"Midsommer" ist das Langfilmdebüt von Carsten Myllerup, der ein paar junge, aber schon recht erfahrene skandinavische Darsteller um sich gesammelt hat. Als da wären Kristian Leth, Laura Christensen und Tuva Novotny, ersterer ein sympathischer und glaubwürdig agierender junger Mann, letztere zwei sehr hübsche Schauspielerinnen, die auch hernach sehr gefragt waren. Wer die hier vorgestellte Clique sieht, fühlt sich schnell an zahlreiche vorwiegend jugendlich besetzte US-Horrorproduktionen erinnert, mit all den damit üblicherweise einhergehenden Klischees, die sich seit der großen amerikanischen "Slasher"-Welle etabliert haben. Natürlich musste der Film auch unbedingt in die englischsprachige Filmtradition eingemeindet werden, indem aus dem Originaltitel "Midsommer" (der eigentlich sowohl für Deutsch- als auch für Englischsprecher verständlich sein sollte) "Midsummer" gemacht wurde.
Allerdings verfolgt Myllerup, der mit "Midsommer" ein Drehbuch von Rasmus Heisterberg (auch an der viel beachteten Stieg-Larsson-"Millennium"-Trilogie beteiligt) verfilmte, bei der Darstellung seiner das Midsommer-Fest feiernden Jugendlichen einen deutlich zurückhaltenderen Stil. Das gebietet schon die einleitende Partyszene, während deren sich still und unbemerkt ein Mädchen aus der Clique das Leben nimmt. Der Grund bleibt zunächst unbekannt, um so mehr hat ihr Bruder Christian mit Schuldgefühlen und unbeantworteten Fragen zu kämpfen.
Anlässlich des schwedischen Spielortes erlaubt der Film sich einige kleine Pointen z. B. bezüglich der unterschiedlichen Aussprache des Namens "Hans" im Dänischen und im Schwedischen oder des auf die Schwedin Linn (Novotny) leicht befremdlich wirkenden dänischen Mädchennamens "Trine" von Laura Christensens Figur, mit der vielleicht auch eine unterschwellige Rivalität der beiden Figuren eingeleitet wird. Wer sich für Skandinavien näher interessiert, sollte daher bei Möglichkeit den Originalton wählen.
Am Ferienort läuft - nicht ganz unerwartet - ein wunderlicher alter Mann herum, und man erwartet den stereotypen Warner, wie man ihn aus manchen US-Slasherfilmen kennt. Die Rolle, die der alte Persson (gespielt von Per Oscarsson, den manche vielleicht aus der Rolle des Borka in Tage Danielssons "Ronja Räubertochter" kennen) hier übernimmt, ist wichtiger als zunächst angenommen und lockt den Zuschauer mit der Zeit auf eine falsche Fährte bezüglich der Auflösung. Das ist ansprechend umgesetzt und soll hier nicht weiter erläutert werden.
Wer nordische Landschaften als Kulisse zur Verfügung hat, hat bei manchen Zuschauern schon halb gewonnen, allerdings fehlte Myllerup sowie Kameramann Rasmus Videbæk wohl die Ausrüstung, die man gebraucht hätte, um daraus ein wirkliches Fest fürs Auge zu machen. Warme, aber wenig detaillierte Bilder, denen es oft an räumlicher Wirkung fehlt, herrschen vor in "Midsommer". Trotzdem verfehlt ein dunkler Wald mit verborgenen Abgründen (die sowohl konkret als auch in den Herzen der jugendlichen Figuren zu finden sind) als Umgebung des beunruhigenden Geschehens nicht seine Wirkung. Dass dabei auch zu klassischen Geisterbeschwörungsmethoden (Gläserrücken) gegriffen wird, scheint verzichtbar, aber zulässig, zumal diese ein anderes Ergebnis liefern als zunächst erwartet. Unnötig dagegen einige Pseudo- bzw. Audioschocks, die den einen oder anderen Zuschauer eventuell hochfahren lassen, aber hierin recht selbstzweckhaft wirken.
Alles in allem: ein empfehlenswerter Debütfilm mit sympathischen Darstellern, größtenteils angenehm zurückhaltend und in schöner Umgebung gedreht.