Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 05.01.2006, seitdem 211 Mal gelesen
Mit „Hitcher“ prägte Robert Harmon das Genre des Highwaythrillers und kehrt mit „Highwaymen“ wieder auf diese Straßen zurück.
Auf den Straßen ist ein Killer unterwegs, der seine Opfer mit dem Auto überfährt und anschließend Fahrerflucht begeht. Auch eine Freundin von Molly (Rhona Mitra) wird Opfer des Psychopathen, doch Molly sieht das Gesicht des Verbrechers. Geschickt vermeidet Harmon es den Killer zu früh zu zeigen, aus dem Crash und aus vorherigen Szenen weiß man nur, dass der Unbekannte viele Prothesen hat und von dem schweigsamen James Cray (Jim Caviezel), genannt Rennie, gejagt wird.
Rennie sucht auch Molly nach der Tat auf und warnt sie. Tatsächlich versucht der Psychopath sie zu töten, doch Rennie rettet sie in letzter Sekunde. Doch er will, dass sie ihm als Köder hilft, denn er hat mit dem Killer noch eine Rechnung offen, weil dieser einst seine Frau überfuhr…
Ein ganz netter, aber keinesfalls überragender Beitrag zum Genre des Highwayfilms ist Harmon hier gelungen, der vom Gespür des Regisseurs für Atmosphäre profitiert. Die weiten Highways, auf denen Anfang und Ende des Films spielen sind zwar bei weitem nicht so faszinierend wie in „Hitcher“ porträtiert, doch dafür kann der Rest ein dickes Atmosphäreplus verbuchen. Er spielt auf Straßen und Industriegeländen am Rande der Stadt, meist bei Nacht und die beiden Männern, die quasi in ihren Autos leben, belauern sich gegenseitig in dieser Atmosphäre.
Da geraten andere Figuren wie Molly und der Polizist Will Macklin (Frankie Faison) eher zwischen die Fronten, da die beiden Kontrahenten ihre Konfrontation inzwischen zur Privatsache erkoren haben (und die Polizei Rennie die Story vom Unfallserienkiller nicht glauben mag). So bleiben die Nebencharaktere auch etwas stereotyp und unbeleuchtet, auch wenn „Highwaymen“ immerhin recht geschickt darin ist zu zeigen, wie sich ein Vertrauensverhältnis zwischen Rennie und Molly aufbaut.
Zudem tut sich „Highwaymen“ schwer damit einen durchgängigen Spannungsbogen aufzubauen, da der Plot sehr simpel verläuft und wenige Überraschungen besitzt. Allenfalls die Enthüllung, wie das Verhältnis zwischen Rennie und dem Killer zustande kam (der Mord an Rennies Frau war es nicht allein), ist noch gelungen, während die Enthüllung der Motive des Psychopathen enttäuscht. Mal wieder das alte Kindheitstrauma *gähn*. Zudem verliert der Killer auch etwas, wenn man ihn dann sieht: Eher wie ein menschliches Ersatzteillager und die Prothesen, die im Halbdunkel des Autos noch geheimnisvoll wirken, sehen hier klumpig und unbeholfen aus.
Dafür hat „Highwaymen“ die wohldosiert eingesetzten Schauwerte in Form von Action, die Filme wie „Hitcher“ und „Breakdown“ auszeichnen. Gerade Unfall zu Beginn und die beiden Verfolgungsjagden in der Stadt machen echt was her: Schnell wendende Autos, qualmende Reifen und schicke Stunts (z.B. wenn der Psychopath ein auf dem Dach liegendes Auto hinter seiner Karre herschleift). Leider wirkt das Finale deutlich weniger spektakulär als diese Szenen, hat kaum Stunts zu bieten und wirkt daher etwas enttäuschend.
Jim Caviezel bringt den in sich gekehrten Rächer recht überzeugend rüber und macht hier einen sehr guten Job. Rhona Mitra spielt ganz ordentlich, sieht aber vor allem sehr sexy aus. Colm Feore als Fiesling ist OK, Frankie Faison als Cop auch in Ordnung, während der Rest der Darsteller kaum Screentime hat.
Unterm Strich ist „Highwaymen“ solide Durchschnittsware, der es einfach an einem durchgehenden Spannungsbogen und den richtigen Schauwerten mangelt. Dank der Atmosphäre, einiger cooler Stunts und der kurzen Laufzeit (mit Abspann weniger als 80 Minuten) jedoch nett für Zwischendurch.