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Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)

Eine Kritik von Moonshade (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 13.06.2001, seitdem 1792 Mal gelesen


Nicholas Roegs nur latent phantastischer Thriller kann wohl ohne weiteres als einer der düstersten Thriller aller Zeiten bestehen.
Ausgehend vom Tod der kleinen Tochter, der in eine visionäre Sequenz eingebettet ist, deren Bilder einem die Nackenhaare aufstellen lassen und die kaum erträglich, schwelgt der Film von dort an in Ansichten eines vor sich hinrottenden Venedigs mit all seiner Pracht und all seinem Schmutz.
Immer wieder sieht Baxter und damit der Zuschauer Dinge, die schwer einzuordnen sind, als blanker Zufall, als Halluzination oder als Vision. Dabei wird fast nichts verfremdet, so daß der Zuschauer stets in die Irre geführt wird. Es gibt keine Sicherheit in "Don't look now", doch das Unheil, was über den Protagonisten zu hängen scheint, wird erst in der Schlußsequenz konkret, bis dahin bleibt es bei esoterisch/übernatürlichen Andeutungen der seltsamen Frauen, die auf Mrs.Baxter Einfluß nehmen. Roeg stellt somit einen Vorläufer von M.Night Shyamalan (The Sixth Sense) dar, denn erst in der allerletzten Szene kann man erahnen, was hier wirklich passiert und passiert ist und auch dann bleibt ordentlich Raum für Spekulationen.
Ich schweige natürlich still über die Auflösung, doch es sei gesagt, daß Roeg nie aufdringlich das Übernatürliche beschwört, sondern sich auf die Kraft seiner kunstüberladenen, finsteren Bilder verläßt, sei es in der restaurierten Kirche, in den geschmückten Kanalschiffen oder des nachts auf den Brücken.
Sutherland gibt die vielleicht nuancierteste Darstellung bis dato überhaupt in seinem Leben und alle übrigen spielen mit beachtlicher Intensität.
Nichts für Actionfreunde, sondern mehr für Liebhaber der inneren Spannung, der ausladenen Bilder und stimmungsvollen Kamerafahrten. Vom Stil her dürften Argento-Fans gerade hier auf ihre Kosten kommen, es fehlen lediglich die blutigen Metzeleien.
Ein Film für einen düsteren, regnerischen Abend ohne unbedingten Anspruch auf positiv-fröhliches Material. Lichter dimmen und auf ein intensives Erlebnis harren. (9/10).


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