Der Killer-Artist
Ein fähiger New Yorker Cop wird so unsanft wie unfreiwillig von einer dubiosen Geheimorganisation namens „Cure" rekrutiert. Er bekommt einen vorgetäuschten Tod mitsamt NYPD-Ehrenbegräbnis, ein neues Gesicht, neue Fingerabdrücke sowie eine vollständig neue Identität verpasst. Aus dem toughen Gesetzeshüter und ehemaligen Marine Sam Makin wird so Remo Williams, menschliche Waffe und Auftragskiller im Dienst der USA. Zuvor muss er aber erst durch die harte Schule von Chiun, einem koreanischen Kampfsportmeister, dessen Gnadenlosigkeit nur noch von seiner Schrulligkeit übertroffen wird.
Klingt fraglos ein wenig wie Malen nach Zahlen mit Superhelden- oder Rächer-Vorlage. Ist aber trotzdem ganz hübsch anzusehen, da Humor- und Actionpinsel recht versiert geführt wurden. Malermeister Guy Hamilton zeichnete ja auch schon für vier besonders bunte 007-Gemälde verantwortlich (u.a „Goldfinger", „Leben und sterben lassen"), versteht also definitiv was von Pop(ulärer)Art. Die Entstehungszeit Mitte der 1980er Jahre ist mehr als deutlich erkennbar, was aber eben gerade den besonderen Charme des Werkes ausmacht. Keine große Filmkunst, aber ein kurzweiliges Actionabenteuer für zwischendurch.
„Remo Williams - unbewaffnet und gefährlich" stammt noch aus einer Zeit, als Freund Computer noch nicht das Steuer übernommen hatte und seine Helden in Szenarien trieb, die zuvor Tom und Jerry vorbehalten waren. Hier wird noch physisch gekämpft, mit schnöden Pistolen aufeinander geschossen und die gute alte Beinarbeit bei diversen Verfolgungsjagden benötigt. Autos werden gefahren und nicht zu Waffen, Flugobjekten, oder für irre Zirkusnummern umgerüstet.
Dabei hat „Remo" akrobatisch durchaus Einiges zu bieten. Denn Chiuns Trainingsparkour in einem abgelegenen New Yorker Loft würde auch einem Hochseilartisten den ein oder anderen Schweißtropfen auf die Stirn treiben. „Training ist gut, aber Erfahrung kann man nur in der Praxis sammeln" ist eine uralte Weisheit, die für Sport und Krieg gleichermaßen gilt. „Kriegssportler" Remo ist da quasi doppelt betroffen und lernt seine Lektion bei einem ungemütlichen Stelldichein auf der Freiheitsstatue. 1984 komplett zur Renovierung eingerüstet, bot das New Yorker Wahrzeichen damit recht anspruchsvolle Kletterpartien bis zu einer Höhe von 93 Metern. Die Mischung aus Dreharbeiten vor Ort und auf einer originalgetreuen Replik, kombiniert mit waghalsigen Stunteinlagen und versierter Schnittarbeit beschert dem Film einen originären Actionhöhepunkt, der als Finale noch besser zur Geltung gekommen wäre.
Die Seele des Films ist aber ohnehin im zwischenmenschlichen Bereich zu suchen, was für ein Actionabenteuer auch nicht gerade zur Standardausführung zählt. Der bärbeißige, virile Fred Ward und der verschmitzte, zierliche Joel Grey sind ein köstliches Screwball-Paar mit einem perfekten, komödiantischen Timing. Die Frotzeleien und Schlagabtausche zwischen dem arrogant-mürrischen Alphatier Remo und seinem betont ruhigen, spleenigen Lehrmeister strotzen vor trockenem Wortwitz und bissiger Ironie. Thematisch bewegt man sich dabei u.a. in gänzlich Genre-untypischen Gefilden wie gesunde Ernährung, US-Seifenopern, oder fernöstliche Sexualtechniken.
Demgegenüber fällt der 08/15-Suspense-Plot um einen skrupellosen Waffenlieferanten einigermaßen deutlich ab, zumal er nicht nur im gemächlichen Tempo dahin zuckelt, sondern auch keinen spektakulären Schlussakt spendiert bekommt. Ein zunächst fest geplantes Sequel hätte hier Abhilfe schaffen können, aber ob des mageren Box-office-Abschneidens von „Remo" kam es nie dazu. So gesehen passte der Chorus von Tommy Shaw´s „Rermo´s Theme" wie die Faust aufs Auge: „What if".