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Brotherhood (2004)

Eine Kritik von Onkel (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 28.12.2004, seitdem 843 Mal gelesen


In den Wirren des koreanischen Bruderkrieges entfernen sich zwei Brüder zunehmend voneinander - bis einer von Ihnen, getäuscht durch den vermeintlichen Tod des Bruders, aus Verzweiflung die Seiten wechselt...

Was sich bereits über Jahre angedeutet hat, ist nun Tatsache: Das koreanische Kino hat Hollywood endgültig eingeholt und in Teilbereichen gar den Rang abgelaufen. "Taegukgi" entpuppt sich als eine phänomenal gelungene Symbiose aus "Der Soldat James Ryan" und klassischen Elementen der großen Woo-Actiondramen der 80er-Jahre. Kang Je-kyus Meisterwerk aus dem Jahre 2004 besticht durch atembraubende Schlachtenbilder, eine epische Geschichte und toll ausgestaltete Charaktere, wie man sie seit John Woos "Bullet in the Head" in einem solchen Szenario nicht mehr gesehen hat. Begleitet wird die mitreißende Geschichte von einem wuchtigen Soundtrack, der sich problemlos mit den bekannten Werken eines Hans Zimmer messen lassen kann. Ein echtes Erlebnis, bei dem selbst im Abspann die Dolby-Anlage nochmal zeigen kann, was in ihr steckt.
Sicherlich ist die Story nicht wirklich tiefgründig und beschränkt sich im Grunde auf eine Aneinanderreihung von Schlachten, die durch Kriegsausbruch mit vorrangegangener Einführung der Charaktere und Heimkehr eingerahmt werden. Doch dieses Konzeot funktionierte schon bei Woo wundervoll - und tut es hier auch. Bei allem Schlachtenlärm geraten die Charaktere niemals in den Hintergrund, da "Taegukgi" praktisch halbdokumentarisch über die gesamte Spieldauer bei den beiden ungleichen Brüdern verweilt. Auf diese Weise wird ein wahrhaft intensives Filmerlebnis erst möglich gemacht. Die erstklassigen aber hierzulande zumeist unbekannten Darsteller tragen freilich ihren Teil zum Gelingen dieses Krachers bei...

In Sachen Action kann sich Kang Je-kyus Meisterstück ohne weiteres mit den großen Vorbildern eines Spielberg und Woo messen. Ein Bleigewitter der Sonderklasse, schonungslos, brutal und realistisch. Gefangenenerschiessungen sind kein Tabu, ebenso wie Massenhinrichtungen hinter der Front. Defintiv nichts für schwache Nerven, einzig die etwas schwachen CGI-Effekte beim Luftangriff fallen ein wenig aus dem Rahmen! Technisch ist das Ganze insgesamt aber einfach zu beeindruckend gelungen, so daß selbst unbedarfte Zuschauer hier einen Blick riskieren sollten. Es ist mehr als nur ein Film, es ist eine neue Erfahrung, ein Blick über den Tellerrand.
Einen qualitativen Unterschied zu Hollywood-Großproduktionen gibt es trotz der gewaltigen Budget-Unterschiede nicht mehr, wenn überhaupt ist Hollywood jetzt am Zuge, verlorenen Boden gutzumachen. Dutzende Remakes aller Art in diesem Jahrzehnt unterstreichen diesen Triumpf des fernöstlichen Kinos noch einmal...


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