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Shadow of the Vampire (2000)

Eine Kritik von Mr. Barlow (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 11.02.2008, seitdem 325 Mal gelesen


78 Jahre nach "Nosferatu" kam wohl einer der ungewöhnlichsten Vampirfilme aller Zeiten in die Kinos, wenn nicht sogar der ungewöhnlichste.

Im Prinzip zeigt sich Shadow of the Vampire fast als eine Art Dokumentation, die die Situation hinter der Kamera des wohl besten Vampirfilm aller Zeiten veranschaulicht. So wird hier das Gerücht aus den 20ern wiederbelebt, dass Max Schreck ein echter Vampir gewesen sei. So beschäftigt sich der Film damit zu zeigen, wie der echte Vampir alias Graf Orlock alias Max Schreck das gesamte Filmteam durcheinander bringt, sei es nun durch seine ungeheuer dichte Darstellungskunst oder der Tatsache, dass er einfach ein paar Angestellte nacheinander verspeist. Die Befürchtung vermehrt sich in dem Filmstab, dass Schreck tatsächlich ein echter Vampir sei. Aber sie alle stehen eh unter dem Druck des Perfektionisten Murnau, der seinen Film so authentisch wie möglich haben will. So fährt er Meilen nur um eine einzige echte Naturaufnahme zu haben, wählt echte Bauern als Statisten und arrangiert eben, dass eine echter Vampir den Orlock spielt. Doch selbst Schreck kommt gegen Ende nicht gegen Murnaus durchtriebenden Perfektionismus an, und so dreht Murnau halt eine echte Sterbeszene mit Schreck - es muss halt alles echt aussehen.

Ungewöhnliche Filme etablierten sich schon immer als Klassiker. So wird man sich auch an Shadow of the Vampire 30 jahre später freudig erinnern können. Er belebt den Mythus und den Kult rund um Nosferatu wieder vom neuen und stellt auch mühelos das Remake (mit Klaus Kinski) eben jenes Klassiker in den Schatten. Die Schauspieler sind ebenfalls durchweg gut gewählt. John Malkovitch spielt den genialen wie durchaus verrückten Murnau geradezu lebensecht und auch Willem Dafoe weiß zu überzeugen, auch wenn er etwas sehr ausführlich für die Schreck-Rolle geschminkt wurde, sodass er nicht 100% wie der aussieht, den er eigentlich darstellt. Das soll aber nicht heißen, dass seine Darstellung nicht wirksam ist, man kauft ihn schon den klassischen Vampir ab und besonders in einigen Szenen ist seine Darsteller-Kunst geradezu atemberaubend oder wie in diesem Film, grauenhaft gut. Eddie Izzard ist wohl mit die am besten gewählte Rolle. Er sieht seinem 1922er Vorbild wirklich wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich.

Natürlich musste der Film sich an einigen Stellen von der Wahrheit lösen, damit die Thematik auch stimmt. So wird im Film z.B mit Schreck nur nachts gedreht, in Wahrheit wurde 1922 nur tagsüber gefilmt, das sieht man im Original auch sehr schön, denn obwohl dank der Einfärbung angezeigt wird, dass eine Szene nachts spielt, sieht man eindeutig die Sonne scheinen.

Einige eigentlich actionreiche Szenen (z.B die Schlussszene) wurden ohne Musikuntermalung inzeniert. Dies soll wohl die Wirksamkeit als solches unterstreichen, damit man sich einzig auf die Szene konzentriert. Bisweilen wirkt das aber ein kleines wenig unspektakulär. Dass der Film langweilig ist kann man auch nicht so wirklich sagen, er lebt halt mehr aus den Bildern und den Worten, aus denen er seine Wirksamkeit bezieht, anstatt auf Explosionen und Rumgeballer ala' Rambo. Und wahren Filmliebhabern wird das Spektakel eh nie langweilig, weil sich der Film eines solch ungewöhnlichen Szenarios bedient, dass er einfach nicht langgezogen wirkt.

So ist es schon erstaunlich, dass ein heutiger Film fast dasselbe übermittelt wie ein Film der frühen 20ern. Zwar wird die Atmosphäre eines echten "Nosferatus" nicht 100%ig erreicht, aber dank der vielen Original-Szenen und der liebevollen Umsetzung beschleicht einem schon hier und da dieses typisch schauerliche Gefühl. "Nosferatu" war ein grandioser, auf Zellouid gebanner Alptraum, "Shadow of the Vampire" ist ein ähnlicher geballter Alptraum - man ist zwar nicht so erschrocken wie beim ersten Alptraum, aber das Gefühl der Unsicherheit und der allgemeinen Angst ist stärker denn je.

Fazit

Geniale Idee, verwirklicht mit grandiosen Schauspielern und fast perfektioniert mit einer höllisch guten Atmosphäre. Nicht ganz perfekt um seinem Vorbild ebenwürtig zu werden, aber trotzdem der typische Auslöser deckenhoher Gänsehaut.

9.5/10


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