Eine Kritik von Bjerkelej (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 06.07.2006, seitdem 258 Mal gelesen
Lasst uns spielen, lasst uns spielen mit den Gefühlen der erforschten und auch verbotenen Tiefen der Seele. Die Frage ob Liebe zwischen Geschwistern wirklich Liebe oder Perversion ist, beschäftigte schon Dichter und Philosophen lange vor Sophokles, obwohl es sich bei ihm ein wenig anders darstellt. Wie sich erst am Ende herauskristalisiert, behandelt ‚Old Boy’ exakt das selbe Thema. Wenn man sich anschaut, wie der Film beginnt glaubt man, es handle sich um eine Geschichte aller Casper Hauser oder ‚The Cube’. Doch weit gefehlt. Ein Mann wird fast 15 Jahre in einen Raum gesperrt, ohne zu wissen warum und für wie lange. Als er frei kommt, beginnt er einen Rachefeldzug gegen seine Peiniger, so glaubt man. Doch wieder ist Park Chan-wookin der Lage sein Publikum zu täuschen. Wer jagt und rächt hier wen, wer hat die Kontrolle, wer wird kontrolliert? Ein altes Geheimnis, welches einem Mädchen aus Scham und Ehrgefühl das Leben gekostet hat. Deren Bruder rächt sich, indem er den Frevel, der es für den Protagonisten ist, diesen selbst begehen lässt, mit seiner eigenen Tochter. Natürlich weiß er davon nichts und genießt die Vorzüge der körperlichen Liebe. Letztendlich wird er mit all dem konfrontiert und ist der Verzweiflung nah. Doch warum all dies? Warum lässt der Antagonist ihn dies erleiden, obwohl er selbst diese Handlungen der verbotenen Liebe als nicht falsch betrachtet. Ist er sich des Unterschieds nicht mehr bewusst? Obwohl diese Frage sehr subjektiv offen bleibt, stellen sich weitere im gesamten Verlauf des Filmes, die dann sogar zu Ungereimtheiten oder irrealen Tatsachen führen. So frage ich mich, wie man das Kämpfen, mit all den dazu gehörigen Reflexen, der Auffassungs- und Einschätzungsgabe sowie der Ausdauer in einem kleinen Raum erlernen kann. Auf jeden Fall nicht, indem man Liegestütze macht und gegen Wände schlägt. Auch fragwürdig ist, warum der Bruder keiner Ächtung unterzogen wurde, wenn doch bekannt war, dass sie beide Verkehr hatten. Der Protagonist kante sie zwar nicht, aber ihn sehr wohl. Ist denn dort niemand so schlau eins und eins zusammen zu zählen? Auch die Tatsache, dass er sich zum Schluss das Gedächtnis löschen lässt, wobei ich dies auf diese Weise für höchst unwahrscheinlich halte lässt mich mit dem Kopf schütteln. Letztendlich soll dieser Film doch ein Drama sein, doch ist dies kaum möglich, wenn es zum Schluss noch ein halbes Happy End gibt, oder sagt der letzte Gesichtsausdruck unseres Helden, dass es nicht funktioniert hat? Fragen, über Fragen und lauter Ungereimtheiten, deren Liste man noch einige Ellen weiterführen könnte. Schauspielerisch ist kaum etwas einzuwenden, wobei es natürlicherweise für mitteleuropäisch sozialisierte Menschen schwierig ist asiatische Mimik in ihren Feinheiten genau fest zu machen.Grundsätzlich kann man sagen, dass das Thema nicht neu ist, auch die Idee des Vergeltens des gleichen mit Gleichem kennt man aus einer ewigen Liste von Romanen, doch glaube ich, dass dieser Film aufgrund seiner Sekondärkomponenten, wie der Einfedelung des Plots, durchaus das Zeug dazu gehabt hätte etwas Großes zu werden. Doch so kann ich von mir nicht behaupten, dass er mich wirklich überzeugt. Möglicherweise bin ich auch nicht in der Lage die Bilder dieses Filmes richtig zu deuten, das wäre nicht das erste Mal, doch warum stilisiert man die Verschlüsselung eines Filmes so weit, dass er einem einzigen Interpretationsprozess unterzogen werden muss, ohne dass wenigsten die Basics feststehen? Alles in Allem ist Old Boy ein Film, über den man sich gut auf Studentenpartys unterhalten kann, wenn man das Thema the Cube und Matrix bereits ausgereizt ist und der Alkohol und die nette Gesellschaft langsam zu Neige gehen, doch einen Kauf ist dieser Film meines Erachtens kaum wert.Â
Vlg der SeriusÂ
6/10