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Experiment, Das (2001)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 20.11.2003, seitdem 480 Mal gelesen
„Das Experiment“ ist einer der unkonventionellsten und auch besten Filme aus deutschen Landen.
Tarek Fahd (Moritz Bleibtreu) ist Ex-Journalist, der sich seinen derzeitigen Lebensunterhalt mit Taxi fahren verdient. Doch er ist auf der Suche nach der großen Chance seinen Schnitt zu machen. Er meldet sich für ein Experiment, das die Belastung von Menschen in Extremsituationen untersucht, und will dabei Undercover eine Story ermitteln, um sie an die Zeitung zu verkaufen. Moritz Bleibtreu spielt den nicht ganz strahlenden, aber dennoch sehr sympathischen Helden ziemlich überzeugend.
Tatsächlich wird Tarek angenommen. Kaum hat er sich mit versteckter Minikamera und Wanze ausgestattet, ist auch der erste Tag gekommen. Der eine Teil der Versuchspersonen wird Häftlinge darstellen, der andere die Wärter. Sie sollen den Knastalltag durchleben und werden dabei beobachtet und studiert. Das Ganze erweist sich als sehr beklemmende Erfahrung, die von „Das Experiment“ auch in sehr überzeugenden Bildern rübergebracht wird.
Tarek will allerdings Stoff für seine Story haben und erweist sich als relativ rebellischer Zeitgenosse. Doch es kommt zu immer mehr Spannungen zwischen beiden Gruppierungen, auch wenn allen Teilnehmern Gewalt untersagt ist. Doch unter dem psychologischen Druck nimmt das Experiment immer bedrückendere Formen an...
Die Story von „Das Experiment“ ist sehr beeindruckend und auch nach realen Ereignissen geformt, die aber nicht das extreme Maß wie im Film annahmen. Die Wendungen der Geschichte sind immer realistisch, teilweise überraschend, aber an ein paar Stellen absehbar. Dennoch bleibt die Story über die meiste Zeit ziemlich spannend; lediglich ein paar Auswalzungen über Tareks Privatleben nehmen der Geschichte an ein paar Stellen das Tempo (z.B. wird teilweise zu sehr auf seine neue Freundin eingegangen, auch wenn sie noch eine wichtige Bedeutung hat).
Der visuelle Stil des Films ist sehr simpel und sehr düster gehalten, so dass „Das Experiment“ die Stimmung immer sehr beeindruckend einfängt. Die Atmosphäre ist sehr beklemmend und wenn der Film dann vorbei ist, ist man doch ziemlich bedrückt von den Geschehnissen, was vor allem daran liegt, dass der Film sehr realistisch ist.
Kritik gibt es an sich kaum. Neben den angesprochenen kleinen Längen ist an sich nur noch die Tatsache, dass man über viele Figuren sehr wenig erfährt. Dabei wäre es an vieler Stelle doch sehr interessant, wie sich die Privat- und die Testperson jeweils unterscheiden. So werden sie leider nur durch wenige Charakterzüge, meist ihren Beruf, charakterisiert, wobei etwas mehr Informationen zu einigen Charakteren jedoch für mehr Tiefgang gesorgt hätte.
Die Darsteller machen ihre Sache alle wirklich sehr gut, allen voran Moritz Bleibtreu, der sehr zum Gelingen des Films beiträgt, das sich „Das Experiment“ auch vor allem auf ihn konzentriert. Doch auch die restlichen Schauspieler agieren auf sehr hohem Niveau und machen damit viel von der Tatsache wett, dass man so wenig über ihre Figuren erfährt.
„Das Experiment“ ist ein ungewöhnlicher und sehr packender Psychothriller, dessen Charaktere allerdings mehr Sorgfalt vertragen könnten.
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