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Matrix Revolutions (2003)
Eine Kritik von Ebert (Bewertung des Films: 3/10) eingetragen am 12.11.2003, seitdem 793 Mal gelesen
The Matrix Revolutions (3 von 10)
Vorsicht: Spoiler!
Teil drei der Saga gibt mehr Fragen als Antworten, und er kommt auch nicht an teil 2 heran. Ihm fehlt die Seele, und am Ende des Films hatte ich das Gefühl, Lebenszeit vertan zu haben. Woran liegt das?
Zum einen ist der Film voll gestopft mit pseudo-philosophischen Gelaber bis zum Abwinken. Alles ist hier wage, und die Schauspieler wissen selber nicht, was sie sagen sollen. So beginnt es schon, als Neo beim Orakel vorstellig wird. Das Orakel, eine alte Oma, die zigarettensüchtig ist, und eine nach der andere pafft, weiß eigentlich auch nichts, und hat allenfalls eine dunkle Vorahnung. Sätze wie: „Alles was ein Anfang hat, hat auch ein Ende“ werden in den Raum geworfen, und müssen alles retten. Dabei steht Keanu Reeves im Raum und weiß selber nicht, was er tun soll.
Der Film hat viele dieser Ungewissheiten, die für Spannung sorgen sollen. Auch die Szene, in der Neo beim Trainman aufwacht, dient als Aufhänger für dürftige Dialoge ohne Sinn und Verstand. Ernsthafte Ansätze der Auseinandersetzung mit philosophischen Themen (so die Unterhaltung Neos mit dem wartenden Vater und dessen Aussage, dass er als Programm Liebe anders definiere, also reine metatheoretische Ansätze) werden verfehlt.
Umso mehr wird dafür in Kampfszenen investiert, und zwar soviel, dass es einem schon bald keinen Spaß mehr macht. Szenen fliegender Raumschiffe, angreifender Maschinen, stählerner Kampfroboter (aus Aliens gemopst) sind zwar perfekt in Szene gesetzt, doch auch dieses Aufgebot an computeranimierten EFX wird bald lästig. Zudem wird dann noch unverhohlen ein Kriegspathos zur Schau gestellt (so z.B. als der 16 jährige Junge auch an der Verteidigung mitspielen will), dass es einem schlecht wird.
Außerdem bietet der Film keine Kung Fu Kampfszenen, die in Teil 2 reichlich, und in Teil 1 zur Revolutionierung des Sci-Fi-Genres beitrugen. Agent Smith darf am Anfang des Films dümmlich-dämonisch lachen, wird dann aber nur in der Showdown-Szene noch einmal voll vermarktet.
Und dieser Showdown gibt dem Film den Rest. In letzter Sekunde, Neo liegt schon am Boden und ist fertig, erscheint ein weißes Licht, und Agent Smith samt geklonten Stellvertretern löst sich in seine Bestandteile auf. Zuvor war Neo schon durch Smith „angepasst“ worden (billige EFX, die an die Effekte in T2 erinnert), doch plötzlich verzieht Smith seine Fresse, murmelt etwas von „Unfair“ und verfällt in ebendies weißes Licht. Die Lösung dieser peinlichen Szenen ist klar: Neo muss gewinnen, und wenn’s auch voll peinlich von Statten geht.
Ebenso peinlich ist Trinitys Sterbeszene, die wohl nicht mehr zu unterbieten ist. Gelaber, Gestöhne, ein Abschied wie in einem C-Movie. Obwohl in Teil 2 Neo Trinity schon mal die Kugel aus dem Körper holt (ist ja alles keine Realität), stirbt sie hier heroisch und labert selber noch etwas von „es muss hier enden“. Peinlich, peinlich.
Zum Schluss noch der 16er Freigabe-Gag: warum? Die einzige Szene, die ordentlich Gewalt enthält (aber vor allem schwachsinnige Dialoge für Deppen), ist der Besuch beim tuntigen Franzosen. Monica Belluci darf ein wenig ihre Brüste zeigen, der Franzose labert Stuss, und Trinity hat bald die Schnauze voll und ballert los. Die darauf folgenden Szenen (in denen Kahlköpfe durch die Luft wirbeln) ist eher zum Lachen. Die 16er Freigabe beruht also auf dem Schutz der FSK, uns vor hirntoten Dialogen zu bewahren.
Auch die Darsteller sind allesamt nicht gefordert. Vor allem Fishburne und Moss laufen nur dumm cool rum. Besonders Fishburne sieht aus wie ein Hamster auf Koks, und darf sein sorgenvolles Gesicht in die Kamera halten. Die ganze Szenerie schreit und förmlich entgegen: „Macht Schluss mit der Saga, aber nimm noch ordentlich ein“. Alles und jeder ist hier auf einem tiefen Niveau.
Was mit Matrix begann, wird hier ad adsurdum geführt: kein Inhalt, nur Action und pathosgeschwollene Bilder. Matrix Revolutions zeigt, dass der Druck, zum Ende zu kommen, einer Saga nicht gut tut.
Fazit: Der letzte Teil der Saga gibt mehr Rätsel auf, als er Lösungen und Erklärungen gibt. Geboten wird viel Action, viel Geballer, aber kein erstklassiges Kino wie in The Matrix, ein Film, der noch Ansprüche hatte. Pseudo-philosophisches Gelaber führt am Ende dazu, dass sich die Saga selbst zu Grabe trägt. Am Ende hat man das Gefühl, seine Lebenszeit mit einem durchschnittlichen Actionspektakel vertan zu haben.
Ich rate ab.
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