Review

Die Suche nach dem Toten

Die Erwartungen waren immens, empfahl man mir Zeder als innovativen, abseitigen und überzeugenden Zombiefilmgeheimtipp, der sich in Sachen Atmosphäre die Klinke mit Filmen wie Paura (1980) und Pestizide (1977) geben kann. Nun mag Zeder in der Tat ein innovativer und überraschend andersartiger Film in Bezug auf den sonstigen Konsens der Zombiefilme aus Italien sein, doch der Geheimtipp trabt, wenn er auch so oft seine Reize und Ausstecher in unerklärlichen Suspense hat, wahnwitzig unspektakulär auf der Stelle, um dann im Notwendigen Moment, seinen Ass im Ärmel mit Ungereimtheiten zu verderben.

Denn Zeder entführt uns nicht wie gehabt in ein von der Oberfläche verschollenes Dorf, dem Untergang, aufgrund des Todes des Priesters geweiht, in dem zuhauf die Zombies auferstehen und auch nicht in ein altertümliches Bauerndorf mit wahnsinnig gewordenen Weinbauern, sondern in eine Irrfahrt, ein Suchen nach dem Rätselhaften, vollgesprickt mit religiösem Hintergrund, die in irgendeiner Art dem Stephen King Film Friedhof der Kuscheltiere als Inspiration dienten könnten, auch wenn diese Unterstellung nur Annahme ist und keine Tatsächlichkeit.

Doch Zeder fixiert sich vordergründig auf das Treiben zweier Menschen, vordergründig dem Schriftsteller Stefano, der am Hochzeitstag von seiner Freundin eine Schreibmaschine geschenkt bekommt. Eine Schreibmaschine scheinbar mit besonderer Vergangenheit bzw. einem Geheimnis darin, denn Stefano findet wirre Textzeilen, befassend mit dem Leben nach dem Tod, was ihn so sehr interessiert, dass er die Suche nach dem Ursprung dieser unheilvollen rätselhaften Texte startet.

Zeder erzählt seine Geschichte, die vornab in einem Krimi wiederzufinden ist und sich im Takt von düsterer und unheilvoller Szene abwechselnd recht zerstückelt präsentiert, aberwitzig ruhig, sodass dort ansatzweise in besagten Szenen schon unheilvolles, gar wohlig Gruseliges präsentiert, doch die Choose, die Suche nach dem Verfasser und deren Absichten, erweist sich als nur allzu träger Stoff, der Menschen mit etwas antireligiöser Haltung nur allzu übel aufstossen könnte, versucht man dieses Unerklärliche mit einem Background zu rechtfertigen, der sich nur allzu gerne als Mumpitz emporragen könnte.

Denn gerade die Story um den geleuteten Priester, der fernab seiner kirchlichen Dienste immer mehr der Paranoia schwand und seinem Glaube immer mehr gen Missgunst und Zweifel entgegentrat, ist nur allzu lückenhaft, unerklärlich doof inszeniert, dass nicht nur Fragen gegenüber seinem Willen für das Leben nach dem Tod offen bleiben, sondern auch noch unlogisch erscheinen lassen, wurde er augenscheinlich vor seinem Tode auch von lebenden Toten aus dem Jenseits verfolgt.

Doch auch wenn Pupi Avatis Gruselmär ein nur allzu vorhersehbarer und zweifellos innovativer Gruselfilm mit Zombiefilmanleihen ist, verschenkt er sein Potenzial, welches andere Rezensenten hier sehen wollen, zweifellos, denn gerade der Wechsel von Okkult und Beziehungsdrama, welches das notwendige Leben und Nachvollziehbarkeit hineingebracht hätten, gestaltet sich zu lieblos und uninteressant um in irgendeinerweise Bezug zu dem sogenannten Helden herzustellen, der sich fortan zwischen seiner Geschichte, den Recherchen nach dem toten Priester und seiner Afterlive - Idee und seinem Leben, seiner Frau entscheiden muss.

Avatis Film wäre in keinen Belangen gruselig, wenn nicht Riz Ortolani (Cannibal Holocaust) einen solch atemberaubend treibenden Score dazu komponiert hätte, unterstreicht er so unbedeutende Szenen mit soviel Überschwänglichem, dass es absolut ernüchternd ist, dass daraufhin nichts spektakuläres passiert. Und auch wenn man sich mittlerweile damit abgefunden hat, dass hier keine Zombiemassen marschieren, nichtmal ansatzweise ein ausgegorener Splattereffekt stattfindet, tendiert der Film, die Auflösung oder seine ganze Motivation mit all seiner Religionsthematik immer mehr gen Lächerlichkeit, vorallem wenn dann allsbald in der Tat die Leiche des Priesters, kontrolliert von einem Wissenschaftlerteam, schlummernd in einem versteckten Sarg, sich zu erheben beginnt, wobei seine Figur an sich wie eine clowneske Darstellung von einem Frankensteindraculaverschnitt rüberkommt.

Gerade in solchen Szenen bekommt man dennoch wo Spannung vorgesetzt, denn vorallem die Szenerie eines leerstehendes Gebäudekomplexes, verwinkelt in seinem Aufbau, bietet Raum für Grusel, weiss der Protagonsit und der Zuschauer selten, wo sich der Unhold befindet, der sich immer mehr mit unheilvollem und makaberen Gelächter ankündigt. Das kann einem schon kalt den Rücken runterlaufen, aber allzu gehaltvoll und vorallem spektakulär, um das in irgendeiner Art abzufeiern, ist das Alles nicht. Stattdessen, zelebriert Avati ein Ende, so abrupt und einfallslos, ebenfalls anlehnend an den King'schen Roman, dass diese poentierte Umsetzung nur allzu vorhersehbar im Laufe des Filmes erscheint, wobei man den Wechsel von Beziehungsdrama und Gruselfilm doch noch rechtfertigen kann.

Am Ende bleibt ein Ergebnis zurück, dass nachdenklich und zugleich enttäusschend macht, denn Avatis Zeder erreicht bestenfalls Voices from Beyond Charakter, nervt mit doofem Religionsmumpitz, einer undurchsichtigen Motivation des Zombiepriester, mit einer uninteressanten Charakterfärbung und mit Gruselanreizen, die im Keim erstickt werden. Dennoch irgendwo ein potenzieller Film für den Innovationspreis im Zombiegenre, und auch rein technisch, von der Regie, der Umsetzung des Gesamten, war man 1983 auch schon Schlechteres aus Italien gewohnt (mal von Argento abgesehen).

Ein Film, bei dem man die Zielgruppe nicht genau ausmachen kann, aber als Vorreiter, wenn auch schlechter, für Friedhof der Kuscheltiere, kann man das schon sehen, auch wenn das trotzallem keinesfalls den Fans dieses Filmes zusagen könnte. Atmosphärisch wie auch im gesamten Inszenierungsstil ist das von einem Leichenhaus, Glockenseil und Foltermühlen ebenso weit entfernt, schade eigentlich.

51%
(mit Spielraum nach oben, wenn man denn in der Grundintention des Filmes viel hereininterpretieren möchte)

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