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Invasion U.S.A. (1985)
Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 15.04.2005, seitdem 1927 Mal gelesen
Auch „Invasion U.S.A.” beweist, dass das bärtige Prügel-Ass Chuck Norris („An Eye for an Eye“, „Hellbound“) zweifellos seine beste Zeit unter den Fittichen von Yoram Globus und Menahem Golan hatte. Ihr Cannon-Studio verantwortet nicht nur die „Missing in Action“ – Trilogie, sondern auch die beiden „Delta Force“ – Titel, sowie den hier besprochenen „Invasion U.S.A.“. Für Norris nach „Missing in Action“ zweiten Cannon-Film stand dann auch gleich die Creme de la Creme der einstmals erfolgreichen Actionschmiede bereit. Zusammen mit Bruder Aaron (u.a. Regie bei „Braddock: Missing in Action III“ und „Delta Force 2: The Colombian Connection“), der hier gleichzeitig als Stuntkoordinator tätig war und Schreiberling James Gruner („Missing in Action“, „The Delta Force“) schrieb er sich hier ein Skript auf den Leib, das sich wohltuend vom Actioneinerlei der Achtziger abhebt. Den patriotischen, etwas zu dick auftragenden Score lieferte Jay Chattaway („Missing in Action“, „Braddock: Missing in Action III“), hinter der Kamera nahm Norris Fachkraft João Fernandes (filmte ihn in ganzen neun Filmen) und obendrauf gab sich hier noch Joseph Zito („Missing in Action“, „Red Scorpion“) die Ehre. Schade, dass der talentierte Regisseur es nur auf so wenige Filme gebracht hat.
Ganze ohne ist „Invasion U.S.A.“ in der Tat nicht. An den Patriotismus hat man sich bei Cannon-Produktionen ja gewöhnt, doch was Zito hier kredenzt toppt so einiges.
Kubanische Terroristen beschließen Amerika zu infiltrieren und es ins Chaos zu stürzen, verkleiden sich als Polizisten, ziehen Schneisen der Zerstörungen durch Vororte und geben sich bedeckt, so dass zunächst niemand überhaupt auf den Trichter kommt, was hier eigentlich vor sich geht und sogar die Nationalgarde anrückt, um einen sich anbahnenden Bürgerkrieg zu verhindern.
Man beauftragt den in den Sümpfen lebenden und nun Krokodile fangenden Ex-C.I.A.ler Matt Hunter (Norris) Licht ins Dunkel zu bringen. Als ihn ein Killerkommando einen Besuch abstattet ahnt der schnell, wer hier für Unruhe sorgt: sein alter Erzfeind Mikhail Rostov (Richard Lynch, „Lockdown“, „Alligator II: The Mutation“). Also zieht er los, um dessen Treiben ein Ende zu bereiten. Natürlich makaber, diese Invasion an Weihnachten stattfinden zu lassen.
„Invasion U.S.A.“ wurzelt voll und ganz in den Achtzigern, ist herrlich patriotisch, reaktionär, politisch in vollem Umfang inkorrekt und heute so was von überholt, dass er gleich noch mal soviel Spaß macht. Ähnlich wie ein Wein, der erst im Laufe der Jahre reift.
Der Plot selbst offenbart derbe Lücken, vor allem der Anfang um das aufgebrachte Flüchtlingsboot und die Ermordung von Dealer Billy Drago passt so gar nicht zum Rest des Films. Rostov selbst zerbimst zwar komplett Hunters Behausung, macht sich aber nicht einmal die Mühe nachzugucken, ob er auch tot ist. Die hier immer wieder im Verlauf des Films an der Seite von Hunter anzutreffende, neugierige Reporterin McGuire (Ex-Schönheitskönigin Melissa Prophet) taucht mal auf, ist dann wieder verschwunden, wird als Köder eingesetzt und verschwindet wieder völlig von der Bildfläche – ist einfach nur da, weil man damals nun mal so eine Frauenfigur in solchen Filmen unterzubringen hatte.
Die Krönung ist hier aber Chuck Norris selbst. Man kennt ihn ja als schweigsamen Kämpfer für das Gute, aber hier toppt er alles und irgendwie fällt es da auch schon schwer Sympathien für den eigentlichen Helden des Films zu entwickeln. Sich einen Dreck um Gesetze kümmernd, jagt er durch die Nacht und legt alles um, was sich ihm in den Weg stellt und zwar rigoros und ohne Rücksicht auf Verluste. Hunter will keine Gefangenen machen und sie meist nicht mal ausquetschen, er will sie einfach nur töten – selbstverständlich mit einem trockenen Oneliner auf den Lippen. Und das tut er gnadenlos, ohne mit der Wimper zu zucken, ohne Skrupel, ohne Gewissen – einfach eiskalt. Er taucht überall auf, wo er gerade gebraucht wird, erledigt die Terroristen und zieht weiter. Besonders die finale Aufräumaktion durch diverse Bürobauten sei dabei als Highlight genannt: Wumm, Terrorist tot, nächste Tür, wieder Terrorist tot, oder auch mal zwei. Seine Martial-Arts-Fähigkeiten braucht er hier so gut wie nie, verfügt er von zwei Uzis bis hin zum Raketenwerfer doch über ein stattliches Arsenal diverser Feuerwaffen.
Hinter „Invasion U.S.A.” schien etwas mehr Geld als für Cannon-Verhältnisse üblich zu stecken. Dicke Explosionen, Blechschäden und eine groß angelegte Mall-Zerstörungsorgie stehen auf dem Programm, eine ausufernde Verfolgungsjagd gibt es kompletthalber auch. Gipfeln tut die Angelegenheit aber in einem riesigen Showdown, der schon einem Kriegsschauplatz gleicht, als sich mitten in einer Großstadt die Terroristen ein Gefecht mit der Nationalgarde liefern. Von Hubschraubern bis zu Dutzenden von Panzern ist hier alles beteiligt. Zito, ganz Herr der Lage, liefert hier einige tolle Bilder (besonders die Luftaufnahmen sind klasse) ab.
Bei allem Actionbrimborium, das auch erst in Fahrt kommen muss, ärgern die vielen Logiklücken. Ich suche in solchen Produktionen nicht mit der Lupe danach, aber man möchte beispielsweise schon wissen, was da früher zwischen den beiden Erzfeinden lief, ob dieser „Lassen wir die USA im Chaos versinken“ – Plan wirklich alles war und warum Hunters Kontaktperson nicht einfach mal ein paar Informationen weitergibt. Da hätte man wesentlich schneller Herr der Lage werden können. Zumindest gibt es so aber einen groß angelegten Schlussshowdown.
Fazit:
Der Plot hat zwar so seine Lücken und Anschlussfehler, doch dafür steht „Invasion U.S.A.“ für alles, was die Cannon-Filme dieser Zeit ausgemacht haben. Chuck Norris, die personifizierte Selbstjustiz, richtet hier fast wie ein biblischer Rächer über Leben und Tod und tötet gnadenlos und ohne Vorwarnung. Immer wieder erfreulich, dass sich solche Produktionen damals ernst nahmen und auch ernst nehmen durften. Der unkonventionelle Plot, Zitos explosive Inszenierung und die harten Actionstandards der Achtziger erledigen den Rest. Wahrhaftig ein Produkt aus Norris Blütezeit.
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