischen Gründen (Einschränkung diverser Grundrechte) niemand mehr durchführen, auch nicht um – wie im Film behauptet – weltweit die ersten Erkenntnisse auf diesem Gebiet liefern zu können. Sollte jemals sowas in Deutschland stattfinden, wäre einen Tag später Amnesty International am Start, sowie die örtliche Antifa, um auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit hinzuweisen. Hinzukommt kommt die Tatsache, dass Häftling 69 von Seiten der Veranstalter nicht aus dem Programm entfernt wird, obwohl er ausdrücklich darum bittet. Unnötig zu erwähnen, dass auch eine offensichtlich durchdrehende Versuchsperson sowie Bleibtreus Anklagen und diverse Videoaufnahmen unberücksichtigt bleiben. Sowas ist in einer Demokratie, speziell hierzulande, theoretisch und praktisch undenkbar. Ich hab zwar Verständnis dafür, dass aus spannungstechnischen Gründen hier und da der Realismus auf der Strecke bleibt, aber das ist hier nicht zu akzeptieren, weil der Streifen sich jederzeit als ernstzunehmendes Drama präsentieren möchte.
Sozialer Aspekt:
Mal abgesehen davon, dass dieses Experiment unter normalen Bedingungen garantiert nicht derartig aus dem Ruder gelaufen wäre, können eigentlich nur gutmenschliche Naivlinge geschockt von der Brutalität der daraus resultierenden Entwicklung sein. Ich als Misanthrop bin jedenfalls nicht überrascht, dass der Mensch in Extremsituationen zum Monster wird, das alles und jeden niedermacht, wenn das eigene Selbstwertgefühl oder sogar Leben bedroht wird. Das Verhalten der Wärter (Experimentalgruppe Nummer 1, die andere sind die Häftlinge um Bleibtreu) ist unrealistisch bis zum Gehtnichtmehr. Erst schleppen sie Moritz besoffen in einen kamerafreien Raum, fesseln ihn, rasieren ihm den Schädel, schmeißen ihn samt Stuhl um und pissen anschließend auf seinen Kopf. Später nehmen die Wärter – mittlerweile zu wilden Bestien mutiert – auch nüchtern wissenschaftliche Mitarbeiter als Geiseln, die noch geschlagen und vergewaltigt werden, woraufhin ein Kampf auf Leben und Tod entbrennt. Jaja, ist klar. Nicht zu vergessen, Bleibtreus neue Freundin, die innerhalb einer einzigen Nacht inklusive beidseitigem Autounfall zu seiner großen Liebe mutiert. Dass sämtliche dieser mehrmals eingestreuten Szenen künstlich wirken, lässt sich objektiv nur dadurch erklären, dass diese Tussi aus dramaturgischen Gründen gegen Filmende noch einen wichtigen Auftritt hat.
Politischer Aspekt:
Natürlich wurde auch nicht vergessen, einen zu spät geborenen Nazi in das Treiben zu involvieren. Berus mausert sich in geradezu halsbrecherischer Geschwindigkeit vom sprichwörtlichen Stinker zum Oberstrafvollzugsbeamten, der hier alle seine unaufgearbeiteten Komplexe kompensieren darf. Dasselbe gilt für den Elvis-Imitator, der zunächst bei der Frage nach seinem familiären Hintergrund fluchtartig den Dienstraum verlässt, um später seinen Schwengel in der gefangengenommenen Assistentin zu versenken, was die angedeutete Homosexualität kaschieren soll. Soll heißen: die gewalttätigen Wärter haben alle einen kleinen Pimmel und müssen deshalb ordentlich Bambule machen, damit's nicht auffällt. Wie geistreich.
Fazit:
Multipel peinlicher Scheiß, der trotz seines Realitäts- und Wissenschaftsmangels aus mir unerfindlichen Gründen vom Großteil der Filmfreunde derbe abgefeiert wird. Wie zu Beginn gesagt: als Unterhaltung ok, ansonsten gehirnverdummender Schrott – Kompromiss: 4 Punkte.
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