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Do Not Disturb (1999)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 14.03.2007, seitdem 404 Mal gelesen


Bevor Dick Maas in Hollywood „Down“ drehte, fabrizierte er in seiner niederländischen Heimat noch „Do Not Disturb“; diesen aber bereits mit US-Stars.
Walter (William Hurt) und Cathryn Richmond (Jennifer Tilly) fliegen mitsamt der 10jährigen, stummen Tochter Melissa (Francesca Brown) nach Amsterdam, da Walter, Vertreter eines Pharmakonzerns, dort einen Deal über die Bühne bringen will. Cathryn hat wahnsinnige Vorurteile Amsterdam gegenüber, glaubt, dass dort alles kriminell ist, womit sich „Do Not Disturb“ ganz amüsant über Klischeevorstellungen der Amis Europa gegenüber lustig macht – leider ist der sonstige Humor des Films nicht so gelungen.
Dort angekommen verirrt sich Melissa im Hotel, gerät in eine Seitenstraße und beobachtet einen Mord, worauf der Killer und sein Auftraggeber sie verfolgen, doch das Mädchen entkommt. Vorerst...

Bei dem Namen Dick Maas muss man direkt an seinen gelungen Thriller „Verfluchtes Amsterdam“ denken, doch an diesen kann „Do Not Disturb“ qualitativ nicht anschließen. Dabei sind die Grundvoraussetzungen gut, der Film spielt in einer einzigen Nacht und bietet Raum für reichlich Bedrohung für die Tochter der Richmonds. Dadurch, dass Melissa eine lebhafte Phantasie hat und diese auslebt, glaubt man ihr auch nicht so richtig, was die Situation noch weiter verschärft, getreu dem alten Motto: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht.“
Leider macht das Script wenig aus der Prämisse und zerfasert in drei größere Teile: Mord plus Wegrennen, danach ein ausgiebiges Katz-und-Maus-Spiel von Killer und Kind im Hotel sowie schlussendlich ein actionreicher Showdown. Große Überraschungen gibt es nicht, man ahnt von Anfang an, dass der Auftraggeber ein Geschäftspartner Walters ist (ebenso wie das Opfer). In den einzelnen Hatzszenen kann „Do Not Disturb“ dann immer mal wieder Spannung aufbauen, doch das Kind nervt bald, da es zu einer Art Superblag stilisiert wird: Melissa ist einfallsreich wie MacGyver, kraxelt durch Fahrstuhlschächte wie McClane und kann kräftig genug treten, um einen Erwachsenen zu Boden zu kriegen.
Ebenfalls störend bei den an sich recht spannend gemachten Verfolgungsjagden ist der Humor. Die Szene mit der Prostituierten und der Desert Eagle ist noch ganz lustig, ebenso der Musiker Billy Boy Manson, früheres Mitglied der Manson Five und augenscheinlich pädophil (na, welche beiden Künstler werden da wohl verarscht?). Die restlichen Gags wirken aber aufgesetzt, gerade Running Gag mit der nur gelegentlich funktionieren Pistole nervt (zumal sie immer im dramaturgisch richtigen Moment nicht funktioniert). Oft zerstört der Humor auch die düstere Stimmung oder das Gefühl von Bedrohlichkeit, vor allem wenn der Killer zur Witzfigur degradiert wird.

Dabei zeigt sich aber immer wieder das Können, das Maas schon in „Verfluchtes Amsterdam“ an den Tag legte. Hetzt der Killer das Kind durch die Metropole, dann geht es natürlich auch durch die Grachten, mit einem Verbündeten kraucht man durch Abwasserkanäle, was der ersten Hatz Flair verleiht. Auch was Action angeht, zeigt Maas wieder ein sicheres Händchen, gerade bei der famosen Verfolgungsjagd, die den Showdown darstellt und die einige nette Stunts bietet. Zwar muss man sich hier von dem letzten Rest Glaubwürdigkeit verabschieden, wenn der brave Familienpapi mit wagemutigsten Manövern auf einem fahrenden Krankenwagen herumturnt, aber die Arbeit der Stuntmen und Stuntfahrer ist klasse.
William Hurt als Familienvater macht einen guten Job und spielt seine Rolle ordentlich, wird aber von Jennifer Tilly übertroffen, welche die leicht hysterische Ehefrau glänzend verkörpert. Francesca nervt etwas, aber das kann auch an der Rolle liegen, Michael Chiklis geht in Ordnung, aber zeigt bei weitem keine Höchstleistung (gerade im Vergleich zu seiner späteren Performance in der TV-Serie „The Shield“).

„Do Not Disturb“ hat Potential, doch Dick Maas verschenkt vieles davon durch deplazierten Humor und das Fehlen eines durchgängigen Spannungsbogen. Die einzelnen Verfolgungsszenen können zwar teilweise packen, Action wie Inszenierung stimmen, doch insgesamt ist „Do Not Disturb“ nur Mittelmaß.


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