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Do Not Disturb (1999)

Eine Kritik von ixida (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 15.08.2005, seitdem 400 Mal gelesen


Was möchte der Zuschauer, wenn er sich einen Thriller anschaut?

Entweder A: Eine logische Handlung mit realistischen Charakteren und einer wasserdichten Nachvollziehbarkeit des sich ereignenden Spannungsaufbaus?

Oder vielleicht B: Sympathische Menschen, die etwas überzeichnet werden, in einer Flut von Spannungsabläufen, die aus einfachen Menschen in Extremsituationen kleine Superhelden werden lassen und dabei in ihren Dialogen ständig zwar einfache, aber schwarzhumorige und treffende Bemerkungen abgeben? (Ein Glück, dass die Hauptdarstellerin stumm war, sonst wäre es bald wahrscheinlich wirklich zu albern geworden.)

Alle, die sich für Möglichkeit A entscheiden, machen einen weiten Bogen um den Film. Wer aber über die eine oder andere Unzulänglichkeit hinwegsehen kann, wird an den Qualitäten der Alternative B seine helle Freude haben können. Dabei muss allerdings das Wort "können" betont werden, denn der Film ist wirklich Geschmackssache. Dies liegt vor allem am Humor und an den Hauptdarstellern. Nur wer ein Faible für beides entwickeln kann, wird sich bei diesem Film amüsieren können.

Bei vielen Filmen benötigt es oft Intelligenz oder zumindest genaue Beobachtungsgabe, um unrealistische oder gar unmögliche Situationen ausfindig zu machen - bei diesem Film nicht: dafür gibt es einfach zu viele Unwägbarkeiten in dieser Geschichte! Und trotzdem (oder genau deswegen): ich habe mich köstlich amüsiert!
Es hat mir sogar Spaß gebracht, die Szenen im Film zu zählen, die an den Haaren herbeigezogen waren und so einfach nie hätten passieren können. Das mir dies nicht auf die Nerven ging, lag aber vor allem auch daran, dass ich einfach alle Schauspieler (inklusive Haupt- und Nebendarsteller) total sympathisch fand.
Allen voran bringt die Beobachtung der zehnjährigen Melissa einfach so viel Gaudi, die gegen die Ignoranz der Erwachsenen einfach die unglaublichsten Supertaten vollbringt und dabei so taff herüber kommt, dass man gar nicht auf die Idee kommt, einen Kinderfilm zu schauen.
Ausnahmslos alle Erwachsenen werden im Film in ihren aus der Handlung geprägten Rollen überzeichnet, so wird Melissas Mutter auf ihre Mutterinstinkte reduziert, der Vater bleibt stets sachlich und ist nicht aus der Ruhe zu bringen. Die Polizei ist ein wenig langsam in ihren Schlussfolgerungen, arbeitet später aber überraschend entschlossen, auch wenn es darum geht, nicht immer das Richtige zu tun.

Dass der Film einfach überhaupt nicht langweilen will, mag daran liegen, dass gar nicht versucht wurde, alles zu ernst zu nehmen. Ich fand sogar die beiden Killer liebenswert, die einfach so natürlich wirkten, als wenn sie wie jeder andere auch ihrer Arbeit ganz selbstverständlich nachgehen. Sie verhielten sich eigentlich genauso wie ein einfacher Angestellter, der einen ganz normalen Arbeitstag hat, an dem so ziemlich alles schief läuft. Über deren lustige Bemerkungen, wenn z. B. die Leiche am Anfang einfach nicht sterben will, kann ich mich herrlich amüsieren.

Ich glaube auch, dass dies die Stärke des Holländers Dick Maas ist. Ohne viel Geld für Filme zur Verfügung zu haben, dreht er einfach Streifen, wie es aus amerikanischen Big-Budget-Produktionen bekannt ist, und wenn das Geld nicht für die gleiche Qualität ausreicht, macht er sich einfach selbst über diesen Makel beim Dreh lustig. Einfach alles nicht so ernst nehmen, stattdessen mehr auf liebenswürdige Charaktere achten und dabei durch Schockmomente die Spannung erzeugen. Dem Film ist es einfach anzumerken, dass er es gar nicht so genau nimmt. In welchen Krimis sonst bekommt man schon eine im Hintergrund vom Stuhl kippende Stripteasetänzerin zu Gesicht, die mit der Story oder auch der jeweiligen Situation ansonsten so gar nichts zu tun hat? Köstlich ist auch die Parodie von Marilyn Manson, der die wohlgemerkt erst zehnjährige Melissa auch gleich vernaschen will. Zugegeben: so ein Humor muss einem schon liegen.
Aber gerade diese Kleinigkeiten heben den Film einfach aus der Masse positiv heraus, und darauf lohnt es sich auch zu achten. Es gibt viele kleine Überraschungen bzw. Absonderlichkeiten, die einfach originell sind (z. B. kreative Totschlagmethoden, überraschende Konfrontationen, ungewöhnliche Ausweichmanöver sowie ein spontan verrückter Schusswechsel in einem Bordell).

Wenn man den Film also nur als Krimi betrachtet, würde ich ihn nie so positiv beurteilen. Als schwarzhumorige Komödie jedoch ist er genial (zumindest aus einem ganz bestimmten Geschmackswinkel).

Ich weiß also nicht, ob ich mich dafür schämen muss, aber ich freue mich über 95 Minuten Dauerlächeln und gebe trotz der vielen Drehbuchschwächen (die ja eh wahrscheinlich mit Absicht nicht korrigiert wurden) und des geringen Budgets (welches leider nicht kaschiert werden konnte) für den Spaß immer noch 9 / 10.


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