Eine Kritik von MäcFly (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 23.11.2003, seitdem 820 Mal gelesen
„Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ – ein typisch-britischer Filmtitel, der uns in aller Trockenheit ausschließlich den Tatbestand der Story offenbart, ohne den Anschein zu erwecken, dahinter stecke mehr. Das tut es aber glücklicherweise doch, sodass Mike Newell hier eine der gelungensten Export-Komödien Großbritanniens ever schuf, die ihrem Ruf mehr als gerecht wird.
Bereits die Struktur ist außergewöhnlich: Der Zuschauer wird zu vier Hochzeiten mitgenommen, bei denen sich mehrere Charaktere einer Clique der britischen „High Society“ immer wieder über den Weg laufen und dabei ihre ganz eigenen Liebesgeschichten und persönlichen Tragödien erleben, bis jeder von ihnen am Ende zu seiner eigenen Erkenntnis über das Leben und eines seiner wichtigsten Institutionen, die Ehe, kommt.
Bis dahin zieht jedoch einige Zeit ins Land, im Film knapp über ein Jahr, für den Zuschauer vergeht die Zeit wie im Flug.
Es ist äußerst bemerkenswert, wie Mike Newell es geschafft hat, trotz des episodenhaften Aufzugs den Figuren derart viel Lebensnähe und Tiefe einzuhauchen, ohne dabei zu geschwätzig oder gar langweilig zu werden. Man fiebert hier mit jedem Protagonisten mit, erlebt alle Höhen und Tiefen und hofft, dass am Ende doch jeder zu seinem eigenen Glück findet, was ein herzenswarmer Schluss zulässt, der nicht kitschig, sondern voll von Hoffnung und Fröhlichkeit ist.
Für Hugh Grant bedeutete das den internationalen Durchbruch, aber gleichzeitig auch eine Einschränkung, was die Vielfalt seiner Rollen angeht, weil er fortan immer nur als liebenswertes, süßes, harmloses Bürschchen von nebenan gecastet wurde. In diesen Film allerdings passt er perfekt, neben „About a Boy“ die beste Leistung seiner Karriere.
Neben ihm bestechen zahlreiche Nebendarsteller, die ihren Figuren so viel Leben einhauchen, dass man sie über einen langen Zeitraum nicht vergisst, wie Andie MacDowell als sympathische und hübsche Amerikanerin, die leider verstorbene Charlotte Coleman als punkige Scarlett, Simon Callow als homosexuelle Frohnatur und, nicht zu vergessen, Rowan Atkinson in einer kleinen Rolle als verschusselter Pfarrer.
Dadurch, dass der Film sich nahezu nur auf hochzeiten abspielt und so etwas wie berufliche Tätigkeiten der Protagonisten vollkommen außer Acht lässt, ergibt sich ein in sich geschlossener Kosmos um die Liebe und die Ehe, durchweg unterhaltsam und genügend Raum zur Selbstreflexion lassend. Für alle, die das zu schätzen wissen, uneingeschränkt empfehlenswert.
Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.