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Jericho Mansions (2003)

Eine Kritik von Maichklang (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 18.06.2009, seitdem 567 Mal gelesen


Jericho, die tiefstgelegene Stadt der Welt, vielleicht auch die älteste, - nach dieser ist das Gebäude benannt, in dem sich alles um einen Hausmeister ohne Vergangenheit und die Mordfrage dreht, wer Bill gekillt hat.
Daraus wäre fast ein Standard-Thriller geworden, wenn ihn nicht ein paar außergewöhnliche Kniffe über den Durchschnitt hieven würden.

Dazu gehört natürlich unter anderem James Caan, der die Hauptrolle des Hausmeisters Leonard bekleidet. Seit dreißig Jahren kümmert er sich um alle Angelegenheiten im Haus, bastelt eine Brücke aus Büroklammern, leidet jedoch unter zwei Gegebenheiten: Er leidet unter partieller Amnesie und Agoraphobie (traut sich nicht aus dem Gebäude).
Als ein Bewohner des Hauses mit einem Hammer erschlagen wird, ist Leonard zusehends unsicherer, ob nicht er der Täter ist, für den ihn einige im Haus halten…

Was direkt auffällt, ist der Schwung der hinter der Kamera waltet. Gleich zu Beginn eine imaginäre Fahrt in die Tiefen der Rohre und Leitungen des Gebäudes, später zahlreiche Schwenks und ungewöhnliche Perspektiven und immer wieder die deutlichen Bemühungen, mit speziellem Editing eine markante Note zu kreieren. Das gelingt, gerät aber fast schon zur übertriebenen Spielerei.
Demgegenüber sind dem Drehbuch deutliche Mängel anzukreiden.

Zwar wirken sämtliche Bewohner des Hauses ein wenig durchgeknallt, da von der fiesen Vermieterin, einer Fixerin, einem Fremdgeher, einem Pudel-Maler und einer Masseuse eine Menge bunter Figuren mitmischen, doch bis auf wenige Momente Augenzwinkern tragen die meisten nicht zur Aufklärung des Mordfalles bei.
Das hingegen steht einzig und allein der Hauptfigur zu, nur kommt diese, auch bedingt durchs Alter und der beiden Gebrächen, oft nicht in die Gänge.

Etwas verwirrend gestalten sich einige Flashbacks, die Puzzleteile einer westernähnlichen Situation wiedergeben, dazu werden einige Visionen Leonards illustriert und der leicht humorige Versuch unternommen, ihn in eine scheinbar einseitig verlaufende Liebschaft einzubinden. Der Mann erscheint zwar durch und durch sympathisch, man ahnt aber früh, was ihm in seiner Vergangenheit widerfahren sein könnte, was die Spannung des Showdowns ein wenig schmälert.

Ansonsten wird betont ruhig erzählt, nur ab und an durchbrechen Hammerschläge auf den Kopf des Opfers (teils per CGI) die Stille und ein paar unpassend eingebaute Szenen (wie das singende Telegramm eines Trios) wirken ein wenig deplatziert, wie eine nicht dazugehörige Idee, die aber unbedingt rein sollte.
Letztlich stellt sich also die Frage, ob man Leonard manipuliert hat, er vielleicht schlafwandelt oder gar er das Opfer des Anschlags werden sollte.
Am Ende klären sich auch das Western-Puzzle und die Frage, was in diesen Sequenzen der blutverschmierte Mann will.

So kann dieser ruhige Thriller zwar mit keiner sonderlich pointierten Story aufwarten, da markante Höhepunkte ausbleiben und ab und an kleinere Längen entstehen, jedoch mit grundsoliden Mimen wie Caan oder Jennifer Tilly auftrumpfen, die zu jeder Zeit mit Spielfreude bei der Sache sind.
Ein paar visuelle Schnörkel heben das Niveau ebenfalls ein wenig an und wer sich über eine simple Mordfrage hinaus gerne mit psychotisch veranlagten Hauptfiguren beschäftigt, könnte einen Blick riskieren.
6 von 10


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