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Oldboy (2003)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 3/10) eingetragen am 06.03.2006, seitdem 1537 Mal gelesen
Komplett innovativ ist „Olboy“ nicht, doch ungewöhnlich und anders ist er schon. Doch auch ungewöhnlich und anders kann manchmal richtig scheiße sein.
1988: Der Geschäftsmann Oh Dae-Su (Choi Min-sik) ist auf dem Weg zum Kindergeburtstag seiner Tochter, ist etwas angetrunken – und wird aus heiterem Himmel entführt. Er wird in einem Raum mit lediglich einem Fernseher als Kontakt zur Außenwelt eingesperrt, regelmäßig mit Gas betäubt und hypnotisiert. Er sinnt auf Rache, trainiert seinen Körper, bereitet seine Flucht vor – als man ihn nach 15 Jahren in die Freiheit entlässt. Inzwischen hat sich Oh Dae-Su nicht nur geistig, sondern auch körperlich verändert (die Haare auf seinem Kopf sehen z.B. nicht mehr nach Frisur, sondern nach Flokati aus).
Außerdem ließen die unbekannten Entführer seine Frau ermorden und stellten ihn als den Täter war, wie Oh Dae-Su aus dem Fernsehen weiß. Getrieben vom Gedanken an Rache macht er sich auf die Suche nach den Kidnappern…
„Oldboy“ besitzt interessante Ideen, doch Park Chan-wooks Film ist auf ganzer Linie misslungen, was auch an den Darstellern liegt. Vor allem der Oberbösewicht kann sich nicht zwischen Milchbubi und Fiesling entscheiden, der Rest der Nebendarsteller ist auch nicht viel besser. Doch der Film gehört Choi Min-sikund der ist auch ein guter Schauspieler, wie man nach Filmen wie „Shiri“ weiß. Das beweist er auch anfangs, wenn der Oh Dae-Su vor und während der Gefangenschaft darstellt, nach der Freilassung kennt er leider nur zwei Gesichtsausdrücke: Belämmert gucken oder die Fresse aggro-mäßig im Charles Bronson Stil verziehen.
Gerade am Protagonisten krankt „Oldboy“ dann auch ungemein, was weniger an Choi Min-siks Darstellung liegt. Jedoch erfährt man über Oh Dae-Su nur, dass er Familienvater ist und öfter mal einen über den Durst trinkt. Da haben die Hauptfiguren in Michael Dudikoffs Filmen ja mehr Background und daher lässt das Schicksal von Oh Dae-Su einen gänzlich kalt (zumindest mich persönlich). Da mag der Mann ja lebendige Tintenfische schlürfen, Szenen übelster (Selbst-)Verstümmlung erleiden und austeilen, doch wo kein Mitgefühl mit der Figur, da auch kein Schock und das ist es, was Park Chan-wook hier anstrebt.
So langweilt die viel zu lange Schnitzeljagd nach den Entführern, die sich schnell als böses Spiel vom Chefbösewicht herausstellt, nach einer Weile ungemein. Oh Dae-Su folgt nur platzierten Hinweisen, ähnlich wie der Held in „The Game“, nur dass der zigmal spannender war. Zum Schluss kommt dann die Auflösung, warum der Fiesling den ganzen Terz veranstaltet. Man fragt sich eh schon, ob er nicht simpler Rache hätte nehmen können (zig Jahre warten für einen Racheplan, egal wie perfide er ist, ist doch etwas dämlich), und dann erfolgt eine Erklärung für den ganzen Zirkus, die auch aus einem C-Horrorfilm der Spätsiebziger stammen könnte. Es liegt nicht daran, dass der Oberbösewicht als Kind zuviel geohrfeigt wurde, aber das Motiv ist nur bedingt origineller und außerdem komplett hanebüchen. Komplett deplaziert sind einige dämlich, viel witzig gemeinte Momente, z.B. wenn Oh Dae-Su ein Haus verlässt und neben ihm ein Selbstmörder, mit dem er kurz zuvor noch geredet hat, aufschlägt.
So bleiben der überlangen und extrem langweiligen Schnitzeljagd nur wenige Momente haften, z.B. die einzige echte Kampfszene des Films, in der Oh Da-Su seitlich gefilmt eine ganze Horde Widersacher bekämpft. Auch die perfide, vorher bereits angedeutete Enthüllung, mit welcher der Bösewicht an Oh Dae-Su Rache nimmt, ist wirklich fies und sogar recht durchdacht, doch das entschädigt auch nur marginal für den stinklangweiligen Rest.
Letzten Endes versagt „Oldboy“ schlicht und einfach, weil er null Beziehung zur Hauptfigur aufbaut und deren quälende Suche nur noch langweilt. Regisseur Park Chan-wook hat Talent, das sieht man vielen Bildern an, aber das rettet auch nur ein bisschen was.
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