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Highwaymen (2004)
Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 22.09.2004, seitdem 1257 Mal gelesen
Der Mann, der uns einst „Hitcher“ brachte und damit nach wie vor den unangefochtenen Genrekönig in Sachen Roadmoviehorror stellt, ist nach 17 Jahren wieder in seinem Metier zurück. Regisseur Robert Harmon sollte nach seinem Kassenschlager nicht mehr viel gelingen. Mit dem Versuch in „Nowhere to run“ einen menschelnden Jean-Claude van Damme darzustellen, ging er baden, worauf er bis „They“ nicht über TV-Engagements hinaus kaum. Niemand anderes als „Nu Image“ – Gründer Avi Lerner, der mit seiner zweiten Firma „Millenium Pictures“ die etwas besser budgetierten Filme herausbringt (Nu Images Ausschuss war qualitativ in den letzten Jahren meist unter aller Kanone), stellt ihm für ein Comeback das Budget zur Verfügung. Groß war es leider nicht (Ich schätze mal 15 bis 20 Millionen Dollar), obwohl sich unter den Produzenten auch Toby Emmerich (u. a. für „Blade II“ und „Final Destination 2“ verantwortlich) tummelte.
Immerhin konzentriert sich Harmon hier auf das Wesentliche, schweift nicht unnötig und liefert damit einen Film ab, der gerade mal 73 Minuten Nettospielzeit aufweist. Wieder beschäftigt er sich mit einem Duell, wieder wird es auf den Straßen ausgefochten und wieder wird es Tote geben.
Zumindest inszenatorisch gibt es an „Highwaymen“ nicht viel auszusetzen. Harmons düstere Bildkompositionen funktioniert nachts ungemein gut und beschwören eine omnipräsente Gefahr herauf. Er tat gut daran auf musikalischer Ebene wieder mit Komponist Mark Isham, der auch „Hitcher“ prägte, zusammenzuarbeiten. Er gibt jeder Situation etwas Bedrohliches und Schweiß treibendes. Durch seine Arbeit wird die röhrende Kiste des irren Fargo (Colm Feore, „The Caveman’s Valentine“, „The Chronicles of Riddick“) erst zum hässlichen Dämon. Leider schwächelt der Film aber dafür eklatant am Tag, fehlt Harmon doch eindeutig das Geschick etwas Spannung und Dramatik aus dem zwar weitestgehend Klischee freien, aber nicht sonderlich innovativen Plot zu kitzeln.
„Highwaymen“ ist eine Jagd aus der sich inzwischen schon so was wie eine Beziehung entwickelt hat. Ich will nicht spoilern, aber die beiden Figuren haben mehr gemeinsam, als es zunächst den Anschein hat. Doch darauf geht Harmon zunächst nicht ein. Die Katze lässt er später aus dem Sack. Zunächst müssen Opfer her und zwar in schicken Crashs. Dass die nur eine Frage der Zeit sind, weiß James Cray (James Caviezel, „The Passion of the Christ“, „High Crimes“). Seitdem der Irre seine Frau ermordete, ist er ihm auf den Fersen.
Der Film hat in Folge zwei große Problem – man kann vorhersehen, wie es ablaufen wird und Harmon nimmt, indem er das Publikum über den Killer und sein Motiv aufklärt, Fargo seine Faszination. Es wäre einfacher und besser gewesen schlicht einen durchgeknallten Psychopathen zu präsentieren , denn mit seinen ganzen Prothesen, künstlichen Gelenken und dem umgebauten Auto ist der Killer für die Rolle des mordenden Mysteriums geradezu prädestiniert.
Was dabei übrig bleibt ist leider nur noch ein mäßig spannendes Duell, dass mit einigen schicken Blechschäden aufwarten kann. Doch wo der Trailer noch Lust auf mehr machte, enttäuscht der Film hinsichtlich seiner Unfälle schon ein wenig. Die spektakulärsten Szenen sind leider wirklich ausnahmslos im Trailer zu sehen. Harmon musste, wohl angesichts seines Budgets, ein paar Kompromisse eingehen und so bleibt der Actionanteil unspektakulär und leider auch recht niedrig.
Unterbrochen wird das Duell von einigen mittelprächtigen Dialogen zwischen der von Fargo zum Opfer auserkorenen Molly (Rhona Mitra, „Beowolf“, „Get Carter“) und dem rastlosen Cray, sowie dem in einem Subplot final zur eigentlichen Handlung stoßenden, ermittelnden Cop Macklin (Frankie Faison, der Wärter von „Hannibal“!). Der soll dann später auch eine bescheuerte Schlussszene haben.
„Highwaymen“ kann letztlich nicht voll überzeugen und erfuhr wohl deswegen auch nur eine sehr limitierte Kinoauswertung in den USA. Hierzulande wartet man, nachdem dort schon die DVD erschien, immer noch auf eine Auswertung. Man kann dem Film gewisse Qualitäten gar nicht mal absprechen, denn die bedrohliche Atmosphäre wird zu Beginn ordentlich aufgebaut und einige Carchases machen wirklich was her. Dennoch kann der Film einfach nicht mitreißen – und das bei einer Laufzeit von nicht mal 75 Minuten.
Die schauspielerischen Leistungen gehen in Ordnung, glänzen kann hier keiner, auch an Harmons Stil gibt es nichts auszusetzen und doch funktioniert der Film einfach nicht richtig – gerade so als wären die Macher nicht ganz bei der Sache gewesen. Zwischenzeitlich, besonders tagsüber, verliert sich die aufgebaute Spannung. Die Darstellung Fargos tut später ihr Übriges und nimmt dem Plot damit einiges an Saft und Kraft. Da kann auch das Finale, dass dann auch nicht den Erwartungen entspricht, viel herausreißen. Es ist ein Film, bei dem das Potential nicht voll ausgeschöpft wurde. Da kann man noch so sehr auf das Röhren der Motoren und die Old-School-Inszenierung pochen.
Fazit:
Robert Harmons Rückkehr auf die Straßen Amerikas ist ein zwiespältiges Vergnügen. Obwohl das Duell weitestgehend Klischee frei absolviert wird und Harmon einige nette Blechschäden heraufbeschwört, stellt sich trotz der minimalen Laufzeit die Kurzweiligkeit nicht so ganz ein. Immer wenn man etwas Großes erwartet, enttäuscht der Film mit unspektakulären Einlagen. Der dumme Fehler des Drehbuchs, den Charakter dann auch noch ein halbwegs nachvollziehbares Motiv zu geben, gibt dem Plot dann den Rest. Hier wäre wesentlich mehr möglich gewesen. Schade...
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