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Funny Games (1997)

Eine Kritik von Mark L.
eingetragen am 14.05.2005, seitdem 337 Mal gelesen


Es war im Jahr 1997, ich kann mich noch daran erinnern. Ich sah das Plakat bei uns im Kino, war damals aber noch nicht volljährig und konnte mir den Film leider nicht ansehen. Ich gebe zu, als ich den Spruch las:"Seit Hannibal Lecter waren keine Killer mehr so grausam." habe ich erst geschmunzelt und mir gedacht:"Ein deutschsprachiger Film wird mit so einem großen Werk verglichen, naja, naja...". Typische Vorurteile eben, aber irgendwie hat es mich doch gereizt, auch, weil es nicht viele deutschsprachige Filme mit dem FSK-18-Siegel gibt. Also, auf das Video gewartet, und 1 von 4 Videotheken in meinem Kreis bekam den Film dann tatsächlich rein (und stellte ihn zu den indizierten in die 18er-Abteilung, bis ich den mal gefunden hatte...).

Der Film rettete meinen Glauben an das deutschsprachige Kino. Ich kenne wirklich keinen Film mit deutschen Akteuren, der eine solche Atmosphäre und Beklemmung bei mir ausgelöst hat. Um beim Vergleich mit den "schweigenden Lämmern" zu bleiben: diese Atmosphäre wird bei "Funny Games" wirklich dauerhaft gehalten, bei den meisten Hollywoodstreifen, wie bei den "Lämmern", ebbt sie zwischendurch ab und man bekommt eine Erholungspause. Aber hier nicht. Unerbärmlich hält die Kamera das Leiden der Familie und das grausige Treiben der Jungs für uns fest, und noch schlimmer: wir werden mit einbezogen, uns wird die Schuld zugewiesen, das alles passiert doch nur, weil wir es sehen wollen, weil wir den: Zitat:"...Unterhaltungsfaktor nicht vergessen dürfen."

Was hier Regie, Kamera und die hervorragenden Darsteller ohne große, teure und visuelle Effekte geschaffen haben, verdient echt Hochachtung. Ich bin nun im Besitz der französischen DVD und habe den Film auf ein paar Videoabenden präsentiert. Natürlich, wie erwartet, gab es verschiedentliche Reaktionen. Hier wird halt kein Mainstream-Popcorn-Kino geboten, das ist derbe Kost, die halt nicht schmecken soll und nur schwer verdaut werden kann. Wenn man sich darauf einlässt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Mainstream-Leute (ist nicht böse oder abwertend gemeint), die beim Film abschalten wollen oder jede Minute auf unsinnige Explosionen oder Effekte warten, mit dem Film nicht viel anfangen können. Die Leute, die neutral waren, und sich darauf eingelassen haben, hatten eine sehr unruhige Nacht vor sich. Einer hätte am liebsten vor Wut auf Arno Frisch in den Fernseher getreten.

Schade ist nur die extrem kitschige Szene mit der Fernbedienung, die die Atmosphäre gegen Ende stark einreisst. Zu realistisch war das Ganze bis dahin, und der recht kreative Einfall passt nicht wirklich in das so authentische Geschehen. Na ja, sei es drum. Trotzdem eine leider viel zu unbekannte Perle des deutschsprachigen Kinos, mehr Kritik als "unterhaltsamer" Thriller, der lange nachwirkt und tief melankolisch und nachdenklich macht. Wenn man sich darauf einlässt.


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