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Tale of Two Sisters, A (2003)

Eine Kritik von wongfeihong (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 06.01.2006, seitdem 545 Mal gelesen


Dies ist kein Horrorfilm. Und noch einmal: Kein Horrorfilm!!! Nichts gegen eine gute Schlachterplatte. Auch die wirklich harte Schiene hat echte Meisterwerke hervorgebracht. Kim Ji-woons „A tale of two sisters“ ist ein reiner Gruselfilm. Im Grunde konventionell, ohne dem Genre wirklich etwas Neues hinzuzufügen. Wer also die harte Gangart wünscht: Finger weg. Sonst landen hier wieder Kritiken, die sich lieber auf Beschimpfungen von Fans beschränken. Das richtet sich an Herrn Ladewig: Mag sein, dass sich hier Fans austoben, die keine Eins in Rechtschreibung bekommen. Doch auch dann sollte man den Geschmack anderer nicht in den Dreck ziehen. Sonst kann man sofort die Retourkutsche fahren: „Der Exorzist und die Kindhexe“ mit 7 zu bewerten, Kims Gruselfilm dagegen mit einer 2, das ist schon ein Hammer. Aber ich mache Dir eine Freude: „A tale of two sisters“ ist ein perfeckdes maisterwerg.

Nach dem tragischen Tod ihrer Mutter kehren die Schwestern Soo-mi und Soo-yeon nach langem Aufenthalt in einer Heilanstalt wieder ins Landhaus ihres Vaters zurück. Der erwartet die beiden mit gemischten Gefühlen: Inzwischen hat er wieder geheiratet, und die jungen Frauen kommen nicht klar mit ihrer Stiefmutter Eun-joo. Im Gegenteil: Sie fürchten die kalt wirkende Frau. Die Angst steigt stetig. Vor allem weil sich nachts unheimliche Dinge im Haus abspielen. (Jeder weitere Hinweis auf die Geschichte würde zuviel zerstören.)

Klar, es gibt Leute, die halten „A tale of two sisters“ für Langeweile pur. Der Film verlangt seinem Zuschauer auch einiges ab. Sehr langsam, fast getragen beginnt die Geschichte, geredet wird wenig. Es sind die Geräusche, die beklemmende Atmosphäre in dem Landhaus. Und die sich ausreitende Angst vor dem, was einen erwartet. Dabei zieht Kim dermaßen langsam die Daumenschrauben an, dass man sich immer weiter in seinen Sessel verkriecht. Und wenn eine der Schwestern nachts in einer Ecke ihre Zimmers angestrengt auf einen merkwürdigen Gegenstand blickt, der sich nähert und entsetzlich langsam Konturen annimmt, wird es auch so manchem hart gesottenen Grusel(!)-Fan fast zuviel.

Der koreanische Gruselstreifen hat bei der Berlinale 2004 für Furore gesorgt, seitdem sammelt er immer größere Fanscharen um sich. Natürlich bedient er sich häufig der Stilmittel des japanischen Horrorfilms. Auch M. Night Shyamalan blickt hin und wieder durch. Doch hat sich Kim Ji-Woon in seiner Heimat längst einen Ruf als überaus talentierter Regisseur erarbeitet. Und das bei völlig unterschiedlichen Genrefilmen. „The quiet familiy“ ist ein gallige Satire voller schwarzem Humor, „The foul king“ eine (wirklich urkomische) Wrestling-Farce. In „A tale of two sisters“ outet sich der Koreaner als Ausstattungs-Freak. Jede Einstellung ist ein Gemälde. Der Düsternis kann sich der geneigte Zuschauer nicht entziehen. Wieder einmal der Beweis: Das Filmland der Stunde ist ohne Zweifel Südkorea.
10/10 (Und „Der Exorzist und die Kindhexe“ ist echter Mist!)


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