Eine Kritik von Der Pate (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 13.04.2006, seitdem 1021 Mal gelesen
Jede Familie hat ihr dunkles Geheimnis.
Die beiden Schwestern Su-mi und Su-yeon, die nach dem Tod ihrer Mutter in einer Heilanstalt untergebracht waren, werden an einem Sommertag von ihrem Vater abgeholt, der die Mädchen zu dem abgelegenen Elternhaus bringt, wo sie bereits von ihrer strengen Stiefmutter erwartet werden die die Mädchen bis aufs Blut zu hassen scheint. Schon in der ersten Nacht geschehen unheimliche Dinge. Flüsterstimmen aus dem Nichts sind zu hören, sie begegnen unheimliche Gestalten. und Türen, die sich von Geisterhand öffnen, bringen die Teenager dem Wahnsinn nahe. Es scheint, als hätten die beiden bei ihrer Ankunft etwas Böses mit nach Hause gebracht.
Mit "The Quiet Family" und "The Foul King" ist Kim Ji-Woon zu einem der wichtigsten koreanischen Regisseure geworden. Mit seinem schaurig schönen "A Tale of Two Sisters", der den ironischen Realismus seiner ersten beiden Filme verließ und in eine phantastische Welt eintaucht, inszenierte der Regisseur ein psychologisch dichtes, ja absolut perfektes Grusel-Drama mit abrupter Kehrtwendung zum Horrorschocker. Denn der Streifen baut eine dermaßen große Spannung auf, dass beim Zuschauer eiskalt die Schauer über dem Rücken runter läuft und Gänsehaut garantiert ist. Denn man weiß nicht wann der nächste Schockmoment auftauchen könnte und man dann plötzlich in sich zusammenzuckt. Die Atmosphäre in dem abgelegenen Elternhaus ist der pure Wahnsinn und bei den unheimlichen Gestalten kann man schon denken dass diese teils aus Hideo Nakatas "The Ring" entfleucht sein könnten. Und neben den authentischen und hervorragenden Darstellern, die jede einzelne Szene mit Leben füllen (vor allem Lim-Su-jeong und Mun Geun-yeong als die beiden Schwestern), sind zudem noch die anderen großen Stärken des eher ungewöhnlichen Films seine verspielten Kamerafahrten, und wie ich oben schon erwähnt habe, die zahlreichen Überraschungsmomente und Schockeffekte, die den Zuschauer, der glaubt, endlich die Geschichte verstanden zu haben, mit einem Paukenschlag wieder vom Gegenteil überzeugt.
Grusel pur, eine unheimlich bedrückende Atmosphäre, und eine Story die immer wieder einen Hacken schlägt und man kaum was über die Protagonisten erfährt, da man sich alles selbst zusammenreimen muss. "A Tale of Two Sisters" (der Originaltitel heißt "Jangwha, Hongryeon") ist eine grandiose Psycho-Fabel mit atemberaubenden Auflösungen und tragischen Verwicklungen. Manch einem kann das zuviel sein und er steigt geistig aus, findet alles hoffnungslos, verwirrend und undurchschaubar, und immer wieder setzt der Regisseur Kim Ji-Woon in seinem hochästhetischen Horrormärchen noch eins oben drauf und treibt den Zuschauer fast schon in den Wahnsinn, bis zum alles erschütternden Ende. Es gibt viele gute bis grandiose Horrorstreifen, doch man sollte diesen Film jedoch nicht mit Streifen wie z.B. "The Hills Have Eyes" vergleichen, da er in eine ganze andere Richtung tendiert, sondern schon eher mit so anderen Grusel-Vorgängern wie "The Ring" oder "The Grudge", und aus dieser Hinsicht übertrifft sie für mich "A Tale of Two Sisters" in seiner ruhigen und verstörenden Machart alle. Ein faszinierendes Horror-Meisterstück!
Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.