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Tale of Two Sisters, A (2003)

Eine Kritik von shaoshi (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 05.01.2008, seitdem 237 Mal gelesen


Mit seinem preisgekrönten A Tale Of Two Sisters liefert Regisseur Kim Jee-Woon einen wirklich gelungenen Beitrag zum Genre koreanischer Horror ab. Nicht nur die Geschichte und die düstere Atmosphäre sind stimmig, auch was dem Zuschauer optisch geboten wird, ist hier allererster Klasse. Dabei klingt die Handlung an sich zunächst gar nicht einmal so besonders.

Su-Mi und ihre kleine Schwester Su-Yeon ziehen nach einem langen Aufenthalt in der Nervenklinik endlich zurück in Vaters Villa am See. Mit der verhassten Stiefmutter kommen die Schwestern nicht klar. Während sich die jüngere völlig apathisch zurückzieht, zeigt Su-Mi ihre Feindseligkeit ganz offensichtlich und eckt damit natürlich an. Den Tod ihrer leiblichen Mutter hat Su-Mi nie überwunden. Doch Korea wäre nicht Korea, wenn die verstorbene Mutter nicht in Form eines Geistes dabei helfen würde, für Gerechtigkeit zu kämpfen. Bald schon gehen in der Villa deshalb merkwürdige Dinge vor sich. Doch inwiefern ist der Geist der Mutter tatsächlich in die Geschehnisse involviert? Welche Rolle spielt dabei die böse Stiefmutter? Und welche dunklen Geheimnisse verbergen eigentlich die beiden Schwestern vor dem Zuschauer?

A Tale Of Two Sisters versprüht trotz wunderschöner Bilder eine durchgängig düstere Atmosphäre, die einen schon darauf hinweisen mag, dass der Film in einem blutigen Finale gipfeln wird. Die Geistergeschichte bleibt dabei fast ein wenig im Hintergrund, denn die Mädchen und die grausame Stiefmutter vermögen es schon ganz allein, dem Film eine dunkle Grundstimmung zu verleihen. Dabei spult sich der Plot erst nach und nach ab. So wird der Zuschauer erst im Laufe des Films erfahren, was es mit dem Schrank in Su-Yeons Zimmer auf sich hat, aus welchem Grund genau Su-Mi als geistig krank in die Nervenklinik abgeschoben wurde und wie ihre Mutter tatsächlich ums Leben kam. Vor allem aber das Schicksal der jüngeren Schwester Su-Yeon sorgt für einen Überraschungs- und Aha-Effekt. Allerdings sollte man dem Film von vornherein einiges an Aufmerksamkeit schenken, um diese Überraschung als logisch betrachten zu können.

Was als spannendes düsteres Familienmelodram beginnt, in das zunächst eher harmlose Geistereffekte eingestreut werden, wird zwar nie zum reinrassigen Horror, kann aber bald schon mit mehr Gruseleffekten, intelligenten Überraschungen und hin und wieder mal einem kleinen Schockmoment aufwarten. Die Sympathien des Zuschauers liegen hier ganz klar bei den beiden Schwestern, wenn einem Su-Mi mit ihrer Entschlossenheit, ihrem Hass auf die Stiefmutter und ihrem Trotz auch schon mal unheimlich werden kann.

Stellenweise wirkt A Tale Of Two Sisters ein wenig konfus, aber darüber können die wunderbaren Bilder, die mit künstlerischen Bildkompositionen und tollen Farben aufwarten, gut hinwegtrösten. Selbst blutige und brutale Szenen wirken hier immer noch wie ein künstlerisches Gesamtwerk.

A Tale Of Two Sisters ist ein Film vor allem fürs Auge, aber auch für den Kopf und nicht zuletzt, bis zu einem gewissen Grad, fürs Herz. So wunderschön wie die Bilder daherkommen, so ruhig wie der Film streckenweise erzählt wird, so blutig es manchmal auch werden kann—unter der blank polierten Gruseloberfläche wabert stille Melancholie, die den sensiblen Zuschauer gefangen hält und A Tale Of Two Sisters zu einem kleinen Meisterwerk macht. Der Film geht tiefer als so mancher effekthaschende Horrorthriller und zeigt uns auf wunderschöne Weise das herzzerreißende Schicksal eines jungen Mädchens, das niemals loslassen möchte.


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