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Brotherhood (2004)
Eine Kritik von Dr. Till (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 03.11.2006, seitdem 371 Mal gelesen
Lee Jin-tae (Jang Don-Kun) und Lee Jin-seok (Bin Won) sind Bilderbuchbrüder. Jin-tae, der ältere, ist seit dem Tod seines Vaters für die Familie verantwortlich. Sein kleiner Bruder ist ihm wichtiger als sein eigenes Leben. Und das beruht auf Gegenseitigkeit. Dazu ist seit kurzem auch noch die süße Kim Young-shin (Lee Eun-ju) in deren Leben getreten und bahnt sich an, Jin-taes Frau zu werden. Soweit eine etwas bedeutungslose Geschichte. Ein kleines Detail verändert die ansonsten solide Situation: Der Krieg. Arg unfreiwillig werden gleich beide Brüder eingezogen und verirren sich alsbald in einer Odyssee, die sich auf über 150 Minuten erstreckt.
Von der technischen Seite ist der Film einwandfrei. Das Kriegsgeschehen kommt mit einer lebensnahen Kamera sehr rauh rüber; das klare Vorbild sind die großen westlichen Kriegsfilmchen. Dazu gibt es noch unterschwellige Computereffekte, die wirklich nicht auffallen, das Geschehen aber viel dynamischer machen. Des Weiteren gibt es leckere Kriegswunden, die schön detailliert dem Zuschauer ins Gesicht gefeuert werden. Der Score ist auch ausgezeichnet, orientiert sich aber wieder bei bereits etablierten Werken. Die Komposition aus Ton und Bild erzeugt eine wirklich gelungene Kriegsatmosphäre, die in ihrer Skrupellosigkeit anderen Filmen einiges voraus hat.
Trotzdem ist der Krieg nur die Bühne für ein ganz anderes Schauspiel: Der sich entwickelnde Konflikt zwischen zwei sich über alles liebenden Brüdern. Um seinen kleinen Bruder möglichst schnell von seinem Dienst befreien zu können, wagt Jin-tae höchst gefährliche Dinge. Die erhoffte Ehrenmedaille würde dem kleinen Bruder eine Heimreise ermöglichen. In diesem Vorhaben stumpft Jin-tae zunehmends ab und entfremdet sich von Jin-seok. Der restliche Film beschäftigt sich dann mit einem steten Hin und Her, was aber nicht so plump rüberkommt, wie ich es jetzt beschrieben habe. Die Geschichte ist durchaus durchschaubar, in ihren Nuancen und auch im Groben aber sehr ergreifend.
Essentiel ist natürlich die Leistung der beiden Hauptdarsteller, die sich mächtig ins Zeug gelegt haben. Aus der Charakterentwicklung an sich resultiert natürlich etwas Kitsch, darüber sollte man zugunsten des tollen Films aber hinwegsehen. Was schon eher etwas auffällt, ist die tatsächlich recht plumpe Entwicklung Jin-taes. Der Vorgang wirkt unglaubwürdig und kratzt am tollen Gesamtgefüge. Nach dem ersten Drittel ist Jin-tae aber ausreichend entwickelt und der Film kann voll aufdrehen. An einigen Stellen kann man sich aber in die opulenten Schlachten nicht wirklich reinfühlen; der ausufernden Inszenierung zum Trotz wirken die Gefechte manchmal sogar dezent oberflächlich. Der Bruderkonflikt lenkt zu sehr von den Szenarien und möglichen Verletzungen ab. Ernst wird es immer nur dann, wenn es einem der beiden Brüder ans Leder geht.
Nicht negativ zu bewerten ist der naive Umgang mit den beiden Teilen Koreas, die sich bekriegen. Der Film lässt Nord-Korea zwar durch und durch böse Erscheinen, stellt den Staat aber auch so charakterlos dar, dass man sich selbst als Nord-Koreaner nicht unbedingt über den Film aufregen muss. Viel ernster ist die Kritik an Süd-Korea, das mit rassistischen Parolen und fiesen Hinrichtungen um einiges schlechter wegkommt. Nord-Korea ist quasi eine Art anonymes Böse, was irgendwie das Tatsächliche schönredet. Die Kritik am Krieg ist aber auf jeden Fall leicht zu verstehen.
"Brotherhood" ist ein schonungsloser Film und den amerikanischen Kriegs- und Antikriegsstreifen gar nicht so unähnlich. Im Fokus steht aber ein Bruderkonflikt, wohl als Metapher auf den Koreakrieg selbst, was viel Raum für eine interessante Geschichte lässt. Eben diese ist nicht wirklich bahnbrechend, manchmal sogar naiv, wohl aber herzergreifend präsentiert.
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