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Blob, Schrecken ohne Namen (1958)

Eine Kritik von Fastmachine (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 05.11.2005, seitdem 672 Mal gelesen


Der Schatten, den einige Filme durch die Jahrzehnte werfen, ist weitaus größer, als der Film selbst. Zweifellos gehört die Grundidee von „The Blob – Schrecken ohne Namen“ zu den Geniestreichen des Fünfziger Jahre Science-Fiction Kinos. Ein Meteor aus dem Weltall geht über dem ländlichen Amerika nieder. Er enthält eine rote, gallertartige Subtanz, die alle Menschen, mit denen sie in Kontakt kommt, absorbiert. Der Blob wächst und wächst, bewegt sich unerkannt durch Kanäle und Lüftungsschächte, um schließlich als riesige, glibberige Gefahr die nationale Sicherheit zu bedrohen.
Diese Geschichte steht von ihrer Originalität her gleichberechtigt neben den bekannten Motiven der Invasion vom Mars (Kampf der Welten) oder den Monsterfilmen (Tarantula), ja wirkt im Grunde sogar viel unkonventioneller. Verdientermaßen hat sich der Blob als klassischer Fünfziger Jahre Alien in der kollektiven Erinnerung festgesetzt. Dies ist die eine Seite der Medaille. Die andere lernt man nur allzu bald kennen, wenn man sich den Film aus dem Jahr 1958 tatsächlich mal wieder anschaut.

Am Film „The Blob“ bewahrheitet sich geradezu exemplarisch eine der grundlegenden, aber auch bittersten Einsichten zum Wesen eines Kunstwerks. Es reicht nicht, eine gute Idee zu haben, man muss auch in der Lage sein, ihr Gestalt zu geben. An der Schwelle von der Idee zum ausgeführten Werk scheitert „The Blob“ bedauerlicherweise sehr deutlich, über weite Strecken sogar kläglich. Der Film wirkt mindestens so amorph wie sein außerirdischer Held.
Über die Ursachen oder genauer über den Verantwortlichen dieses Scheiterns braucht man nicht lange spekulieren. Die Verantwortung trägt allein Regisseur Irvin S. Yeaworth Jr., der in jeder Hinsicht ein drittklassiger Vertreter seines Berufsstandes war. Nicht auszudenken, wenn sich einer der Großen des phantastischen Kinos der Fünfziger Jahre, wie George Pal oder Jack Arnold, dieser Geschichte angenommen hätte. Die Filmgeschichte wäre vermutlich um einen Klassiker reicher.

Eigentlich wollte Yeaworth alles richtig machen und gleich zwei Zielgruppen ansprechen. So verknüpfte er eine Science-Fiction Story mit einem Teenagerdrama, welches kaum verhüllt an James Dean Filme erinnern soll. Das Szenario bildet eine kleine Stadt im amerikanischen Westen, in der die etwas aufmüpfigen Teenager weitaus eher als die Erwachsenen das wahre Ausmaß der Gefahr erkennen, das vom Blob für die ganze Stadt ausgeht.
Wie sehr der legendäre James Dean das Jungendbild im amerikanischen Film geprägt hat, lässt sich gerade auch aus diesem drittklassigem Abklatsch ablesen, der fast wörtlich viele Einstellungen aus „…denn sie wissen nicht, was sie tun“ zitiert. Die mindere künstlerische und handwerkliche Qualität fällt daher umso peinlicher auf. Alles, was das neuartige und provokative Auftreten von James Dean ausmachte, wird hier entschärft und weichgespült. Der Konflikt zwischen den Jugendlichen auf der einen, sowie Eltern und Polizei auf der anderen Seite, wird auf geradezu erbärmliche Weise zurück in das Schema gepresst, aus welchem sich die James Dean Filme gerade mühsam befreit hatten. Die Eltern sind zwar streng, aber verständnisvoll, ebenso die Polizisten. Umgekehrt haben auch die Teenager zwar Flausen im Kopf, jedoch nur solche, die kaum über die harmlosen Scherze von Grundschülern hinausreichen. Und hat der gutmütige Schutzmann sie mal erwischt, dann ist ihnen das furchtbar peinlich und sie versprechen, es nie, nie wieder zu tun. Das tragische Autorennen mit tödlichem Ausgang, welches einen dramatischen Höhepunkt in „…denn sie wissen nicht, was sie tun“ markierte, mutiert hier zu einem harmlosen Schabernack. Es fehlt jede menschliche Tragik, ja jegliche emotionale Dramatik.

Entsprechendes gilt auch für die Teenager-Hauptfiguren der Films, das Liebespaar Steve (Steve McQueen) und Jane (Aneta Corseaut). Eine so sittsame Liebesgeschichte, ohne Leidenschaft, mit hölzernen Dialogen, die ungelenk aufgesagt werden, ist selbst nach den Maßstäben des Fünfziger Jahre Kinos grässlich uninspiriert. Das die Leidenschaft der zwei Liebenden eine soziale Sprengkraft haben könnte, die die starre Welt der Fünfziger Jahre in Frage stellte, davon lässt sich in diesem Film nichts erahnen. Die Schauspieler vermögen dem lahmen Film keine besonderen eigenen Akzente verleihen, was auch für Steve McQueen gilt. Steve McQueen kam zwar als junger Rebell nach Hollywood, aber ein zweiter James Dean wurde er aus guten Gründen nicht. Die demonstrativen, rebellischen Posen sind nicht sein Ding, sein Individualismus speist sich aus ganz anderen Quellen. Erst seine Darstellungen von schweigsamen, fast introvertierten Actionhelden der späten Sechziger Jahre prägten sein Image. Rückblickend lässt sich selbst in diesem Film schon manches davon entdecken, allerdings nur im Larvenstadium.

Wer bis hierhin gelesen hat, wird sich fragen, warum so wenig vom Blob die Rede war. Mit dieser Frage legt man den Finger auf den wunden Punkt des Films. Über seine mäßig interessante Rahmenhandlung vergisst der Film leider eine kontinuierliche Entwicklung der Hauptgeschichte, in deren Mittelpunkt doch der stetig wachsende Blob stehen sollte. Beginnt der Film noch viel versprechend und spannend, nämlich mit dem Meteoriteneinschlag und den ersten, ahnungslosen Opfern des Blobs, so verzettelt er sich bald in langatmige Nebenaspekte. Das zunehmende Wachstum des Blobs geschieht größtenteils hinter den Kulissen. Yeaworth versucht, die wachsende Gefahr indirekt in der Geschichte von den Teenagern zu spiegeln, denen von den Autoritäten, wie Eltern oder Polizei, nicht geglaubt wird. Da vom Blob nichts zu sehen ist, ja auch die Teenager ihn fast nie zu Gesicht kriegen, beschränkt sich der Film auf den Austausch von Vermutungen und Vorwürfen, die in gähnenden Dialogszenen breitgetreten werden. Der indirekte und hintergründige Spannungsaufbau, wie er etwa von Alfred Hitchcock in seinem Klassiker „Die Vögel“ vorgeführt wurde, misslingt hier völlig.

Erst zum Finale werden wir fürs Ausharren mit einigen ebenso bizarren wie trashigen Blob-Effekten entschädigt. Kultstatus erlangte natürlich die legendäre Szene, als plötzlich der riesige Blob in ein vollbesetztes Kino eindringt, in dem witzigerweise gerade ein Horrorfilm läuft. Es schließt sich eine klassische Massenpanik an und nun bedroht der Blob die ganze Stadt. Sicher beste Fünfziger Jahre Paranoia. Leider haben hier das geringe Budget ebenso wie die Grenzen der damaligen Tricktechnik wirklich spektakuläre Effekte verhindert. Im Kino selbst ist der Blob überhaupt nicht zu sehen. Erst das Remake des Films von 1988 konnte dank verbesserten Spezialeffekten das zeigen, was das Original nur behauptete.

Und die Moral des Ganzen? Liegt natürlich ganz auf der Linie des Kalten Krieges. Eine unfassbare Gefahr bedroht ein ehrbares amerikanisches Gemeinwesen von innen. Ein symbolisch knallroter Gallertklumpen verschlingt die ahnungslosen und unvorsichtigen Menschen. Nur wer stetig wachsam bleibt, kann eine Invasion verhindern. Und so weiter, und so fort. Besiegen lässt sich die Gefahr nie ganz, nur vorübergehend kaltstellen. Deshalb auch das Fragezeichen am Ende des Films. Fortsetzung droht – wenn man nicht aufpasst. Wie im lustigen Titellied schon zu Beginn gewarnt wird: „Beware of the Blob“.

Fazit: „The Blob“ gehört nur von der Idee her zu den Klassikern der Fünfziger Jahre Science-Fiction. Er bietet immerhin einige schöne Spezialeffekte und eine einzigartige Hauptfigur. Leider kann die Dramaturgie nirgends überzeugen, der Film hat elende Längen und wurde hölzern inszeniert. Mangelndes handwerkliches Können und Unterbudgetierung tun ein Übriges. Viel zu selten bekommen wir zu sehen, worauf wir eigentlich gehofft haben: den Blob. Wenige Szenen bleiben in Erinnerung, diese aber dauerhaft.
Für Liebhaber klassischer Science-Fiction oder Steve McQueen Fans lohnt sich natürlich trotzdem ein Blick. Allen anderen, die sich einfach für die Geschichte vom Blob erwärmen können, sei das Remake des Films von 1988 empfohlen.


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