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Jurassic Park III (2001)

Eine Kritik von mr-movie (Bewertung des Films: 3/10)
eingetragen am 16.11.2008, seitdem 420 Mal gelesen


Es ist kaum zu Glauben, aber den Film fand ich wirklich so schlecht.

Hauptproblem ist, das eine relativ gelungene Fortsetzungs-Idee, welche sich auf beide Vorgänger bezieht ohne das man diese gesehen haben muss, falsch aufgezogen und sichtlich lieblos dahinproduziert wurde. Und das nicht nur, weil er sich als (zur Zeit) letzter Teil einer Trilogie den Vergleich mit seinen Vorgängern gefallen lassen muss; vielmehr wurden durchaus vorhandene Möglichkeiten nicht oder unzureichend genutzt.
Nur die sich vollziehende Evolution der Saurier wird insgesamt (bezogen auf alle 3 Filme) klar geschildert, inzwischen haben diese ihre kleine endemische "Welt" der Insel unter sich aufgeteilt (Pflanzenfresser im Küstengürtel, Fleischfresser im Zentrum); allerdings nur bezogen auf die "Plan-B"-Insel. Was aus der Park-Insel des ersten Teils wurde, ist bis dato unbekannt.

Die aus technischer Sicht einwandfreien Spannungs-Elemente bzw. Action-Szenen können einen leider nicht wirklich begeistern; mit der "Flugzeug"-Szene wird versucht an die Machart der "Trailer"-Szene des Vorgängers anzuknüpfen, doch es misslingt. Ursache dafür ist, das der Film viel zu früh diese Szene einbringt und kurz darauf gleich einen Dino-Kampf hinzufügt, was in kurzer Zeit zuviel des Guten ist. Danach folgen dann weitere Szenen, welche man in anderer Form schon aus den ersten beiden Teilen kennt (von denen wurden hier außerdem zwei "nicht produzierte" bzw. "entfallene" Szenen verwendet) und letzten Endes nicht fesselnd genug sind sowie immer nur kurz und/oder unkoordiniert in die laufende (allerdings auch nicht sonderlich originelle) "Handlung" hineingefeuert werden.
Ich wiederhole: aus technischer Sicht sind diese Szenen absolut gelungen.

Die Vogelkäfig-Szene gegen Ende bringt zumindest etwas schauriges Gefühl mit sich, obwohl ich auch diese nicht als besonders hinreißend bewerten kann; hier, wie auch allgemein, wirkt die Szenerie sehr künstlich und verbreitet zu deutliche Studio-Atmosphäre. Für einen Fantasy-Film wäre dieses noch in Ordnung gewesen, doch handelt es sich bei Jurassic-Park um eine Sci-Fi-Realität in Jetzt-Zeit.
Auch einigermaßen originell ist die "Handy-Klingelton"-Szene, die später nochmals aufgegriffen wird, dann aber nicht mehr ganz ihre Wirkung hat und in einer eher humorvoll Art verwendet wird (das es "zum Himmel stinkt").
Neu ist, das die Raptoren jetzt eine noch höhere Intelligenz besitzen als angenommen und außerdem "kommunizieren" können. Eine prinzipiell gute Idee. Dieser Umstand wird aber nur sehr vage eingearbeitet und hat seinen Höhepunkt in der absolut kindischen "ich-will-mein-Ei-zurück"-Szene.

Die Story selbst wirkt nicht nur unbeholfen, sie ist absolut unausgereift - oder besser gesagt: geradezu albern. Sie hat viel zu viele Fehler, über die man nicht einfach hinwegsehen kann, auch wenn man es gerne möchte (normalerweise habe ich keine großen Probleme mit Logikbrüchen). Aufgrund der kurzen Film-Laufzeit ist vor allem nicht zu verstehen (oder besser gesagt: zu entschuldigen), warum viele Dinge in dem Film unzureichend oder gar nicht geklärt werden.
Einige Beispiele:

>> ACHTUNG: leichte SPOILER <<

Blödsinn:
In einer Restricted-Area und außerdem von einheimischen gemiedenen Inselgruppe (La Islas Muerte; die Inseln des Todes; siehe Fährmann-Szene aus Teil 2) wird Para-Sailing absolviert, und die Bootsmannschaft wird dort kurioser Weise vom "Nebel" gefressen (von wem sonst? - wird nicht geklärt!).

Unglaubwürdig:
Dem Jungen sein Parasail-Flugbegleiter hängt später, immer noch am Fallschirm, als Skelett im Baum. - Warum?
Wäre er gefressen worden, wäre er ganz weg; also muss er dort (was optisch auch zutreffend ist) verhungert sein.
Hätte der kluge Bengel ihn nicht retten können? - einfach die Leinen abschneiden?
Vielleicht musste der Junge vor Dinos fliehen (womöglich eine möglicherweise recht mögliche Möglichkeit). Das wird aber nicht geklärt; und wenn dem so wäre, dann hätten die Saurier sicherlich die im Baum hängende "Frucht" mit weggefuttert.
Und überhaupt: verwest ein Leichnam unter den klimatischen Umständen innerhalb von 8 Wochen wirklich so schnell wie dargestellt?

Merkwürdig:
Die Saurier-Population auf der Insel hat zugenommen, die Dinos wurden gefährlicher und intelligenter. Ständig sollte man auf Angriffe gefasst sein; und sie passieren auch.
Aber nicht, wenn unser Dr. Grant anwesend ist. Nein, dann wird alles zu einem idyllischen Waldspaziergang, egal wie laut man in die Wildnis ruft; und man hat unglaublich viel Zeit um zwang- und belanglose Gespräche zu führen.
Doch kaum ist der Doktor aus dem Bild, da wird attackiert und gefrühstückt.

Unlogisch:
Das professionelle Handeln des Jungen nach nur 8 Wochen entbehrt jeglicher Logik; auch wenn er die Bücher des Dr. Grant kennt, Fähnleinführer bei den Pfadfindern gewesen wäre oder ein mehrwöchiges Survival-Training absolviert hätte. Wir reden hier immerhin von einer Insel, die mit extrem gefräßigen Dinos verseucht ist. Und genau so unsicher ist auch sein LKW-Versteck mit nur einer Luke (extrem eingeschränkte Flucht-Möglichkeit). Die schlauen Raptoren hätten ihn dort sicher belagert (igendwann muss er ja mal rauskommen) oder irgendwo eine Falle gestellt, wie sie es an anderen Stellen im Film sogar machen. Oder der große Spinosaurus hätte diesen LKW gleich unzerkaut mit runtergeschluckt.
Da hilft dann auch keine "T-Rex-Pisse" mehr (dessen Wirkung hat der Bengel in nur 8 Wochen festgestellt?).

Lächerlich:
Für den Jungen war, laut Auskunft von seinem Vater Paul Kirby, eine Rettungsaktion nicht möglich (unglaubwürdig, wenn man an die US-"wir-holen-dich-da-raus"-Mentalität denkt). Aber für Dr. Alan Grant wird gleich ein üppiger Marine-Spezialtrupp mit Helikoptern und Landungsbooten sowie zwei Kriegsschiffen ausgesandt.
Mögliche Erklärung: unsere "seute-Dern"-Laura musste nach dem Anruf von Dr. Grant kurzfristig unschöne Dinge tun, z.B. ihr Gesuch bei einigen Generälen "mündlich" vortragen sowie "hand"-feste Beweise "besorgen" und vor-"legen"; oder so ähnlich. Der Umstand wird im Film jedenfalls nicht erörtert.

Dämlich:
Am Ende fliegen drei Flugdrachen in die freie Welt und werden von allen freudig bestaunt. Gerade Dr. Grant hätte sofort reagieren müssen und die zur Stelle stehende Marine auf die Tiere ansetzen müssen, denn ein jeder kann sich die ökologischen Folgen vorstellen (zugegeben: das ist ein Prima Übergang für den 4.Teil, der ja bald kommen wird bzw. schon in Produktion ist).

>> SPOILER ENDE <<

Ich will aber nicht nur meckern, sondern konstruktive Kritik leisten: Eine bessere Idee wäre gewesen, die Handlung allein auf das Überleben des Jungen (oder einer anderen Person) zu fixieren; wie diese(r) mit der Situation über einen längeren Zeitraum (mehr als 8 Wochen) zurecht kommt, Strategien entwickelt und sein Überleben sichert (in der Art wie bei Cast Away); als Nebenhandlung hätten dann fehlschlagende Rettungsaktionen die langfristige Zeitspanne plausibel machen können.

Darstellerisch darf man auf keinerlei Glanzleistungen hoffen; der aus dem 1.Teil bekannte Sam Neill persifliert Indiana Jones auf niedrigem Niveau, die ebenfalls aus dem Original bekannte Laura Dern darf kurzfristig in einer Gastrolle ihre neue Frisur präsentieren. Der auch vorgesehene Jeff Goldblum musste aufgrund einer Verletzung ausscheiden.
Als weitere Figuren wurden William H. Macy und Téa Leoni engagiert, welche diesen Film aber keineswegs aufwerten, sondern eher ihre Filmografien mit diesem Produkt abwerten.

* * *

Zusammengefasst kann man sich die JURASSIC-PARK-Serie wie eine normale 3-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad vorstellen:

Raum 1 - Wohnzimmer (Jurassic Park, Teil 1):
Dieses Zimmer ist sehr großzügig und lichtdurchflutet. Die Einrichtung ist opulent, aber übersichtlich; sie ist zwar ein wenig in die Jahre gekommen, war aber damals High-End, wirkt dadurch zeitlos elegant und ist heutzutage durchaus noch Up-to-Date. Mit viel Liebe wurde dieser Raum seinerzeit von Vati (Steven Spielberg; Regie) und Mutti (Kathleen Kennedy; Produzentin) unter Mithilfe von Innenarchitekten (u.a. Rick Carter; Szenenbild) eingerichtet.
Zahlreiche Gäste empfing dieser Raum und die meisten schwärmen noch heute davon.

>Raum 2 - Schlafzimmer (Jurassic Park, Teil 2):
Eher dunkel gehalten wurde auch dieses Zimmer recht hochwertig, allerdings doch eher zweckmäßig ausgestattet; u.a. mit einem großen Schrank voller Ideen. Wenn man aber den Schrank aufmacht erkennt man, das die Ideen dort wahllos ohne zu sortieren hineingeworfen wurden. Aber egal; Klappe zu, Affe tot. Denn zumindest geht es in diesem Gemach mitunter, nun ja, ziemlich heftig zur Sache.
Viele Freunde haben dieses Zimmer gesehen, die Meisten fanden aber den Wohnbereich angenehmer.

Raum 3 - Kinderzimmer (Jurassic Park, Teil 3):
Der halbwüchsige Adoptiv-Sohn (Joe Johnston; Regie) hat sein Reich (es ist das kleinste Zimmer mit nur ca. 81 Minuten Netto-Grundfläche) unterstützt von Papi (Steven Spielberg; Executive-Produzent) natürlich ganz im Gruftie-Stil sehr schummerig eingerichtet. Allerdings, ganz typisch für ein Jugendzimmer, ist dieses unglaublich unordentlich. Dabei ist es aber keineswegs total versifft; nein, das nun wirklich nicht. Aber Unmengen der tollsten und teuersten Spielsachen (vor allem Dinos jeglicher Couleur, ein paar starr blickende "Big-Jim"-Actionfiguren und sogar eine "Barbie"-Puppe) befinden sich dort chaotisch verstreut, sodass man glatt den Überblick verliert.
Von den Leuten, die dort mal einen Blick reingeworfen hatten, waren viele der einhelligen Meinung, das dies das schlimmste Zimmer der ganzen Wohnung ist; nur ein paar "Freaks" fühlten sich darin wohl.

Raum 4 - Küche (Jurassic Park, Teil 4):
Hier wird zurzeit fleißig geköchelt. Die Vorspeise (Script) ist schon fertig, der Hauptgang wird gerade filetiert (Pre-Produktion), kann bald zubereitet (Dreharbeiten) und in den Ofen (Post-Produktion) geschoben werden, um es später auf dem großen Esstisch (Kino) zu kredenzen. Ob es den schon wartenden Gästen schmecken wird?
Hauptsache das Menü zerkocht nicht oder verbrennt gar, denn dann muss die heiß ersehnte Mahlzeit ins...

Raum 5 - Klo:
...gekippt werden.
Und dann werden die Ratten (Kritiker und Reviewer) den madigen Schinken genüsslich zerreißen.

Wenn es aber genießbar wird, werde ich mir davon gerne einen Happen (DVD) einpacken und für zu Hause mitnehmen.


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