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Dead End (2003)
Eine Kritik von Schlombie (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 03.07.2008, seitdem 169 Mal gelesen
VORSICHT! SPOILER!
Was heißt hier eigentlich „Vorsicht! Spoiler!“? Seit „The Sixth Sense“ scheint es Pflichtprogramm in Horrorfilmen zu seinen, einen am Ende damit zu überraschen, dass die Filmfiguren ab einem gewissen Punkt des Streifens längst tot waren. Wenn nun der Papa der Familie, von der „Dead End“ handelt, am Steuer einschläft und es fasst zum Unfall kommt, und von dort an nur noch ominöse Dinge geschehen, dann kann man sich das Ende eigentlich denken. Welch ominöse Zeichen: die Uhren blieben seit der Minute des Unfalls alle stehen, oh eine ominöse Anhalterin mit totem Kind, hat sie das andere Auto gefahren? Überraschung am Schluß: Ja, sie hat! Och bitte!
„Dead End“ ist ein dicht erzählter Gruselfilm, der einige kleine Schockmomente parat hält und mit einem konstanten Spannungsaufbau trumpfen kann. Die Darsteller schwanken zwischen ok und gut besetzt, ihre Figuren sind etwas zu überzeichnet um realistisch zu wirken. Das ist etwas schade, da der Film mit realistischen Figuren noch einmal eine Spur spannender hätte werden können, zumindest wäre die Identifikation mit den Protagonisten effektiver gewesen. Aber das ist letztendlich alles Kleinkrämerei, da das Werk schlussendlich funktioniert – wäre da nicht diese Ernüchterung am Schluß eines Finales, das man längst erraten hat. Ich kann sie gar nicht mehr alle aufzählen, die jüngsten Horrorwerke, die mit der selben Pointe enden. Um nur mal ein paar zu nennen, die man sich eigentlich sparen kann: Da war der sehr schlechte „Soul Survivors“, der halbgare „Reeker“ und der etwas zu langatmige „Haunted – Haus der Geister“.
„Dead End“ war so packend erzählt, dass ich kurz am grübeln war, ob nicht doch eine andere Schlusspointe möglich war. So liebäugelte ich kurze Zeit mit der Idee, dass lediglich der Vater einen Schaden vom Unfall genommen hatte. Er steht ziemlich im Mittelpunkt, er ist der, der ständig Scheiße baut und seine Tochter, als direkteste Bezugsperson, lernt Psychologie. Begleitet sie ihn durch ein wirres Szenario seiner durch den Unfall krank gewordenen Seele, um einen Weg zu finden, ihn wieder in die Realität zurückzuholen? Sehen wir das was wir sehen nur aus dem Blickwinkel eines verwirrten Geistes? Das wäre doch wirklich mal eine tolle Schlussidee gewesen, ebenfalls wandelnd auf dem Prinzip, dass zum Ende eines Werkes nicht alles so war wie es schien. Aber nein, letztendlich wurde einem die übliche Schlussgülle vorgesetzt, die gerade in diesem Film viel zu vorhersehbar war. Immerhin gibt es am Ende einen Schlussgag, allerdings des Schlussgags wegen. Neue Denkmöglichkeiten eröffnen sich damit nur bedingt. Hätte man den endgültigen Zettelwitz damit kombiniert, dass die mitgenommene Ärztin nun genau so an der Rückscheibe des Leichenwagens klebt wie im Koma die Toten, hätte das schon tiefere Einblicke hinterlassen.
Klingt nach totaler Routine, ist es aber nicht. Wenn Klein-Schlombie erst einmal am Ende ist, sich stets über das selbe Manko aufzuregen, kann er ja nun endlich mal das positive näher unter die Lupe nehmen.*g Da wären zum einen die Dialoge. Sie müssen den ganzen Film tragen. Letztendlich ist der Film ein Kammerspiel in Road-Movie-Form. Es gibt nur den Innenraum des Autos und die verlassene Straße. Ziemlich zum Schluß kommt auch der düstere Wald näher zum Einsatz, den es sonst nur am Straßenrand zu sichten gab und in der hervorragenden und extrem bedrohlichen Aufnahme aus der Vogelperspektive heraus. Wem beim Anblick der Autoscheinwerfer auf einer endlosen und verlassenen Straße im nicht enden wollenden Grün des Waldes nicht vollkommen anders wird, dem wird wohl nicht zu helfen sein. *g Nein, im ernst, es ist unglaublich atmosphärisch eingefangen, nah am Unheimlichen und handwerklich wirklich optische Perfektion. Inmitten dieses ganzen, sehr gut gewählten, Spielraumes liegt es also wie erwähnt bei den Dialogen, den Zuschauer bei der Stange zu halten. Trotz der zu überzeichneten Charaktere ist dies auch von Anfang bis Ende gelungen. Sarkastische Sprüche, Informationen, Diskussionen und Smalltalk wechseln sich ab, geben sich die Hand und wissen zu überzeugen. Erstaunlich ist auch, dass es der Erfinder der Geschichte immer wieder schaffte Gründe zu nennen auszusteigen und sich wieder anders hinzusetzen als zuvor. Ich hörte mal im Audiokommentar zu „Pretty Woman“ wie bemüht der Regisseur dieses Filmes war, seine Protagonisten immer in Bewegung zu lassen. Sie sollten so gut wie nie sitzen, und wenn sie es taten, dann nie auf herkömmliche Art. Obwohl man im Leben in ähnlichen Situationen eher sitzt, fällt einem das gekünstelte Verhalten der Figuren dort gar nicht auf, im Gegenteil, der Film bleibt attraktiv, da er dem Zuschauer winzige Aktionen für das Auge bietet. Und so ähnlich ist es hier bei „Dead End“. Obwohl der Großteil im Auto spielt versucht man immer wieder (und das gekonnt) den Zuschauer bei Laune zu halten. Man wechselt Kameraperspektiven ebenso wie Sitzplätze und immer wieder gibt es einen Grund zu halten, selbst dann wenn man beschließt von nun an nicht mehr anzuhalten. Bis auf die Szene mit dem Kinderwagen auf der Straße waren die Gründe auszusteigen auch immer nachvollziehbar, das war das erstaunliche. Wer würde z.B. weiter fahren, wenn nach stundenlanger Tour am Wegesrand eine Hütte auftaucht, welche die selbe zu sein scheint wie eine vor hunderten von Meilen? Da muss man schon seinen Hut vor Drehbuch und Regie ziehen.
Letztendlich weiß „Dead End“ zu gruseln, zartbesaitete Zuschauer zu erschrecken und atmosphärisch dicht zu unterhalten. Dass man den Schluß erahnt macht inmitten des ganzen Treibens nichts kaputt. Erst wenn der bereits gewusste Schluß einen so extrem überraschend präsentiert wird, wird man als Zuschauer leicht säuerlich. Was glaubten die Macher? Einen in eine völlig andere Realitätsebene gezogen zu haben? Ne, ne, so einfach geht das nun nicht, liebe Drehbuchschreiber. Und von mal zu mal, wie die Schlusspointe immer wieder filmisch genutzt wird, wird es für die Schreiber solcher Horrorfilme schwieriger, den Zuschauer auf die falsche Bahn zu führen. Dann muss schon etwas unauffälligeres passieren als das sehr deutliche Einschlafen am Steuer eines Autos in Kombination mit der beinahen Kollision mit einem entgegenkommenden Auto. Dafür wurde der Kinofreund im vergangenen Jahrzehnt schon viel zu sehr für solche möglichen Schlusspointen sensibilisiert. Wer den Cineasten überraschen will muss etwas neues bieten. Trotz alledem ist „Dead End“ eine Empfehlung wert. Ob man nun den Text mit Spoiler liest oder den Film ohne Vorwarnung guckt, um dann das Ende zu Beginn zu erraten, macht keinen Unterschied. In beiden Fällen ist der Betrachter des Filmes in der selben Situation und wird sich wundern, dass das Endprodukt dennoch so gut funktioniert.
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