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Oldboy (2003)

Eine Kritik von ChristianLadewig (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 26.06.2005, seitdem 581 Mal gelesen


Nachdem das Hollywood der größeren Budgets seit zehn Jahren beim asiatischen Film klaut dass die Heide weint, ist dem südkoreanischen Regisseur CHAN-WOOK PARK mit seinem OLD BOY nun der Brückenschlag zwischen Multiplex und Fünfzig-Platz-Off-Kino gelungen.
Bei den eingeschworen Fans hat der koreanische Film allgemein, nach jahreszeitlich wechselnden kultischen Verehrungen, erst dem Hongkong-chinesischen und dann dem japanischen Kino inzwischen den Rang abgelaufen. Aber erst die Heiligsprechung durch den Papst des filmischen Diebstahls, QUENTIN TARANTINO, der OLDBOY als Juryleiter der Filmfestspiele von Cannes eine edelmetallische Palme verlieh – maßgeblich, um sich nach KILL BILL zum - mindestens - Neu-Erfinder des „Eastern“, um einen weitgefächerten Begriff zu gebrauchen, hoch, aber ganz hoch stilisieren zu können, hat den Film ins Publikumsinteresse bugsiert. Der schlechte Scherz mit Palme und Wedeln wird and dieser Stelle nur gedacht, nicht ausgesprochen.
Aber für all das kann ja der Film als solcher nichts.
Wir lernen den Büroangestellten Oh Dae-su am Abend des Geburtstags seiner kleinen Tochter als betrunkenen Widerling kennen, der reichlich unsympathisch durch die Neonalleen der Metropole pöbelt. Schnitt. Dae-su sitzt in einer kleinen Wohnung. Er ist eingesperrt, weiß nicht von wem und warum. Der Fernseher, das Fenster nach draußen läuft. Immer. Der Gefangene bekämpft den langsam auf ihn herabsinkenden Wahnsinn mit Kampfübungen. Faustschläge und Kniestöße gegen den fiktiven Gegner an der Wand – hinter der Wand. Strichtätowierungen der abgesessenen Jahre und Selbstmordversuche folgen. Regelmäßig lassen die Wärter Lachgas in sein Gefängnis, zerren ihn in die Gehirnwäschebehandlung durch eine Hypnotiseurin. Nach fünfzehn Jahren erfährt Dae-su durchs Fernsehen, dass er Hauptverdächtiger im Mordfall an seiner Frau gilt und man entlässt ihn in die Freiheit. Offenbar nur um den ohnehin schon jenseits von Gut und Böse dahinmäandernden Mann durch Überwachung und Kontaktaufnahme endgültig von der Klippe zu stoßen. Aber warum? Gemeinsam mit der Angestellten einer Sushibar und einem Freund aus Schulzeiten macht er sich auf, erst den Ort seines Gefängnisses und dann über die Wärter den Auftraggeber und die Gründe seiner Gefangenschaft zu finden.
Ganz detailfrei gesagt, ist die Auflösung – die, hält der Zuschauer die Augen offen, schon relativ früh an sein Hirnkästchen klopft - Käse und die Endsequenz schlicht und ergreifend ein Ärgernis. Die Spielzeit bringt ihre Längen mit sich. Trotzdem ist OLD BOY kein schlechter Film. CHAN-WOOK PARK gelingt das Kunststück, die artifizielle Atmosphäre des Films zu halten und hat mit MIN-SIK CHOI in der Hauptrolle einen echten Glücksgriff getan. Seine manische Performance trägt den Film bereits allein und spielt den Rest der soliden Besetzung gnadenlos an die Wand. Man kann allen Beteiligten des Films nur wünschen, dass ihnen ein Hollywood-Remake, wahrscheinlich mit einem Knallchargen der Kategorie MATT DAMON, erspart bleibt.
Einige negative Notizen: Die allerorten vielzitierte Hammer-Szene verliert ihre vermeintliche Durchschlagskraft (im wahrsten Sinne des Wortes) durch die maßlos unpassende Unterlegung mit klassischer Musik, die sie fest in die tödliche Umklammerung des Kunstfilms presst und bei der die allzu unbedarft ins Feld geführte Argumentation des Stilmittels emotionaler und sehgewohnheitlicher Verfremdung bloß von verzweifelt-erschütternder Unwissenheit auf Seiten der respektiven Rezensenten spricht sowie die ebenso oft genannte Tintenfischsequenz dürfte selbst bei Nicht-Vegetariern Mitleid mit dem armen Vieh und nicht dem Protagonisten aufkommen lassen. Nun, die Sehgewohnheiten wird der Film bei Menschen mit mehr als drei Stunden Filmerfahrung beim Besten Willen nicht umkrempeln können. Ganz nebenbei schleicht sich der Verdacht ein, dass der Film eigentlich hätte MONSTER heißen sollen und seinen Namen wegen des Oscar-gekrönten CHARLIZE THERON-Vehikels nur als Alternative trägt.
Als Hauptkritikpunkt muss sich OLD BOY aber gefallen lassen, dass er es ohne die Lorbeeren, die ihm TARANTINO aus Gründen der brutalen Selbstbeweihräucherung verliehen hat zumindest was die Einspielergebnisse betrifft, nicht einmal halb so weit geschafft hätte. Das ist aus vielen Gründen schade.


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