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Experiment, Das (2001)

Eine Kritik von MäcFly (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 05.11.2003, seitdem 449 Mal gelesen


„Das Experiment“ könnte man auch als Experiment am Zuschauer auffassen: Wie viel Psychoterror hält der aus, ohne sich vom Bildschirm abzuwenden?
Oliver Hirschbiegel ist hier ohne Zweifel einer der schockierendsten Filme seit Jahren gelungen und beweist eindrucksvoll, dass herausragendes Kino auch aus deutschen Landen kommen kann, ohne gleich Komödie zu sein.

Die Spannungskurve verläuft schlichtweg perfekt, wenn am Anfang eher betulich und unspektakulär 14 scheinbar uninteressante Charaktere vorgestellt werden, die sich für 4000 Mark auf ein Experiment einlassen: Die Hälfte der Probanten sollen in einem imaginären Gefängnis Wärter spielen, die andere Hälfte Gefangene, das alles für zwei Wochen. Keiner ahnt am Anfang, wie sehr das Experiment außer Kontrolle geraten wird.

Zugegebenermaßen kommt in der Anfangsphase etwas Langeweile auf, weil man die Liebesaffäre Tareks für sinnlos hält, in Wahrheit dient die erste halbe Stunde nur dazu, den krassen Gegensatz zum Leben im Trakt zu verdeutlichen und ist damit fast essentiell, um nur einen Funken Menschlichkeit zu bewahren. Denn was hier ab dem Zeitpunkt, wo das Projekt außer Kontrolle gerät, abläuft, ist kaum in Worte zu fassen:
Die Wärter nützen ihre Vorherrschaft gnadenlos aus, peinigen die Gefangenen bis zur Bewusstlosigkeit und übernehmen schließlich die totale Kontrolle über das Experiment. Erschreckend klaustrophobisch ist die Kameraführung, die zudem durch handkamera-artige Fahrten für einen beachtlichen Grad an Realismus sorgt.

Was ich auf jeden Fall anmerken muss ist, dass ich „Das Experiment“ zunächst für eine 1:1-Umsetzung des berühmten Stanford-Experiments hielt, weshalb ich damit rechnete, dass das alles nach einer gewissen Zeit ohne nennenswerte Verluste abgebrochen wird. Doch weit gefehlt, Hirschbiegel vertraut seiner eigenen, fatalen, nicht immer nachvollziehbaren Logik, die leider ein paar Schwächen aufweist, vor allem die Überwachung des Experiments ist viel zu beliebig, allerdings würde der Film anders seine Wirkung verlieren.

Eine echte Wucht sind die Schauspieler, die total überzeugend rüberkommen und die Rolle ihres Lebens zu spielen scheinen, herausstechen tun aber zwei: Bleibtreu meistert die schwere Aufgabe, zunächst den überheblichen, unsympathischen Macho spielen zu müssen und später die Identifikationsfigur für den Zuschauer zu sein und Justus von Dohnanyi spielt so was von bösartig, dass man es gesehen haben muss. Selten war mir eine Figur in einem Film unsympathischer.

Wer denkt, Sachen wie „Guinea Pig“ sind in ihrer grausigen Wirkung nicht zu toppen, dürfte hier eines besseren belehrt werden, fast ohne Blut- und Ekeleffekte. Der nackte Wahnsinn auf Zelluloid, der schonungslos das Tier im Menschen aufdeckt und in der letzten halben Stunde kaum noch zu ertragen ist. Wer zu sehr auf die Logik achtet, bringt sich da selbst um eine filmische Erfahrung, die sich gewaschen hat. Nicht immer nachvollziehbar, aber höchst effektiv!


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