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Ganz plötzlich erinnere ich mich wieder an eine Diskussion über Trash, Camp und Kitsch. Wenn Terror Vision nämlich eins nicht ist, dann Müll, Abfall oder etwas anderes, was man mit dem Begriff Trash in Verbindung bringen müßte. Dabei treffen die Grundwerte, die man heute beim Anblick eines mit Charles Band in Verbindung gebrachten Vorspanns eher als Anlaß resignierenden Stöhnens nimmt, eigentlich auch hier zu. Der Aufwand ist verhältnismäßig gering, die Grundidee ist irgendwie verrückt.
Der feine Unterschied ist jedoch, daß Ted Nicolaou, der sowohl das Drehbuch beisteuerte, als auch Regie führte, es sich zur Tugend macht, mit seinen wenigen Mitteln eine gewollt überzeichnete Science-Fiction-/Horrorkomödie zu gestalten, die aus einer minimalen Geschichte das liebevolle Maximum an B-Filmunterhaltung zaubert und nebenbei E.T. - Der Außerirdische ein wenig auf die Schippe nimmt.

Vielleicht ist es Zufall, daß ebenfalls 1986 die erfolgreiche Sitcom Alf mit einem Außerirdischen Mitbewohner auftrumpfen konnte, doch diese Parallele ist in sofern nicht abwegig, daß sich Terror Vision innerhalb der Grenzen eines - allerdings unglaublich großen - Hauses abspielt und mit diesem Kammerspiel im Format nicht ganz unähnlich wirkt.
Hier sind es die Puttermans (mögliche Namensreferenz zu den Futtermans aus Gremlins), die sich einem ungeladenen Besucher zu stellen haben und der wird ausgerechnet direkt aus dem All über die brandneue Satellitenanlage in das Wohnzimmer gebeamt. Die von Kopf bis Zeh vor Overacting strotzenden Figuren, die Eltern von Gerrit Graham und Mary Woronov dargestellt, welche für ein Spartenpublikum durchaus bekannte Gesichter sind, geben das Bild einer seltsamen, aber vielleicht im Kern schonungslos realistischen Familie.

Der Opa lebt in einem Luftschutzbunker im Keller und hat sich dort ein Waffenarsenal eingerichtet. Seinen Enkel hat er prima ausgebildet. Zusammen essen sie Lizard Jerky (Trockenfleisch aus Echsen) auf der Couch, während über den Bildschirm Szenen aus Tumak, der Herr des Urwalds flimmern. Auch weiß Opa den pädagogischen Wert von Kriegs- und Horrorfilmen zu schätzen.
Überhaupt hat man es wohl mit dem Fünfzigerjahre B-Movies, gibt es doch auch Bilder aus Robot Monster und Angriff der Riesenkralle zu sehen. Genauso wie ein Alien mit Nietenarmband, welches die Erdlinge vor dem ausgebüchsten Grauen bewahren will, und diese bittet, die Fernseher für 200 Erdenjahre ausgeschaltet zu lassen. Leider wird dies mit einem japanischen Film verwechselt, in dem sich die Marsianer Frauen von der Erde entführen. (Nebenbei: Mars braucht Frauen ist ein amerikanischer Film.)
Die Tochter des Hauses ist die etwas punkigere Version von Cindi Lauper. Ihr Date OD ist ein etwas debil wirkender Metalmusiker mit Zottelperrücke und W.A.S.P. T-Shirt. Da die eigentlich spießig wirkenden Eltern aber selber noch vorhaben, am Abend ihre Sexualität auszuleben, gibt es keine lange Diskussion.

Dies gibt vielleicht einen ersten Eindruck des Bindemittels, mit dem Nicolaou den äußerst fragilen Kosmos von Terror Vision vor dem Kollaps bewahrt, geht es doch eigentlich nur um ein klopsiges Monster, welches in einen amerikanischen Haushalt eindringt. Nicht mal die Effekte der wenigen Morde drängen sich dabei in den Vordergrund.
Über die skurrilen Figuren kommt allerdings durch immer neue Pointen und einen relativ unerwarteten Paradigmenwechsel soviel Fahrt auf, daß der Film zu keinem Zeitpunkt richtig langweilig erscheint. Die künstliche, bunte Plastikatmosphäre kommt dem Gesamtbild eher noch zu Gute, so daß dieser kleine, unscheinbare Film sein Publikum mit einem eigenen Regelkonstrukt stets interessiert hält.

Der gern gemachte Fehler zu viel Informationen über technische Details preiszugeben wird hier glücklicherweise nicht begangen. Es wird gar nicht erst versucht, Erklärungen zu finden und dank der augenscheinlichen Phantasiewelt nimmt der Zuschauer die Umstände als gegeben hin.
Reichen die Figuren einmal nicht aus, so erfindet sich Ted Nicolaou einfach neue hinzu, um mit weiteren absurden Gags Treffer zu landen. Diese kommen über den gesamten Film verstreut vor, wie die großbusige Fernsehmoderatorin Medusa mit den Schlangenhaaren aus Gummi, oder tauchen urplötzlich auf, um einen unwichtig erscheinenden Nebenplot aufzugreifen und mit einem Lacher zu garnieren.
Weit kommt Terror Vision damit zwar nicht, bewegt sich im wesentlichen tatsächlich auf dem Niveau einer guten Fernseh-Sitcom zugeschnitten für ältere Jugendliche und jung gebliebene Erwachsene, doch im Rahmen seiner Möglichkeiten weiß der Film damit zu amüsieren.

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