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Der Einzelkämpfer beginnt mit der Großaufnahme einer Frau, in deren Stirn Dr. Mason (T.E. Forman) die auf einem Mini-Datenträger gespeicherte Formel für seine Frostbombe implantiert. Trash Regisseur Al Adamson will uns offensichtlich aufwecken. Der Doktor setzt sich gleich noch einen präventiven Schuß, bevor er seine Assistentin auf die Flucht schickt und dem Test seiner Vernichtungswaffe beiwohnt, die er doch nur zur Wettermanipulation erdacht hatte. Die Geschichte der Atombombe hatte hier wohl einen gewissen Einfluß. Der Schildkrötenliebhaber und Bösewicht The Pig (Harold Sakata) lacht sich ins Fäustchen beim Blick durch das Fernglas, wo auch wir mitverfolgen dürfen, wie menschliche Probanten an Marterpfähle gefesselt einem Schneesturm erliegen. Doch noch muß er interessierte Regierungen bei ihren Kaufabsichten hinhalten, verstirbt in diesem Moment doch Dr. Mason, während von einem Brand im Labor berichtet wird, die Formel also verschollen scheint. Nun, eigentlich ist hier jedem klar, daß sie noch existiert. Wissenschaftler sind zwar manchmal geistesgegenwärtig, aber gewöhnlich auch eitel.
Bob Minor als tiefschwarze, unbenannte Kampfgranate zerledert einen Hänfling. Capt. Gallagher (George Lazenby) läßt in der Kampfsportschule seines Tausendsassas Lt. Detective J. Ash (Jim Kelly) um ein Gespräch bitten. Ash erkennt den Tathergang blitzeschnelle und ist somit gleich in die Geschichte eingeführt, um im Folgenden in manch Kampfhandlung sowie eben den Fall Frostbombe verwickelt zu werden. Das Drehbuch gibt sich hier keine Mühe, tiefer in den Figuren zu forschen. Stattdessen verfolgen wir eine Willkür von jagen und gejagt werden, schlagen und geschlagen werden. Die Szenen sind dabei so sprunghaft montiert, daß man meinen könnte, sie wurden jeweils gedreht, weil sie aus der Situation entstanden, eine Gelegenheit bestand.

Eine Konstante bildet hingegen die Suche nach der Formel, wobei man doch eher den Eindruck gewinnen muß, daß dies als Kern gedrehte Aufnahmen sind, um die der Rest arrangiert wurde. The Pig und seine Getreuen sind also der Assistentin hinterher gereist, die sich auf den Weg zu Masons Tochter gemacht hat, um ihr einen Brief zu überbringen. Von den Schergen gefangen erwartet die Assistentin Androhung von Folter durch eine Schnappschildkröte, der man den Kopf abschneiden müsse, um sie zu lösen, wenn sie sich erstmal in einer Titte festgebissen hätte. Warum bietet Der Einzelkämpfer nur so wenige Highlights dieser Art?
Stattdessen müßen wir uns damit abfinden, daß die Bösewichte keinesfalls unter Gewaltandrohung in der Lage sind, für Aufschluß zu sorgen. The Pig sollte sich allerdings freuen, kann er doch die Wartezeit mit heraufhandeln des Preises überbrücken. Den Kniff, der schließlich für eine Wende sorgt, will man jedoch nicht gesehen haben. Es handelt sich nur um eine weitere unspektakulär erzwungene Handlung, dessen Unwichtigkeit dadurch betont wird, daß ein unvermeidbarer Endkampf folgen muß. Insbesondere die Auseinandersetzung zwischen Kelly und Minor ist dabei dann auch noch viel zu kurz geraten, was vielleicht daran liegen könnte, daß Minors Präsenz, die er schon ohne eine Bewegung nur durch sein schwarzes Outfit mit Nietenarmband und seinen unfassbar finsteren Blick erreicht, Kellys ohnehin schon nur halbherzige Performance mit dem Eindruck, daß er dafür nicht mal seinem Pyjama entstiegen ist, in Grund und Boden geprügelt hätte. Mit Bob Minor als professionellen Stuntman und Jim Kelly als internationalem Karate Champion im Mittelgewicht von 1971 war dies allerdings auch der vielversprechenste Kampf, der über die schon eher an Breakdance erinnernde Choreographie der meisten anderen Schlägereien in Der Einzelkämpfer herausragt.

Der normale Kampf läuft gewöhnlich in einem langsamen Rhythmus ab. Schlag oder Tritt, manchmal eine kurze Kombination, dann verharren die Kontrahenten, es folgt die nächste Aktion und wieder eine Pause. Mit Coolness hat dies jedoch weniger zu tun, es sei denn, Kelly darf einen am Boden liegenden Gegner treten, der dann unter großartigem Overacting zu zucken beginnt. Daß Kelly schon ein, zwei mal mit Martial Arts zu tun hatte, ist zwar ersichtlich, so es dem geneigten Zuschauer von Genrekost nicht ohnehin bekannt ist, jedoch kann er sich hier kaum Aufmerksamkeit erspielen. Einmal hat er aus unerfindlichen Gründen ein Nunchaku in der Hand, mit dem er locker umzugehen weiß. Leider wirkt die Szene so, als wollte man schnell noch ein paar erworbene Waffen einsetzen und Kelly war der Einzige, der sich das Teil nicht sofort in die Klöten haut. Jedenfalls wird nicht weiter darauf zurückgegriffen.
Auch eine eingestreute Bordellsequenz bringt dem Film rein gar nichts. Anstatt hier die Erotikschraube anzuziehen, gibt es einen prüden Blick auf ein Paar Brüste und eine von weitem gefilmte Ansicht auf eine gemischte Gesellschaft im Jacuzzi. Selbst für das Amüsement vielversprechende Rollen wie Ashs Sidekick Li (Myron "Bruce" Lee) werden verheizt. Der Einzelkämpfer besteht nur solchen Füllszenen, wobei der groovige Soundtrack das Ganze immerhin noch fließend zu einem schlaglochfreien Vergnügen verknüpft.

Wenn man nun bei seiner Filmauswahl berücksichtigt, daß hier der Typ, der in Der Mann mit der Todeskralle richtig gestartet ist (Kelly), auf den Mann, der seine Laufbahn nach nur einem Auftritt als James Bond in Im Geheimdienst ihrer Majestät durch einen Ausstieg entschieden geprägt hat (Lazenby) und ausgerechnet Oddjob, einer James Bond Figur aus Goldfinger (Sakata) trifft (Aldo Ray krebst hier übrigens auch noch rum), dann sieht das vorgestellte Worst-Case-Szenario eventuell noch schlimmer aus. Der Film ist zwar absolut sinnlos und unwichtig, aber auf eine gewisse Art kann selbst Der Einzelkämpfer unterhalten. Man sollte sich nur eine Nebenbeschäftigung suchen, um der Müdigkeit entgegen zu wirken, vielleicht bügeln.
Keiner der Darsteller hat sich beim großen Karrierestart wohl erträumt, einmal in einem so lausigen Film aufzuspielen, aber so ist das Leben. Nicht jeder ist auf der Gewinnerstraße und so war für Jim Kelly, der durch die Kung Fu Serie, erste Martial Arts Importe wie Zhao - Der Unbesiegbare und durch die Blaxploitationwelle als Afro-Amerikaner rückengestärkt, jeglicher Bonus als Antwort auf Bruce Lee, wie auch Sonny Chiba zeitweise aufgebaut werden sollte, aufgebraucht. George Lazenby hatte sich nach seinem Ausstieg als Bond-Darsteller auf TV-Auftritte, B-Movies und einige Filme in Hongkong beschränken müssen. Harold Sakata dürfte vor allem sein schlechtes Englisch zur Last gefallen sein, welches ihn auf ein Asiatenklischee beschränkt. So ist Der Einzelkämpfer für schadenfroher Filmhistoriker sicherlich ein gefundenes Fressen. Sofern das Interesse an der Grindhouse-Mode-Erscheinung allerdings noch nicht abgeklungen ist, könnte der Film auch durchaus als authentischer Beitrag eines Double Features fungieren. Man sollte nur darauf Acht geben, ein etwas besseres Werk zu kombinieren.

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