Eine Kritik von Apollon (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 08.10.2002, seitdem 1920 Mal gelesen
Beim "Experiment" haben wir es endlich mal wieder mit einem innovativen Film zu tun, der durch sein Thema, der Gefängnissimulation basierend auf dem Stanford-Experiment, höchst interessant ist. Dabei stellt der Streifen keine Verfilmung des Experimentes, dass in der Wirklichkeit stattfand, dar, sondern befasst sich nur mit der Grundidee. Denn in der Realität wurde das Experiment abgebrochen wogegen es hier weiter läuft und völlig außer Kontrolle gerät.
Nach einer kurzen Einführung, in der Hauptfigur Tarek Fahd die Bekanntschaft mit einer Dame macht, geht es auch schon direkt in den Versuch. Nach der Introduktion erfahren die Freiwilligen, welche Rolle sie bei der Gefängnissimulation einnehmen werden - Es gibt nur Wärter und Gefangene. Dabei sollen alle Teilnehmer keine Wärter oder Gefangene spielen, sondern sie sein. Anfangs beginnt alles noch recht locker, aber es dauert nicht lange bis Konflikte entstehen, die die Atmosphäre aufheizen. Mit zunehmender Dauer des Experiments steigt die Anspannung der Teilnehmer, die sich bei den Gefangenen zum Beispiel in Ungehorsam zeigt. Die Wärter wollen sich Respekt verschaffen und steigern sich richtig rein. Die Aggressionen wachsen auf beiden Seiten und entladen sich, doch die Wärter sitzen am längeren Hebel. Das ganze Experiment geht mehr und mehr auf die Psyche und gerät völlig außer Kontrolle.
Ich kann nicht genau sagen, warum, aber irgendwie wirkten die Bilder nicht so auf mich, wie es wohl hätte sein sollen. Mein persönliches Empfinden spiegelte nicht das Entsetzen der Bilder wieder. Es ist eine extreme, psychische Belastung, die auf die Menschen wirkt, aber diese Härte kam bei mir nicht wirklich rüber. Mir fehlen da etwas die Stilmittel wie beispielsweise eine musikalische Unterstützung, die vollkommen fehlt. Auch als Personen sogar den Tod finden, wird die Situation an sich nicht dramatisch genug in Szene gesetzt. Wenn vielleicht die Folterungen auch zu sehen gewesen wären, hätte das beim Zuschauer eine bedrückendere und noch schockierendere Wirkung erzeugt. Allerdings bin ich mir sicher, dass jeder Betrachter mit anderen Emotionen vor der Leinwand beziehungsweise dem Bildschirm sitzt. Bei mir hielt sich die Spannung aber in Grenzen.
Die Glaubwürdigkeit des Filmes vefliegt zum Ende leider etwas, da die Überwältigung der Projektleiter einfach unrealistisch ist. Überhaupt ist die ganze Überwachung des Experiments mit vielleicht einem Typen, der sich die Kamerabilder anguckt, einer stellvertretenden Projektleiterin und dem Projektleiter, der dann auch noch andere Sachen zu tun hat, einfach lächerlich und unglaubwürdig.
Insgesamt ist es noch eine gute deutsche Produktion, bei der aber durchaus mehr drin gewesen wäre, denn das Thema ist wirklich klasse und sehr interessant. An den Darstellern lag es jedenfalls nicht, dass das Potential nicht 100% ausgeschöpft wurde, denn ihnen muss man ein großes Lob aussprechen.