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Brotherhood (2004)

Eine Kritik von png (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 29.12.2004, seitdem 478 Mal gelesen


Regisseur Kang Je-Gyu, der mit seinen Filmen „The Gingko Bed“ und „Shiri“ den internationalen Triumphzug des südkoreanischen Kinos ganz erheblich vorbereitet hat, donnert uns mit TAEGUKGI ein Kriegsepos auf Augen und Ohren, so gewaltig und monumental, dass man sich nicht ansatzweise dafür schämen muss, sich nach zweieinhalb Stunden recht mitgenommen zu fühlen. Ein Eindruck der bleibt. TAEGUKGI gelingt es, den Wahnsinn des Koreakrieges exemplarisch zu machen und gleichzeitig mit individueller, zutiefst ergreifender Tragik zu durchwirken. Nicht lediglich ein Figurenensemble, sondern Menschen und die Menschlichkeit, geraten unter die mit wirren, austauschbaren Parolen getriebenen Ideologiemaschinen, die gnadenlos die armen Seelen fressen, die zufällig nur auf die falschen Seiten geraten sind. Und genau diesen Plural meine ich, denn eine gerechte Sache, eine richtige Seite – den anfänglichen Eindruck eines heftigen Nordkorea-Bashings macht dieses Meisterwerk ganz schnell wett – gibt es nicht. Die beiden Brüder Jin-Tae und Jin-Seok werden während eines Ausflugs nach Seoul für den verzweifelten Kampf gegen die vorrückenden Kommies zwangsrekrutiert. In der naiven Hoffnung, seinen Beitrag zum zügigen Ende des Bürgerkrieges zu leisten und vor allem seinen jüngeren Bruder aus dem größten Schlamassel herauszuhalten, kämpft vor allem Jin-Tae löwenhaft und wird alsbald publicity-trächtig zum Kriegsheld erkoren. Dieser gehobene Status hilft ihm jedoch wenig, als sich die Front nach zähen Kämpfen gen Norden zurückverschiebt und die Südkoreaner die Heimatstadt der Brüder zurückerobern. Heftig geraten sie mit antikommunistischen Milizen und dem Geheimdienst zusammen, die Massenhinrichtungen an mutmaßlichen Kollaborateuren der Kommunisten exekutieren. Jin-Taes Verlobte, die um die kranke Mutter und sich selbst durch den harschen Winter zu bringen, für ein paar Lebensmittelmarken in die KP eingetreten ist, können sie nicht retten, und handeln sich nun selbst Folter und Knast – mit bester Aussicht auf die Gewehrläufe des Hinrichtungskommandos – ein. Als die Stadt an die Nordkoreaner zurückzufallen droht, bekommt die örtliche Heeresleitung den Befehl, das Gefängnis mit allen Insassen anzuzünden. Jin-Tae, der dem tosenden Inferno entkommen kann und von den nordkoreanischen Truppen aufgegriffen wird, schließt sich ob des vermeintlichen Todes seines geliebten Bruders hasserfüllt und wahnsinnig der nordkoreanischen Armee an – nicht dass ihm wahrscheinlich eine andere Wahl diesseits des Hades geblieben wäre. Die sich nachhaltigst ins Bewusstsein fressende Essenz dieses Films ist die ultimative Verkehrung aller Wertigkeiten, das heillose Chaos, das keine Helden und keine neue Wahrheit ausspuckt, und das selbst die Liebe, die alles Handeln Jin-Taes motiviert, als die angeblich stärkste und unkorrumpierbare und per se gute Emotion, nur zu ihrem Werkzeug missbraucht, um Menschen in Monster zu verwandeln.


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