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Ding aus einer anderen Welt, Das (1951)
Eine Kritik von Fastmachine (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 11.02.2005, seitdem 879 Mal gelesen
So hat man im Jahr 1951 Leute erschreckt:
Irgendwo in der Eiswüste der Arktis, in der Nähe einer amerikanischen Polarstation, geht ein unbekannter Flugkörper nieder. Die Forscher rufen Unterstützung von der Armee herbei, um der Sache auf den Grund zu gehen. Der Erkundungstrupp macht eine sensationelle Entdeckung: Es handelt sich um ein Raumschiff aus einer anderen Welt. Bei den Bergungsarbeiten wird das Raumschiff zerstört, doch eines der fremden Wesen liegt eingefroren im Eis und kann samt Eisblock geborgen und in die Station gebracht werden. Dann verschlechtert sich das Wetter. Die Station ist durch einen Schneesturm tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. Niemand kann der Besatzung beistehen, als das Monster erwacht.
Über fünfzig Jahre später mag man in Sachen Aliens viel abgebrühter sein, so dass man die Faszination, die von dem Thema und der Realisierung auf das damalige Publikum ausging, heute wohl nur noch im historischen Rückblick nachvollziehen kann. Wer hier schon abwinkt oder ein nostalgisches Trashmonster Marke Godzilla erwartet, liegt trotzdem falsch. Unter den sehr vielen klischeehaften Science-Fiction Filmen, die heute hauptsächlich durch ihr bizarres B-Film Ambiente im Nostalgiegewand unterhalten, ist ausgerechnet dieser sehr frühe Film (1951) einer der handwerklich solidesten. Dies mag daran liegen, dass mit Produzent Howard Hawks ein erstklassiger Mann für Qualität bürgte. Man sollte aber deswegen keine Hollywood Großproduktion erwarten. Das Budget für derartige Genrefilme war in den 50er Jahren meist sehr begrenzt. Durch die geschickte Beschränkung auf den Handlungsort Polarstation konnten die Gelder für aufwändige Außenaufnahmen gespart werden, ohne damit die Glaubwürdigkeit und Stimmigkeit durch billige Kulissen zu gefährden.
Der Film startet mit einer längeren Einführung der einzelnen Hauptcharaktere und baut langsam die unheimliche Atmosphäre auf. Erst als sich der Alien aus seinem Eisblock befreien kann, zieht das Tempo an und einige Actionszenen sorgen für Spannung.
Zunächst wird das Monster noch unterschätzt, doch als zwei Wissenschaftler grausig sterben, erkennt man das wahre Ausmaß der Gefahr: Der Alien ernährt sich von Blut und ist außerordentlich intelligent. Zudem ist er fähig, sich in großer Zahl zu vermehren, womit die ganze Welt in katastrophaler Weise bedroht ist.
Wer auf Splattereffekte hofft, wie sie John Carpenters 1981er Remake so üppig bietet, wird enttäuscht sein. Zwar gibt es eine Splatterszene im Film, doch die wird nicht gezeigt. Sie wird dem Zuschauer nur in der Rückschau aus den Gesprächen der Überlebenden deutlich. Der Gruseleffekt wird allein durch die Phantasie ausgelöst.
Trotzdem verzichtet der Film nicht auf einige mit Spezialeffekten geladene Actionszenen. Immer wenn der wild wütende Alien in die Station einzudringen versucht, müssen sich die Menschen dem Abwehrkampf gegen einen Feind stellen, dem Kugeln nichts anhaben können. Auch wenn die Helden im wahrsten Sinne des Wortes nicht lange fackeln, scheint ein wirksames Mittel zur Bekämpfung des Alien nicht in Sicht. Teilweise wird mit der bloßen Axt in der Hand vorgegangen, später dann zu rabiateren Methoden gegriffen. Das ist alles, ebenso wie das „knisternde“ Finale, spannend und ohne Längen inszeniert. Die bedrückende Situation in den tunnelartigen Gängen der Polarstation, aus der es kein Entkommen gibt, verstärkt die gruselige Stimmung. Das Design des Monsters ist zwar ganz stimmig, aber doch sehr konventionell dem Typus Frankenstein angenähert und ruft heute selbstverständlich eher nostalgische Gefühle hervor. Seine Wirkung verdankt die Figur des Alien weniger ihrem Design, als ihrem wilden und bedrohlichen Auftreten.
Die schauspielerischen Leistungen sind ebenfalls für einen Genrefilm aus dieser Zeit in Ordnung, können aber an die wirklichen Spitzenfilme des Hollywoodkinos der 50er Jahre nicht heranreichen. Das mag daran liegen, dass die Rollen, trotz einiger interessanter Varianten, letztendlich doch sehr gradlinig angelegten Mustern folgen. Captain Patrick Hendry ist der Held der ganzen Geschichte und wird als standfest, aufrecht und entschlossen gezeichnet. Irgendwelche Untiefen hat dieser Charakter nicht. Sicher kann die Tändelei zwischen Captain Hendry und der Sekretärin Nikki eine nette Auflockerung bringen, doch mehr eben auch kaum. Es mag ja sein, dass die Figur der Sekretärin Nikki für damalige Verhältnisse recht unabhängig ist und nicht dem gängigen Muster (kreischend, anhänglich) entspricht. Doch wen lockt das heute hinterm Ofen hervor? Letztlich bleibt sie doch in einer eher passiven Nebenrolle. Ebenso der Wissenschaftler Dr.Carrington, den die fremdartige Lebensform so fasziniert, dass er die Sicherheit der Station gegenüber dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn vernachlässigt. Dankenswerterweise wird uns zwar kein durchgedrehter Professor aus dem Panoptikum der B-Filmhelden präsentiert- soweit, so gut -, nur entwickelt sich auch aus Carrington kaum mehr, weil er auf einen holzschnittartigen Charakterzug festgelegt bleibt. Letztlich wird seine Haltung zwar begründet, aber vor allem gegen Ende kaum je psychologisch glaubhaft gemacht. Die Helden sind alle Soldaten, die Probleme mutig anpacken und die mit offenen, sympathischen Charakterzügen dem Publikum leicht zugänglich sind, wobei zwischen ihnen ein lockerer und scherzhafter Umgangston herrscht. Glücklicherweise werden wir so von dem ganzen militärischen „Yes, Sir – No, Sir“ Armyjargon größtenteils verschont.
Die Schilderung von Menschen unter psychischen Extrembelastungen hat die Macher des Films nicht interessiert. Angst, Panik oder gar Verfolgungswahn ist bei keinem der Besatzungsmitglieder zu erkennen. Zwar ist das Monster dem einen oder anderen unheimlich, doch niemandem gehen länger die Nerven durch. Nie hat man während des ganzen Films den Eindruck, der Besatzung der Polarstation könnte die Situation entgleiten. Man hat zwar einige dramatische Szenen, aber zwischendurch wird ganz locker geplaudert und gescherzt.
Dies ist der vielleicht größte innere Unterschied zum 1981er Remake von John Carpenter. Dieser schürt Nerven zerfetzende Spannung durch die Ungewissheit, wer auf welcher Seite steht, während in der 1951er Version die Fronten stets klar sind: Dort ist das Monster, hier sind wir. Der äußere Feind muss bekämpft werden. Wer daran zweifelt oder die Sicherheit durch fragwürdige wissenschaftliche Experimente gefährdet, muss scheitern. Diese simple Moral liegt den ganzen Invasionsfilmen des Science-Fiction Kinos der 50er Jahre zu Grunde. Geschürt wird die Paranoia des gesunden Menschenverstandes, der Feind lauere irgendwo da draußen.
Fazit: Dieser Film gehört ganz unumstritten zu den Grundsteinen des SF- und Horrorkinos. Für ihn sprechen seine schöne und stimmige Ausstattung, sowie die gediegene Kameraarbeit. Angenehm unterscheidet er sich damit von vielen anderen, heute reichlich trashig und unfreiwillig komisch wirkenden SF-Filmen der 50er Jahre. Kompakt und spannend erzählt, lässt er Langeweile nicht aufkommen. Indes: Obwohl die Charaktere realistisch angelegt und gut unterschiedlich dargestellt sind, bleiben sie doch recht eindimensional. Reißerische Übertreibungen werden weitgehend vermieden, doch gibt es Abzüge für einige heute arg klischeehafte Handlungsmuster. Natürlich liegt etwas Patina auf dem Film, aber er ist trotzdem ansehbar. Solide 7/10 sind auch heute noch drin, aber die Stilisierung zu einem „Meisterwerk“ oder „Filmklassiker“ ist wohl nur in SF-Fankreisen vertretbar, ansonsten unangebracht.
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