Ansicht eines Reviews

Brotherhood (2004)

Eine Kritik von dreamlandnoize (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 19.01.2007, seitdem 509 Mal gelesen


Südkorea im Jahr 1950: Die zwei Brüder Jin-Tae (Jang Dong-Kun) und Jin-Seok (Won Bin) leben in einfachen aber glücklichen Verhältnissen mit Frau, Geschwistern und der Mutter. Als der Nord-Süd-Krieg auch ihre Region erreicht, flüchtet die Familie mit notwendigsten Hab und Gut. Am Bahnhof angekommen, endet die Reise vorerst, da die beiden Brüder von der koreanischen Armee gegen ihren Willen rekrutiert werden. Mit dem Schicksal erstmal abgefunden, hat Jin-Tae nur noch ein Ziel vor den Augen - seinen jüngeren Bruder um jeden Preis der Welt heil nach Hause zu bringen. Dies scheint nur über den Weg der Ehrenmedaille zu gelangen, die man durch kühne Taten erreichen kann, wodurch der jüngere Bruder aus dem Kriegsdienst ausscheiden könne. Dieses Unterfangen geht anfangs gut, doch durch das sinnlose Blut vergießen wird die Abgestumpfheit und der Hass von Jin-Tae gegenüber den Feinden immer größer. Jin-Seok, der im Feind auch immer noch den Menschen sieht, stellt immer mehr die Taten seines Bruders in Frage, bis die Sache zu eskalieren droht.

Es gibt zwei Sorten von Filmen, bei denen mir es grundsätzlich schwer fällt, die Schauspieler sowie Statisten auseinanderzuhalten. Zum einen sind das Kriegsfilme, bei denen jeder von Kopf bis Fuß den gleichen Anzug trägt und zum anderen wären das Filme, in denen nur Menschen asiatischer Abstammung mitspielen, da die meisten (Gott möge mir verzeihen) gleich aussehen. Diese beiden Sachen in Kombination müssten eigentlich eine absolute Katastrophe ergeben, aber nicht so in "Brotherhood".
Regisseur Kang Je-Kyu beschränkt sich auf Charakterausmalung und Schicksal zweier Brüder, die sich durch den Krieg und gesehene Geschehnisse verändern, mehr Tiefen wie Höhen durchleben.
Je-Kyu geht sogar noch ´nen Schritt weiter, selbst bei hektischen, schnell geschnittenen Gefechten kann man stets Freund und Feind unterscheiden: Die Südkoreaner sind auf Sicherheit bedacht und tragen permanent einen Stahlhelm. Die Kommunisten aus dem Norden sind da etwas lockerer drauf und haben noch nie etwas von "Arbeitsschutz" gehört. Anstatt einem Helm ziert ihre Rübe eine Baseball-Cap (an-die-Stirn-klatsch). Selbst die später dazustoßenden Chinesen haben ihr eigenes "Erkennungsmerkmal" und scheinen ihre Vollendung in Sachen Mode in Wollmützen-Parkers gefunden zu haben. Da fehlen jetzt nur noch die G.I.s. mit ihren rosa Plüsch-Ohren-Wärmern. Ach nee, die erkennt man ja an den ollen Wooden-Tarn-Klamotten.

Aber wieder zurück zur eigentlichen Geschichte. Zwar wird der Zuschauer stets über den Fortschritt des Korea-Krieges informiert, doch Dreh- und Angelpunkt bleiben die beiden Brüder, die fast schon episodenartig munter von einer Schlacht zur nächsten hüpfen. Gerade im Anfangsdrittel läuft der Film ständig in Gefahr, vor zuviel Kitsch zu ersaufen, der penetrante Soundtrack gibt sein bestes dazu. Vorallem der jüngere der beiden geht mit seiner weinerlichen Art (OK, die Sympathie verdient der Junge sich später) mächtig auf den Sack, bis nach einer Stunde endlich mal Auswirkungen auf die Charaktere spürbar sind und langsam die Zahnräder anfangen ineinander zu greifen. Das geht dann auch ganz gut so, bis zur Wendung am Schluss, die verdammt unglaubwürdig daherkommt, und, außer Kopfschütteln, viele offene Fragen mit sich bringt.

Auf der technischen Seite gibt´s nicht viel zu meckern. Die abwechslungsreichen Orte waren nie besser ausgewählt und die effektreichen Schlachten schreien nach riesengroßen Budget (was hier aber nicht der Fall war) und können sich auf einer Augenhöhe mit den Hollywood-Produktionen sehen lassen. Trotzdem leidet die Atmosphäre öfters unter der Wackel-Kamera (manchmal schon echt nervend), was auch die expliziten Gewaltdarstellungen etwas entschärft.  Trotzdem ist die Härte auf dem normalen Niveau des Anti-Kriegsfilmes der Neuzeit, gerade die Gewalt-Szenen und menschenverachtenden Handlungen neben dem Kriegsschauplatz hinterlassen tiefere Spuren.

Wer sagt, "Windtalkers" sei ein No-Brainer und einfach nur eine sinnlose Action-Orgie soll sich mal bitte "Brotherhood" geben. Alles gezeigte ist schon irgendwie mal dagewesen. Die Story, sorry, ist scheiße, ein eingebildetes Epos das einfach keines ist. "Brotherhood"  bietet nur einen Schauplatz, der bisjetzt noch nicht verfilmt worden ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Jedoch dem Film den Hit-Stempel aufzudrücken nur weil er aus einem "Entwicklungsland" kommt und nicht aus dem Bush-Land stammt, ist mir bei den genannten Defiziten viel zu schön geredet / gesoffen.

Man macht mit Sicherheit nichts falsch, wenn man sich "Brotherhood" mal anschaut. Aber bevor der mir ein zweites Mal in den Player kommt, schau ich lieber wieder "Windtalkers" oder popel mir in der Nase rum.

6/10


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "dreamlandnoize" lesen? Oder ein anderes Review zu "Brotherhood (2004)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von dreamlandnoize

Zurück





Copyright © 1999-2012 KI Media GbR
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

766 Besucher online





Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Razorback - Kampfkoloss der Hölle (1984)
World Invasion: Battle Los Angeles (2011)
Paranormal Investigations 3 (2009)
Weiße Hai, Der (1975)
Hellraiser III - Hell on Earth (1992)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich